DFB-Frauen vor Virtelfinale: Die Sverigedödaren sind bereit

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Sara Däbritz wandelt bei der WM als beste DFB-Torschützin auf den Spuren von Birgit Prinz.
Sara Däbritz wandelt bei der WM als beste DFB-Torschützin auf den Spuren von Birgit Prinz. (Foto: dpa)
Sport-Informations-Dienst
Deutsche Presse-Agentur

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft als schwedischen Angstgegner zu bezeichnen, ist noch maßlos untertrieben. Die DFB-Kickerinnen werden im hohen Norden als Sverigedödaren gefürcht – als Schwedentöter. Seit dem 3:2 in der Gruppenphase bei der Heim-WM 1995 gelang dem „Damlandslaget“ kein Pflichtspielsieg mehr, drei Finals bei großen Turnieren wurden seitdem verloren. „Genug ist genug!“, sagt Torhüterin Hedvig Lindahl deshalb vor dem WM-Viertelfinale am Samstag (18.30 Uhr/ARD und DAZN). Verteidigerin Magdalena Eriksson meint: „Wir haben es satt, von diesem verdammten Deutschland-Spuk zu hören.“ Nationaltrainer Peter Gerhardsson hat sein ganz eigenes Rezept, um die Deutschen zu knacken. Gegen Kanada habe er sich mit Neil Young vorbereitet, sagt der Rock-Fan, jetzt soll es Rammstein sein: „Es wird hart und schwer, da passt das ganz gut.“ Doch auch sonst bietet das Duell einiges Beachtenswertes:

Grünes Licht für Marozsan: Die deutsche Spielmacherin Dzsenifer Marozsan ist wieder einsatzbereit. „Dzsenifer wird spielen können. Wir werden noch entscheiden, ob von Beginn an oder im Laufe des Spieles“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Marozsan hatte im WM-Auftaktspiel gegen China (1:0) einen Zehenbruch erlitten und seither nicht mehr mitgewirkt.

Eine lange Pause und Druck: Die einwöchige Pause für ihre Mannschaft zwischen Achtel- und Viertelfinale betrachtet Voss-Tecklenburg als Vorteil. „Ich bin immer noch froh, dass wir diese Woche hatten, weil wir zu Kräften kommen konnten. Wir haben einen Schwerpunkt gesetzt im technisch-taktischen Bereich“, sagte die 51-Jährige. Gegen die schnellen schwedischen Offensivkräfte muss die deutsche Defensive um Torhüterin Almuth Schult, die in den bisherigen vier Spielen kein Gegentor kassierte, hellwach sein. Dabei muss das verjüngte deutsche Team bei Temperaturen jenseits der 30 Grad auch eine hitzige Situation meistern: die erschwerte Olympia-Qualifikation. Nur die drei besten Nationen aus Europa lösen bei der Endrunde Tickets für Tokio 2020 – weil jedoch sieben europäische Teams ins Viertelfinale kamen, ist das Halbfinale Pflicht.

Mentalität und Werbestar: Die Spielerinnen um Toptorschützin Sara Däbritz (drei Treffer) fühlen sich nach der Steigerung von Spiel zu Spiel gerüstet. „Ich bin zuversichtlich, dass wir kämpferisch an unsere Leistungen aus den vorherigen Spielen anknüpfen, dass wir am besten noch einmal einen Tick drauflegen“, sagte Däbritz: „Was die Mentalität angeht: Da sind wir echt überragend.“ Däbritz selbst ist der Werbestar des Teams. Ob in den Spots von Nike, Coca-Cola oder der Commerzbank: Sie mischt als einzige Deutsche in der obersten Liga mit. Das Interesse der Zuschauer hat die 24-Jährige mit ihren vier Auftritten geweckt. Laut einer Auswertung des Serviceportals vergleich.org wird keine deutsche Nationalspielerin häufiger über Google gesucht. Däbritz ist zudem die erste Deutsche seit Birgit Prinz 2003, die in drei WM-Partien in Serie getroffen hat. „Ich versuche einfach weiterhin, mein Bestes zu geben – und in den nächsten Spielen noch einmal das eine oder andere Tor nachzulegen“, sagt Däbritz.

Die Frau mit dem Regenbogen: Bei den Schweden ist Nilla Fischer der Star sowie Aktivistin für Gleichberechtigung und gegen Homophobie und muss viel aushalten. Morddrohungen und Hassmails hat die Innenverteidigerin, die in diesem Sommer nach sechs Jahren beim VfL Wolfsburg zum FC Linköping zurückkehrt, schon erhalten. Ihren Kampf hat die Frau mit der markanten Kurzhaarfrisur trotzdem nie aufgegeben. Fischer ist seit 2013 mit ihrer Frau Mariah-Michaela verheiratet. Und ihr 2017 geborener Sohn Neo soll eben in einer Welt aufwachsen, in der Diskriminierung von Homosexuellen und Frauen keinen Platz mehr hat. „Wo ich jetzt schon über 30 bin, weiß ich, wer ich bin, und ich weiß, dass meine Meinung etwas zählt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob du heterosexuell oder lesbisch oder was auch immer bist. Man kann immer seine Meinung sagen, und es würde helfen, wenn möglichst viele Menschen das tun.“

Und die Schwedinnen generell? Hinken als Weltranglistenneunter den hohen Ansprüchen hinterher. Die WM-Auftritte waren dürftig, das 1:0 im Achtelfinale gegen Kanada war selbst für den „Expressen“ „das langweiligste Spiel des Turniers“. Nationaltrainer Peter Gerhardsson weiß nicht nur deshalb, dass Schweden gegen Deutschland nur an einem sehr guten Tag eine Chance hat. Daher fordert er: „Unsere Spielerinnen müssen Heldinnen sein.“

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