Der süße Junge? Routinier Tasci!

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Jetzt muss er sich vom roten Brustring trennen: Der Ex-Stuttgarter Serdar Tasci (links), hier im sehr VfB-ähnlichen Spartak-Trik
(Foto: imago)
Jochen Schlosser

Pep Guardiola war gereizt. Mürrisch wirkte der Bayern-Trainer bei der Frage. „Natürlich, wir haben ein Problem. Wir haben nur einen Innenverteidiger“, sagte Pep Guardiola am Sonntagabend nach dem 2:0 gegen die TSG Hoffenheim bei der Pressekonferenz, „Badstuber, Holger.“ Ob er sich vorstellen können, dass noch ein Spieler für die Position verpflichtet wird? Da klang der Katalane, dessen Wechsel nach Saisonende zu Manchester City nun offiziell ist, regelrecht pampig. „Verpflichtungen oder das Verkaufen von Spielern hängen vom Verein ab, nicht von mir“, sagte der Katalane. Ein paar Meter weiter und ein paar Minuten später, in der Mixed Zone der Allianz Arena, verkündete Klubchef Karl-Heinz Rummenigge im Brustton der Überzeugung: „Es gibt in der Winterperiode keine guten Spieler, die von guten Vereinen abgegeben werden.“

Und was ist dann Serdar Tasci für ein Spieler? Und zu welcher Kategorie zählt sein bisheriger Arbeitgeber Spartak Moskau? Egal. Beim FC Bayern, man denke nur an Franz Beckenbauer, „interessiert das Geschwätz von gestern“ traditionell wenig. Am Montag, nur Minuten vor Schließung des Transferfensters um 18 Uhr, verkündete der FC Bayern die Verpflichtung des Ex-Nationalspielers.

2,5 Millionen Euro Leihgebühr

Tasci, 2007 Meister mit dem VfB Stuttgart und 2013 für vier Millionen Euro Ablöse nach Moskau gewechselt, kommt auf Leihbasis vom russischen Spitzenklub. Angeblich kostet der Transfer des 28-Jährigen die Münchner eine Leihgebühr von 2,5 Millionen Euro. Sollte der nach überstandenen Knieproblemen zuletzt bei Spartak zum Stammpersonal zählende Profi – er absolvierte diese Saison 16 von 18 Partien in der Premier Liga von Beginn an – im Sommer fest verpflichtet werden, wären weitere rund zehn Millionen Euro fällig.

„Wir sind froh, dass wir kurzfristig die Möglichkeit bekommen haben, einen Spieler wie Serdar Tasci zum FC Bayern zu holen“, erklärte Sportvorstand Matthias Sammer am späten Montagnachmittag. „Er ist in der Lage, uns mit seiner Qualität und Erfahrung sofort zu helfen.“ Tasci selbst, der für den VfB 181 Bundesliga-Partien absolviert hat, erklärte nach seiner Vertragsunterschrift: „Ich fühle mich sehr gut und freue mich riesig auf die Herausforderung. Ich hoffe, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann.“

Der Deal ist eine kleine Sensation, denn der Verteidiger war sich eigentlich bereits mit Liga-Rivale FC Schalke 04 einig. Sogar beim VfB hatten sie Anfang des Jahres – allerdings nur kurz – nach einem Interview Tascis („Stuttgart ist meine Heimat“) von einer Rückkehr des verlorenen Sohns geträumt. Im nicht allzu weit entfernten München dürfte „Tasci, Serdar“, geboren in Esslingen, nun gemeinsam mit „Badstuber, Holger“, dem Mann aus Rot an der Rot, bis auf Weiteres die schwäbische Innenverteidigung bilden. Auch in der Champions League, dies war neben der Qualität das wichtigste Kriterium beim Spontankauf der Münchner, ist der Routinier spielberechtigt.

Am Sonntag, vor der Hoffenheim-Partie, war nämlich bekannt geworden, dass nach Weltmeister Jérôme Boateng, der seine Pause nun selbst auf „zweieinhalb bis drei Monate“ taxierte, auch Javi Martínez womöglich langfristig ausfallen wird. Angeblich soll wegen Meniskusproblemen eine Arthroskopie vorgenommen werden. Der Spanier präsentierte sich zwar am Sonntagabend auf der Stadiontribüne – übrigens gemeinsam mit Mario Götze, der diese Woche wieder ins Teamtraining einsteigen wird – auffallend gut gelaunt. Von einer langen Pause wollte er nichts wissen. Auch die Verantwortlichen der Bayern mühten sich, die neuerliche Verletzung des 40-Millionen-Euro-Mannes möglichst kleinzureden. Schließlich hatte Martínez bereits 2014 einen Totalschaden am linken Knie erlitten. Guardiola schickte den 27-Jährigen dennoch umgehend zu seinem Vertrauensarzt Ramon Cugat nach Barcelona. Wie lange Martínez tatsächlich ausfallen wird, ist offen.

In Medhi Benatia kränkelt ein weiterer Innenverteidiger – und zwar immer wieder. Der Marokkaner, so die Bayern, liege bei seinen Comeback-Bemühungen im Plan, gegen die TSG musste Guardiola jedoch seinen Lieblingsschüler Joshua Kimmich auf der Position testen. Der 20-jährige Ex-Stuttgarter löste die Aufgabe ansprechend. Der Coach lobte ihn: „Josh hat das gut gemacht. Er hat gezeigt, er hat die Qualität. Er ist schnell, kopfballstark. Er ist ein süßer, süßer Junge.“ Doch nur mit Badstuber und einem süßen Jungen wollten die Bayern dann doch nicht ins Champions-League-Viertelfinale gegen Juventus Turin gehen.

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