Der Fall Kovac – Keine „Frage für Ja oder Nein“

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Gruppenbild mit DFB-Pokal: Leipzigs Trainer (von li.) Ralf Rangnik, Willi Orban und die Bayern Manuel Neuer und Niko Kovac.
Gruppenbild mit DFB-Pokal: Leipzigs Trainer (von li.) Ralf Rangnik, Willi Orban und die Bayern Manuel Neuer und Niko Kovac. (Foto: imago images)
Patrick Strasser

Ein Pokalfinale als Ticket für eine ganze Saison? Auf dem Spiel gegen RB Leipzig am Samstag (20 Uhr/ARD) steht: ein (weiteres) Jahr auf der Trainerbank des FC Bayern. Das erste Spiel seiner ganz persönlichen Relegation hat Niko Kovac gewonnen. 5:1 gegen Eintracht Frankfurt vergangenen Samstag. Dafür gab es die Meisterschale, zwei Bierduschen, eine Medaille, einen Wimpel. Dazu Sprechchöre der Fans, Anerkennung und Lob. Was fehlte: Lippenbekenntnisse seiner Bosse sowie herzliche Umarmungen seiner Spieler. Als Jupp Heynckes einst Titel als Bayerntrainer feierte, wurde er von den Spielern stets auf Händen getragen und in die Luft geschmissen.

Gelebte Leichtigkeit im Konfettiregen.

Mit forschen Aussagen („Ich bin davon überzeugt, dass es weitergeht“/„Ich habe Informationen aus erster Hand“) überrumpelte Kovac vergangenen Samstag die zaudernden Verantwortlichen. Bekommt er, weil man ihm fürs Double Dank schuldet, nach einem gewonnenen Pokalfinale gegen Leipzig endlich Brief und Siegel für die Weiterbeschäftigung, die vertraglich ohnehin bis 2021 fixiert ist? Oder wird Kovac’ Arbeitspapier bei einer krachenden Niederlage zum Papierflieger, zu Konfetti?

Endspiel um einen Job. Oder doch nicht? „Es wäre verrückt, wenn man das von einem Spiel abhängig macht. Das wäre unverantwortlich“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsboss der Münchner, am Freitag bei „Bild“ in Berlin. Damit sagt er indirekt aber auch: Die Entwicklung der Mannschaft über die gesamte Saison wird analysiert. Nichts ist unmöglich. Auf die konkrete Frage, ob Kovac nächste Saison Bayern Trainer ist, hob Rummenigge den Daumen, betonte aber, diese Frage sei „mit Ja oder Nein“ nicht zu beantworten.

„Ich bin hier sekundär“

Mit diesen Zitaten konfrontiert, reagierte der Trainer am Nachmittag im Olympiastadion mit Pokerface und einer verbaler Blockade. Die Diskussion sei „deplatziert“. Und weiter: „Wir haben morgen ein Pokalfinale. Lassen Sie uns über Fußball reden. Ich möchte meine ganze Energie auf die Aufgabe und die Mannschaft stürzen.“ Auf erneute Nachfrage blockte er wieder: „Priorität hat das Finale. Ich bin hier sekundär. Den Rest werden wir in den nächsten Tagen besprechen können.“ Wäre es zu abwegig zu glauben, Kovac tritt von sich aus zurück?

Rummenigge hatte Kovac zu Beginn der nun schon sehr langwierigen Diskussion kühl und harsch eine Jobgarantie verweigert und stets auf die Verpflichtung zu Erfolg gepocht. Ein „Mia san mia“, das eher auf einer nüchtern-geschäftlichen Basis fußt. „Ich wollte damit zu erkennen geben: Wir dürfen nicht zufrieden sein“, erklärte Rummenigge nun. Für ihn ist das Endspiel eine Win-win-Situation: Gewinnt Bayern, hat der Verein sein zwölftes Double der Vereinsgeschichte eingesackt. Bei einer Niederlage könnte er eine Trennung vom Trainer intern argumentativ besser vorantreiben. Wenn er denn will.

Mit einem Erfolg gegen RB Leipzig könnte Kovac, der als Coach zum dritten Mal hintereinander das Finale erreicht hat, eine Menge Argumente auf seine Seite schaufeln. Vierter Trainer, der den DFB-Pokal mit zwei verschiedenen Teams gewinnt (nach Otto Rehhagel, Hennes Weisweiler und Karl-Heinz Feldkamp) – was keinem der Herren zweimal in Folge gelang. Plus, und das würde Kovac die Krone aufsetzen: Nach dem Gewinn von Meisterschaft und Pokal als Spieler 2003 mit Bayern, könnte er zum Pionier der Vereinsgeschichte werden: ein Doppel-Double, als Profi und als Coach. Was im deutschen Fußball einmalig wäre.

Dazu müssten die Spieler – unter anderem Torwart Manuel Neuer, der nach sechs Wochen Wettkampfpause wegen einer Wadenverletzung sein Comeback gibt – aber erst mal die Leipziger schlagen, die im zehnten Jahr ihres Bestehens um den ersten großen Titel spielen. Rummenigge sieht im neuen Rivalen bereits „die dritte Kraft“ in Deutschland, hinter seinen Bayern und Borussia Dortmund. Leipzigs Trainer Ralf Rangnick dazu: „Wir werden versuchen, den Abstand zu verringern.“ Und Kovac’ Schicksal besiegeln?

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