„Der perfekte Zehnkampf war es nicht“

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Weltmeister
Ist von der Atmosphäre der WM nicht begeistert: Niklas Kaul zeigt seine Goldmedaille im Zehnkampf. (Foto: Michael Kappeler/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Andreas Schirmer und Christian Hollmann

Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul erwies sich nach der Rückkehr aus Doha auch im Marathon der Ehrungen, Feiern und Interviews als unerschöpflicher, sympathischer Held.

„Ich nehme das alles in mich auf, genieße den Moment und hoffe, dass es jetzt so weitergeht“, sagte der 21 Jahre alte Lehramtsstudent im ZDF-„Sportstudio“ angesichts des Hypes in der Heimat und mit Blick auf die Olympische Spiele in Tokio. „Im Sport gibt es aber keine Garantien. Deshalb ist es umso wichtiger, das jetzt zu feiern, was man geschafft hat.“

Ein Vorgeschmack darauf, was alles auf ihn noch einprasseln wird, hat er schon bekommen: Vom großen Empfang am Flughafen Frankfurt ging es erst ins Rathaus von Mainz zur Eintragung ins Goldene Buch seiner Heimatstadt und danach weiter zum ZDF - nach „zusammen addiert“ (Kaul) nur drei Stunden Schlaf seit seinem WM-Triumph. Auf das obligatorische Torwandschießen verzichtete er nicht aus Versagensangst und Ermattung: Allein die Blasen an den Füßen nach dem WM-Kraftakt waren der Grund.

Schließlich muss der jüngste Zehnkampf-Champion der WM-Historie ungeachtet der Fortsetzung der Jubeltour - bis zur „Sportler des Jahres“-Wahl im Dezember in Baden-Baden - die Olympia-Vorbereitung fix in Angriff nehmen. „Es ist wichtig, den Weg nach Tokio weiterzugehen und sich nicht auf dem Erfolg auszuruhen“, sagte Kaul, der den Triumph von Doha „als sehr großen Schritt“ für Tokio sieht - aber eben auch nur als Durchgangsstation.

„Ich glaube, dass es noch nicht der perfekte Zehnkampf war“, meinte Kaul - und das Ergebnis mit 8691 Punkten nicht das Ende des Möglichen. Abgesehen von den bei der WM ausschlaggebenden Stärken im Speerwurf und über 1500 Meter, habe er „in den ungeliebten Schnellkraft-Disziplinen“ noch das meiste Potenzial. „Einfach, weil es von einem geringeren Niveau leichter ist, sich noch zu steigern“, erklärte Kaul. „Fünf, sechs Meter im Speerwurf draufzupacken, wird eher schwierig.“

Deshalb werde er im Winter an der Schnellkraft arbeiten und hoffentlich verletzungsfrei durch den Winter kommen. „Dann kann das Olympia-Jahr ein sehr, sehr gutes werden“, hofft Kaul, „aber das liegt noch in weiter, weiter Ferne.“

Erstmal will er auf einen Gruß der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warten. Um seine Postadresse wurde er schon gebeten. „Ich lasse mich mal überraschen“, sagte Kaul, der sich über eine Botschaft der Regierungschefin sehr freuen würde. „Auf jeden Fall“, versicherte der zum „Welt-Mainzer“ gewordene Ausnahmeathlet aus dem rheinland-pfälzischen Saulheim, das inoffiziell in „Kaulheim“ umbenannt wurde. Trotz aller Huldigungen und Überschwangs sieht der zum „König Nik, der Erste“ geadelten Kaul, keinen Grund abzuheben: „Warum soll man nicht weiter bescheiden sein.“

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