Der FC Bayern führt Stuttgart vor: Dominanz, die langweilt

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Da freuen sich zwei: Thomas Müller (li.) und Robert Lewandowski.
Da freuen sich zwei: Thomas Müller (li.) und Robert Lewandowski. (Foto: Imago)

Es ist schon kurios: Der Mann, der am wenigsten tun muss in der Fußball-Bundesliga, verdient mit am meisten Geld und ist auch noch Kapitän der mit Abstand besten Mannschaft. Und so war es diesem Manuel Neuer, 32 und immer noch Nationaltorhüter, wohl offenbar wichtig, einmal ein Zeichen zu setzen in dieser Liga: Nach 36 wie so oft beschäftigungslosen Minuten nahm er am Samstagabend beim Gastspiel in Stuttgart den Ball auf, stoppte ihn und hob ihn dann halbhoch und passgenau rüber zu Jérôme Boateng. Zehn Zentimeter tiefer, und der Ball wäre dem heraneilenden Mario Gomez ans Knie und womöglich ins Tor gesprungen.

Neuer setzt ein Zeichen

Das Stadion raunte, aber wenigstens hatte Manuel Neuer mal ein Zeichen gesetzt, einen Adrenalinkick kreiert, den junge Leute, denen langweilig ist, offenbar zuweilen brauchen. Das Zeichen, das er an seine Vorderleute aussendete, war Folgendes: „Jungs, es ist keineswegs selbstverständlich, dass es hier noch 0:0 steht. Das habt ihr auch mir zu verdanken. Mich gibt es auch noch.“ Manuel Neuer hatten die 58 680 Zuschauer damit die spannendste Szene des Abends zu verdanken. Fast hätte der VfB mal eine Chance gehabt. Aber eben nur fast.

Wenn Gegner wie der VfB sich vor Angst in ihren Bau verkriechen wie Kaninchen, kann die Dominanz des FC Bayern manchmal erdrückend sein – erdrückend langweilig. Das Derby war so eine Partie, es erinnerte an die Hochballbesitzzeiten der Münchner unter Pep Guardiola. Wie an der Schnur gezogen baute Niko Kovacs Elf ein zunächst eher dahinplätscherndes, dann doch mehr und mehr zielstrebiges Powerplay auf, so lange, bis sie sich fast im Dreiminutentakt Chancen erspielte. 3:0 hieß es am Ende, aber auch ein 7:0 wäre nicht unverdient gewesen. Thiago etwa, der eine ballverteilende Sechs mimte, traf per Freistoß den Innenpfosten. So blieb es bei den Treffern von Leon Goretzka (37.), Thomas Müller (62.) und Robert Lewandowski (76.), Müller bereitete zudem das 1:0 und 3:0 überragend vor, sein eigenes Tor legte wiederum Goretzka auf. „Er ist ein guter Junge“, lobte Kovac den Ex-Schalker, vergaß aber nicht, die 18 anderen guten Jungen zu erwähnen: „Am liebsten würde ich alle 19 aufstellen, ich bin eben auch Mensch, aber als Trainer muss ich entscheiden.“ Müller meinte: „Bei der Konkurrenzsituation bei uns muss jeder liefern. Man ist heiß zu zeigen, welche Qualitäten man hat.“ Mats Hummels dagegen warnte, es würden noch schwierige Momente kommen.

Münchner Luxusprobleme, die die Fans und den Rest der Liga eher peripher interessieren. Weil schon feststehe, dass Bayern mindestens weitere vier Male Meister würden, schlug VfB-Sportvorstand Michael Reschke, bis 2017 beim FC Bayern angestellt, erneut die Einführung von Play-offs vor. „Ende der Saison spielen die ersten vier den Meister aus. Dann kommt wieder Spannung in die Bundesliga rein, und die Meisterfrage wäre offen.“

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