Der SC Riessersee liegt in Trümmern

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Duelle zwischen den Ravensburg Towerstars (links Mathieu Pompei) und dem SC Riessersee wird es in der kommenden DEL-2-Saison nic
Duelle zwischen den Ravensburg Towerstars (links Mathieu Pompei) und dem SC Riessersee wird es in der kommenden DEL-2-Saison nicht mehr geben. (Foto: Archiv: Felix Kästle)
Sportredakteur

Vor wenigen Wochen stand der SC Riessersee noch im Finale um die DEL-2-Meisterschaft, vor einigen Tagen wurde sogar mit Uli Maurer ein gestandener DEL-Spieler verpflichtet, nun steht der Verein vor einem Trümmerhaufen. Am Dienstag gab der SCR bekannt, in der kommenden Saison nicht mehr in der zweiten Eishockeyliga zu spielen. Gesellschafter und Geschäftsführer Udo Weisenburger gab in einem offenen Brief bekannt, dass er diese Entscheidung aus finanziellen Gründen treffen müsse. Den Ravensburg Towerstars geht dadurch einer der attraktivsten Gegner verloren, die Liga verliert eines ihrer Zugpferde.

In dem Brief geht Weisenburger vor allem seinen Geschäftsführer-Vorgänger Ralph Bader scharf an. „Die unvorhergesehenen Altlasten, verbunden mit für den SC Riessersee nicht tragbaren Bader-Spielerverträgen, haben auch in der Saison 2017/18 zu einem negativen Geschäftsjahr geführt, und das trotz der unerwartet hohen Einnahmen aus den Play-offs. Leider habe ich einen Punkt erreicht, bei dem weder mein Unternehmen nochmals Geld in den SC Riessersee stecken kann, noch mein Privatvermögen ausreicht, um das SCR-Loch zu stopfen“, heißt es in dem offenen Brief unter anderem. Weisenburger schreibt, dass er seit 2015 insgesamt rund 1,5 Millionen Euro investiert habe, um den Verein über Wasser zu halten.

Bayreuth Tigers als möglicher Nachrücker

Weisenburger, der alleiniger Gesellschafter des SC Riessersee ist, kündigte an, den Verein in der kommenden Spielzeit in der Oberliga Süd starten lassen zu wollen. Ob dies überhaupt gelingt, ließ Weisenburger offen. Er sendete allerdings deutliche Signale dafür aus, dass der SCR Hilfe und Unterstützung benötige: „Wir werden nun alles versuchen, dass dieser Plan gelingt, und ich hoffe, dass sich die ganze Region beteiligt.

Von der DEL-2-Geschäftsführung gab es darauf nur eine kurze Stellungnahme, in der die Ligagesellschaft die Entscheidung bedauerte, aber die „wirtschaftliche Betrachtung des Clubs“ respektiere. Um weiterhin 14 Clubs in der DEL 2 zu haben, werde über einen Nachrücker entschieden. Ihr Interesse an dem frei werdenden Platz meldeten noch am Dienstagabend die sportlich abgestiegenen Bayreuth Tigers an. Der Verein werde nun beide Lizenzanträge stellen – für DEL 2 und Oberliga, hieß es in einer Stellungnahme.

Noch vor etwas mehr als einer Woche hatte der SC Riessersee die Vertragsverlängerung mit Joel Johansson bekanntgegeben, kurz zuvor war der Wechsel von Uli Maurer aus Schwenningen zurück in die Heimat vermeldet worden. Nichts deutete auf den Paukenschlag hin. Auch als Riessersee am vergangenen Montag sieben Abgänge auf einen Streich ankündigte – darunter der hoch geschätzte Goalie Matthias Nemec, der beim deutlich schwächer einzuschätzenden EHC Freiburg anheuerte – deutete er sich höchstens leise an. So richtig heiß liefen die Drähte zwischen Spielervermittlern und möglichen Vereinen nach SZ-Informationen aber erst am Dienstag, kurz bevor Weisenburger mit seinem brisanten Brief an die Öffentlichkeit ging.

Auch in Ravensburg bei Towerstars-Geschäftsführer Rainer Schan war am Dienstag die Überraschung groß. Zwar habe es immer wieder Hinweise auf Defizite beim SCR gegeben, mit dem großen Knall habe aber auch er nicht gerechnet. Es sei „schlecht für die Außendarstellung der Liga“, bedauerte Schan Riessersees Ausscheiden. „Es ist traurig, dass so ein Verein aus der Liga fliegt,“ sagte auch Towerstars-Kapitän Vincenz Mayer, der einst in der Jugend für den SCR spielte.

Für die Towerstars bedeute der Rückzug Riessersees, dass auch der eine oder andere interessante Spieler für Ravensburg auf den Markt kommen könnte. Es sei noch eine Ausländerstelle offen, sagt Schan. Womöglich wird dieser Tage ja auch sein Telefon läuten.

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