Der Neue ist da: So will Tim Walter den VfB Stuttgart wieder in die 1. Liga führen

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Tim Walter
Tim Walter ist der neue Trainer des VfB Stuttgart. (Foto: Christopher Schmidt / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Als es um das Auftreten des neuen Trainers Tim Walter geht, bringt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat ein Zitat von Zlatan Ibrahimovic. „It's not arrogance, it's confidence“, soll der Fußball-Superstar aus Schweden einmal gesagt und damit den Unterschied zwischen Arroganz und Selbstvertrauen erklärt haben.

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Auch bei dem 43-jährigen Walter, der den Absteiger VfB Stuttgart aufbauen und zurück in die Bundesliga führen soll, ist das in der Vergangenheit wohl schon missverstanden worden. „Für manche kommt das als Arroganz rüber“, sagt Walter selbst. „Aber ich bin überzeugt.“ Nur so könne er seine Spieler erreichen — und besser machen.

Es ist voll in dem Nebenraum des Clubrestaurants, als Walter am Mittwoch einen Tag vor der ersten Einheit sich selbst und seinen Plan mit dem VfB vorstellt. „Das ist unser Anspruch, dass wir die Mannschaft sind, die agiert. So bin auch ich, ich bin mutig“, sagt er.

„Wir wollen schon auch schnell und aggressiv verteidigen.“ Walter war zuletzt bei Holstein Kiel und hat einen Vertrag bis Sommer 2021 unterschrieben. „Wir wollen den Verein weiterbringen. Das heißt auch, dass wir aufsteigen wollen. Das ist auch ganz normal.“

Der aus Bruchsal stammende Badener ist 1,92 Meter groß und überragt fast alle anderen. Er ist gut gebräunt und trägt zu seinem kurzen Vollbart schwarz-graue Trainingskleidung des neuen Ausrüsters, Turnschuhe und die bunten Armbänder seiner drei Kinder am linken Handgelenk.

In einer Reihe neben ihm sitzen Sportdirektor Mislintat und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger. Einigkeit soll das demonstrieren. Dem Augenschein nach scheint die Chemie zwischen den drei wichtigsten Leuten des VfB Stuttgart jedenfalls zu stimmen. Immer wieder gibt es Blickkontakt und Scherze untereinander.

Wir wollen den Verein weiterbringen. Das heißt auch, dass wir aufsteigen wollen. Das ist auch ganz normal.

Tim Walter

Er will mit dem VfB zurück in die Bundesliga: Trainer Tim Walter
Er will mit dem VfB zurück in die Bundesliga: Trainer Tim Walter (Foto: dpa)

Walter, Mislintat und Hitzlsperger geben sich Mühe. Nach der „kürzesten Sommerpause“ (Hitzlsperger) soll niemand mehr an den bitteren dritten Abstieg der Vereinsgeschichte denken. Mit knapp drei Wochen Abstand geht der Blick nach vorne. „Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, dann schaffen wir das nur, wenn wir alle anpacken“, sagt Hitzlsperger. „Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass wieder Vorfreude da ist. Wir wollen wieder aufsteigen, daran arbeiten wir.“

Mit der Entscheidung, die Verträge der Routiniers Christian Gentner, Dennis Aogo und Andreas Beck nicht zu verlängern sowie den in der Teamhierarchie ebenfalls weit oben angesiedelten Ex-Nationaltorwart Ron-Robert Zieler zum Konkurrenten Hannover 96 ziehen zu lassen, haben die drei schon klare Signale gesendet. Benjamin Pavard geht zum FC Bayern München.

Bei Ozan Kabak rechnet Mislintat mit einem Wechsel zu den in einer Vertragsklausel festgelegten Konditionen. Pablo Maffeo ist so gut wie weg. Ansonsten aber hat Stuttgart keine Ambitionen, den Kader noch massiv zu ändern — und dabei eine gute Verhandlungsposition: „Bis auf bei Ozan haben wir komplett das Heft des Handelns in der Hand“, sagt Mislintat.

Sollte etwa Anastasios Donis den Verein verlassen wollen, dann nur zu den Bedingungen des VfB. Über Gonzalo Castro sagte Mislintat, er sehe „überhaupt keine Notwendigkeit, da was zu diskutieren“. Auch bei Nicolás González gebe es eine „sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass er bei uns spielt“.

Wer bleibt, wird ab Donnerstag um 16.00 Uhr die Spielphilosophie Walters kennenlernen und verstehen müssen. Am Sonntag geht es nach dem ersten Test gegen eine Regionalauswahl ins Trainingslager nach Kitzbühel, aber auch die Zeit dort wird nicht reichen.

„Das ist nicht mal eben ein Prozess, den man in vier, fünf Wochen abschließen kann“, sagt Mislintat. Walter sieht das genauso. Zweifel daran, dass es klappt, hat er nicht. „Ich habe es bislang überall hinbekommen. Deswegen gehe ich davon aus, dass ich es auch hier hinbekomme.“

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