Freiwasser-Staffel holt Silber - Wasserspringer weiter top

Deutsche Presse-Agentur
Thomas Eßer und Christian Kunz

Völlig ausgepumpt klatschte Florian Wellbrock mit seinen Konkurrenten ab und ließ sich kurz darauf am See-Strand gemeinsam mit seinen Teamkollegen mit der Silbermedaille ehren.

Die deutschen Freiwasserschwimmer haben bei den Europameisterschaften in Ungarn mit der Staffel den zweiten Platz belegt. Lea Boy, Leonie Beck, Rob Muffels und Doppel-Weltmeister Wellbrock mussten sich am Samstag nach 4 x 1,25 Kilometern nur dem souveränen Quartett aus Italien geschlagen geben. Unter dem Hallendach der Duna Arena gewann Wasserspringerin Tina Punzel Gold vom Drei-Meter-Brett, Timo Barthel und Patrick Hausding holten Bronze im Synchronspringen vom Turm.

„Ich habe nach dem ersten Sprung heute Morgen schon im Gefühl gehabt: Es kann heute ein richtig guter Tag werden“, sagte Punzel glücklich, nachdem sie ihren Medaillensatz mit dem EM-Titel komplettiert hatte. Die 25-Jährige hatte zuvor Bronze im Team mit Hausding, Christina Wassen und Lou Massenberg sowie Silber mit Massenberg im Mixed-Synchronspringen aus drei Metern Höhe geholt. Insgesamt sicherte Punzel dem Deutschen Schwimm-Verband das neunte Edelmetall in Ungarn.

Im Freiwasser bewies Wellbrock in einem extrem spannenden Schlussspurt um die Plätze zwei bis vier seine Finish-Qualitäten und verwies die Gastgeber auf den Bronzerang. „Ich war froh, dass ich es auf den zweiten Platz retten konnte“, sagte der 23-Jährige. „Im Endeffekt können wir super zufrieden sein mit der Medaille. Gegen Italien zu verlieren, ist keine Schande.“ Für den Italiener Gregorio Paltrinieri war es bereits das dritte Gold in seinem dritten Rennen bei dieser EM.

„Als Durchgangsstation haben wir uns hier alle ganz gut verkauft“, sagte Wellbrock mit Blick auf die Olympischen Spiele. Über zehn Kilometer hatte er Bronze geholt.

Für Olympia-Hoffnungsträger Wellbrock war es das dritte und letzte Rennen dieser Europameisterschaften. Den abschließenden Freiwasser-Wettkampf über 25 Kilometer an diesem Sonntag lässt er aus, und auch im Becken tritt der Magdeburger nicht an.

Die Wettkämpfe im Lupa-See waren für den gebürtigen Bremer wichtige Olympia-Tests nach langer Zeit ohne internationale Kräftemessen. Die Rennen mit der starken europäischen Konkurrenz haben ihm gezeigt, dass er nach wie vor zu den Topschwimmern im Freiwasser zählt.

Wie aussagekräftig die Ergebnisse mit Blick auf die Sommerspiele sind, ist allerdings fraglich - wie auch das deutsche Team selbst immer wieder betont. Die Bedingungen in Japan werden sich mit komplett anderen Wassertemperaturen stark von jenen in Ungarn unterscheiden. „Wir freuen uns, glaube ich, alle auf Sonne und warmes Wasser in Tokio“, sagte Wellbrock. „Ich denke, da läuft es dann hoffentlich noch ein bisschen besser fürs deutsche Team.“

Richtig gut lief die EM mal wieder für Medaillengarant Hausding. Der Rekordeuropameister der Wasserspringer gewann bei seinem letzten Einsatz in Budapest seine vierte Medaille. „Wir sind einen super Wettkampf gesprungen“, sagte der 32-Jährige nach dem dritten Platz hinter Sieger Großbritannien und Russland. „Dass die Russen und Briten in einer anderen Liga springen, war uns bewusst“, ergänzte er und sprach von einer „Top-EM“. In Budapest hatte er zuvor bereits zweimal Gold und einmal Bronze gewonnen. Für den 25 Jahre alten Barthel war es die erste EM-Medaille.

© dpa-infocom, dpa:210515-99-609018/5

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