Deutscher Fußball contra Super League

Hansi Flick
Auch Bayern Münchens Trainer Hansi Flick sieht die Super League kritisch. (Foto: Sven Hoppe / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Thomas Prüfer

Fußball-Deutschland contra Super League: Führende Vertreter der Spitzenvereine aus der 1. und 2. Liga und auch frühere Nationalspieler haben sich geschlossen gegen die von zwölf Topclubs aus Spanien, Italien und England geplante europäische Super League gestellt.

Gemeinsamer Tenor der Clubvertreter für die kategorische Ablehnung: Eine Super-Liga würde die Champions League, den wichtigsten UEFA-Wettbewerb, beschädigen und wohl auch entwerten.

„Das wäre nicht gut für den Fußball“, sagte Trainer Hansi Flick von Rekordmeister FC Bayern München zu dem Vorhaben, an dem auch Jürgen Klopps FC Liverpool beteiligt ist. „Es ist zynisch und heuchlerisch zu behaupten, dies sei ein Schritt zum Wohle des Fußballs, der den Wünschen der Fußballfans entspreche, wie dies die Betreiber dieser Liga nun tun“, meinten Borussia Mönchengladbachs Geschäftsführer Max Eberl und Stephan Schippers in einem gemeinsamen Schreiben. Sie sprachen von einem „Angriff auf die Clubwettbewerbe der UEFA, aber auch im Speziellen auf die nationalen Ligen.“

Ähnlich reagierte Vorstandschef Oliver Mintzlaff von RB Leipzig auf den Vorstoß des Zwölferbündnisses. „Wir sind Verfechter des sportlichen Wettbewerbs.“ Und der sehe im Profifußball vor, „dass man in der nationalen Liga darum kämpft, einen Tabellenplatz zu erzielen, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt.“

Auch die deutschen Ex-Nationalspieler Lukas Podolski und Mesut Özil übten scharfe Kritik. „Dieses Projekt ist ekelhaft, unfair, und ich bin enttäuscht, dass Clubs dabei sind, die ich repräsentiert habe“, teilte „Poldi“ via Twitter mit. Der Stürmer hat unter anderem für den FC Arsenal und Inter Mailand gespielt - beide zählen zu den Gründungsmitgliedern der Superliga. Die Initiative sei eine „Beleidigung für das, woran ich glaube: Fußball ist Glück, Freiheit, Leidenschaft, Fans und für Jedermann“, schrieb Podolski.

„Kinder wachsen mit dem Traum auf, die Weltmeisterschaft und die Champions League zu gewinnen - nicht irgendeine Super League“, befand Özil. „Die Freude an großen Spielen besteht darin, dass sie nur ein- oder zweimal im Jahr stattfinden, nicht jede Woche.“

Einige Vereine reagierten humorvoll. „Uns hat noch keiner gefragt, ob wir teilnehmen wollen“, scherzte Greuther Fürths Trainer Stefan Leitl. Zweitliga-Rivale Darmstadt 98 ging im Spott sogar noch weiter: „Klarstellung: Der #sv98 steht für eine europäische #SuperLeague nicht zur Verfügung. Wir glauben weiterhin, dass wir uns auf sportlichem Weg für den europäischen Wettbewerb qualifizieren können. Irgendwann. Vielleicht“, twitterten die Darmstädter, die zuletzt von 2015 bis 2017 in der 1. Liga, aber noch nie im Europapokal spielten.

Trainer Robert Klauß vom 1. FC Nürnberg reagierte besonders harsch. Er nannte die Pläne „eine total beknackte Idee“ und „Vollkatastrophe“ für den Fußball. Die Pläne der Großvereine seien verheerend für die kleineren Clubs - gerade zu Corona-Zeiten. Ihn empört angesichts der finanziellen Probleme aller Vereine wegen der Pandemie mit Spielen ohne Zuschauer der ganze Vorstoß: „Gerade jetzt, in der aktuellen Phase, wo die kleinen Vereine Probleme haben, schauen die großen Vereine, dass sie noch mehr Geld generieren. Das ist ja Wahnsinn!“

Arminia Bielefeld wird im Bundesliga-Spiel gegen den FC Schalke 04 am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) mit einem Sondertrikot auflaufen. „Das ist unsere Antwort auf die Super League“, sagte ein Sprecher mit einem Augenzwinkern. Gewählt wurde das Trikot mit der Aufschrift „Fußball lebt durch seine Fans“ allerdings schon im März.

Doch der zusätzliche Sinn der Aussage trifft die Einstellung des Vereins gut. „Wir haben uns als Club zu diesem 'Höher, Schneller, Weiter, Größer' dieser Zeit stets kritisch geäußert“, sagte Sportchef Samir Arabi: „Uns fragt keiner, ob wir in dieser Liga mitspielen wollen, aber wir wollten es auch nicht. Wir können uns mit dieser Entwicklung überhaupt nicht identifizieren und sind der Meinung, dass sie schädlich für den Fußball ist.“

© dpa-infocom, dpa:210419-99-266210/3

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Jetzt mit Push-Nachrichten für Ihr Impfzentrum

Die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt. 

+++ JETZT NEU: Nutzer mit einem Schwäbische Plus Basic, Premium- oder Komplettabo können sich nun exklusiv und noch schneller per Pushnachricht aufs Handy über freie Termine bei Ihrem Wunsch-Impfzentrum informieren lassen. Hier geht es direkt zum Push-Service, Abonnenten können ihn sofort nutzen.

Nutzer ohne Abo können weiterhin die bestehende Impfampel auf dieser Seite hier nutzen.

Impfung

Chefvisite - Klinikchef fordert harte Strafen für Impfverweigerer

Für Impfverweigerer soll möglichst rasch ein Regel- und Strafwerk erarbeitet werden. Darüber müsse „jetzt entscheiden werden, sonst gerät das Thema in den Bundestagswahlkampf“, warnt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner, bei „19 – die Chefvisite“. Die Corona-Impfung sei selbstverständlich freiwillig, so der Mediziner.

Es müsse aber auch klar sein, dass ein Nein zum Piks von bis zu zehn Millionen Einwohnern für diese „bedeutet, dass etwas wegfällt“ – als Strafen denkbar seien zum Beispiel die Untersagung des ...

 Im Landkreis Biberach liegt die Inzidenz unter 165. Öffnen jetzt wieder die Schulen?

Inzidenz im Landkreis unter 165, was das für die Schulen bedeutet

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Biberach ist nach Angaben des Landesgesundheitsamts am Donnerstag auf 144,6 gesunken. Schon am Mittwoch lag der Inzidenzwert mit 160,5 unter der für Schulen und Kindergärten relevanten 165er-Marke. Zu Lockerungen wird es vor Pfingsten dennoch nicht kommen können.

Wird der Inzidenzwert 165 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unterschritten, gilt an den Schulen wieder Wechselunterricht und an den Kitas Regelbetrieb.

Mehr Themen