„Der, der nicht in der Bundesliga spielen will“ Philipp Klement über seinen Weg zum VfB

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Erstliga-Aufsteiger in der 2. Bundesliga: Philipp Klement möchte mit dem VfB  Stuttgart endlich nach oben.
Erstliga-Aufsteiger in der 2. Bundesliga: Philipp Klement möchte mit dem VfB  Stuttgart endlich nach oben. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Er gilt als kommender Lenker im Mittelfeld des VfB Stuttgart, soll mit seinen Toren beim Aufstieg helfen. Dabei kennt sich wohl keiner im Kader so sehr mit dem Thema aus wie Philipp Klement. Am Ende der vergangenen beiden Spielzeiten konnte er mit dem SC Paderborn einen Aufstieg feiern. Doch anstatt 1. Bundesliga heißt es für den 26-Jährigen nun wieder 2. Liga. Felix Alex hat mit dem gebürtigen Pfälzer im Trainingslager des VfB in St. Gallen über Frustbewältigung, muskuläre Probleme sowie den neuen Offensivstil des VfB gesprochen.

Herr Klement, das Wichtigste zuerst: Was macht die Gesundheit und wann geht es wieder richtig los?

Wir sind kurz vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining, ich habe die letzten Tage viel mit dem Ball gemacht, auch intensivere Sachen. Ich denke, dass ich wohl am Freitag wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Natürlich habe ich es mir anders gewünscht, als zum Start zwei Wochen auszufallen. Es wäre schon hilfreich, den neuen Trainer, die Spielidee und Taktik im Training kennenzulernen, aber lieber am Anfang der Vorbereitung verletzt als direkt vor Saisonbeginn.

Mit Tim Walter haben Sie einen Typ Trainer, den Sie aus Paderborn schon mit Steffen Baumgart kennen. Macht es das leichter?

Ja. Wenn ich zu einem Verein wechseln würde, der nur auf Defensive baut, hätte ich mit dem Wechsel ja einen Fehler begangen. Die Spielweise – mehr Ballbesitz als der Gegner – darin liegt auch meine Stärke. Ich war zwar schon vorher mit dem VfB in Kontakt, aber als ich gehört habe, wer Trainer wird, hat es mich bestärkt. Weil dieser Verein mit dem Trainer genau zu mir passt.

Also ist Philipp Klement Inbegriff des neuen VfB-Fußballs?

(Lacht) Ich passe halt einfach zu dem Spielstil, den man jetzt spielen will. Das trifft es wohl besser.

Dennoch wird immer wieder gesagt, dass Sie eine zentrale Rolle einnehmen sollen. Auch wenn es schwerfällt, wie beschreiben Sie selbst den Spieler Philipp Klement?

Sich selbst zu loben ist schwierig. Ich denke, dass ich relativ ballsicher bin, ein gutes Passspiel und ein gutes Auge für die Mitspieler habe. Ich bin dagegen sicherlich kein Sprintertyp und könnte gegen den Ball aggressiver sein. Im Abschluss bin ich nicht so schlecht – sagt zumindest die Statistik (Klement erzielte für Paderborn in der Aufstiegssaison 16 Tore, bereitete sieben vor, Anm. d. Red.).

Also prädestiniert als Lenker im Spiel von Tim Walter. Wie ist denn der Kontakt mit dem Trainer? Er soll ja Zuckerbrot und Peitsche sehr gut beherrschen.

Seine Begrüßung war: „Da kommt ja der, der nicht in der Bundesliga spielen will.“ Mit dieser ehrlichen, lockeren Art kann ich gut umgehen.

Knüpfen wir an die Aussage an. Sie waren Leistungsträger beim Aufsteiger SC Paderborn, müssen nun den gleichen Weg noch mal gehen. Wie sah die Frustbewältigung aus?

Es gab ja relativ wenig Zeit, das zu verarbeiten, am Montag war das letzte Relegationsspiel (Das 0:0 des VfB bei Union Berlin, d. Red.) und Mittwoch war der Termin zur Vertragsunterschrift. Am Montag und Dienstag war schon noch etwas getrübte Stimmung, ich hatte mir natürlich erhofft, dass es der VfB schafft. Aber die Enttäuschung war schnell vorbei. Ich war vor Ort und habe gespürt, dass der Verein nicht am Boden liegt und eine positive Stimmung herrscht.

Zudem musste es ja zu der Verbindung kommen – immerhin sind Sie am 9. 9. 1992, auf den Tag 99 Jahre nach Vereinsgründung geboren.

Das habe ich erst bei der Vertragsunterschrift mitbekommen. So abergläubisch bin ich aber nicht, dass ich das als Zeichen sehe.

Was verbinden Sie mit dem VfB?

Ich komme aus der Pfalz, meine Heimat ist 150 Kilometer von Stuttgart weg. Da habe ich den Verein schon mehr verfolgt als manchen Club aus dem Norden. Besonders die erfolgreichen Jahre, in denen Stuttgart Meister wurde und Champions League gespielt hat. Einmal war ich auch im Stuttgarter Stadion, aber das ist schon 15, 20 Jahre her – da hat Kaiserslautern noch Bundesliga gespielt. (lacht) Mir ist schon bewusst, was der VfB für ein großer Verein ist.

Sie kommen in ein Team, das einen großen Umbruch hinter sich hat. Ist das für Sie auch ein persönlicher Schritt hin zum Anführer?

Ich hatte schon in Paderborn eine zentrale Rolle, aber bei so einem großen Verein ist das noch einmal eine andere Konkurrenzsituation. Wenn man die beiden Kader vergleicht, ist das hier schon eine höhere Dichte an gestandenen Erst- oder Zweitligaspielern.

Mit Ihrer Erfahrung aus zwei Aufstiegen sagen Sie, dass vor allem Konstanz und Mannschaftsgeist die Schlüssel zum Aufstieg sind. Wo steht da der VfB?

Ich habe ein gutes Gefühl, auch wenn es viele neue Spieler sind und sich alles finden muss. Es ist ein guter Zug und ein Leistungsgedanke drin. Auch außerhalb des Platzes passt es.

Dann werden wir mal etwas privat: Was macht Philipp Klement außerhalb des Platzes?

In der Vorbereitung gibt es ja recht wenig Freizeit, aber ich absolviere nebenbei noch ein Sportmanagement-Fernstudium und da muss ich mich natürlich ab und zu mal dransetzen. Derzeit muss ich eine Projektarbeit im Modul Makroökonomie und internationale Ökonomie schreiben.

Bei den Konkurrenten aus Hamburg, Nürnberg und Hannover sowie einem Überraschungsteam benötigt der VfB bei zwei direkten Aufstiegsplätzen wohl auch Glück.

Man sollte sich eher auf das konzentrieren, was man beeinflussen kann. Es ist wichtig, dass wir guten, offensiven Fußball spielen. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit auf Siege – die man für den Aufstieg braucht. Aber was in 34 Spieltagen ist, ist noch sehr weit weg.

Dennoch haben Sie gesagt, nach dem 34. Spieltag wollen Sie betrunken sein. Das kann man auch, wenn es mit dem Aufstieg nichts wird ...

(Lacht) Es sollte schon einen positiven Anlass geben. Was das große Ziel ist, wissen alle, aber zu viel über den Aufstieg zu sprechen, hindert eher. Erst mal geht es darum, gut in die Saison zu kommen und sich gut zu positionieren.

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