Der Befreiungsschlag bleibt aus: VfB rettet gegen Nürnberg einen Punkt

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Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl gestikuliert an der Seitenlinie. (Foto: Marijan Murat/dpa)

So weit ist es nun schon gekommen. Der VfB Stuttgart als Tabellen-16. rettet sich mit Ach und Krach zu einem 1:1 gegen den 17. aus Nürnberg und zwischenzeitlich wird auf den Rängen sogar etwas gefeiert. Und war selbst dieser kleinste Wunsch bis zur Punkte-Rettung durch Ozan Kabak in der 75. Minute lange ganz weit weg. Fazit; Nicht einmal gegen die vermeintlich ganz kleinen der Bundesliga können die kriselnden Schwaben mehr souverän Punkte einfahren und spielerisch dominieren. Und könnten die Wolken über den Bad Cannstattern — je nach Ausgang der Sonntagsspiele —noch dunkler werden.

Und hatte es eine VfB-Legende schon vorab kommen sehen. „Ich habe allerdings insgesamt recht schlechte Erinnerungen, wenn ich an Spiele gegen Nürnberg denke. Zu meiner Zeit als Spieler haben wir nicht so viele gute Ergebnisse gegen den Club hinbekommen“, formulierte 2007er-Meisterspieler Matthieu Delpierre. Und an diese unschöne Tradition schienen die aktuellen Stuttgarter Profis anknüpfen zu wollen.

Erste Gefahr nach 34 Minuten

Kein Wunder, dass das Stuttgarter Bruddler-Publikum seine Akteure den Ernst der Lage direkt spüren lies. Eine verunglückte Flanke, ein nicht voll durchgezogener Konter und schon hagelte es Pfiffe. Selbstvertrauen kreiert man so nicht. Dass die beiden Mannschaften die ersten zwanzig Minuten vor allem nicht in Rückstand geraten wollten und nur spärlich offensiv agierten, beflügelte die Stimmung ebenso wenig. Erst in der 34. Minute gab es die erste wirklich gefährliche Aktion der Brustringelf. Kein Mario Gomez, kein Steven Zuber, nein Marc-Oliver Kempf ist es, der in bester Mittelstürmer-Manier höher steigt als alle anderen und den Ball per Kopf an die Latte donnert.

Nur fünf Minuten später hätte es beinahe im Kasten von Ron-Robert Zieler eingeschlagen. Nach einer sehenswerten Einzelaktion von Pereira Mattheus war der VfB-Keeper schon geschlagen, doch (41.) rette der Pfosten den Gleichstand. Und während die Stuttgarter noch ihrem Weitschuss von Zuber nachtrauerten, krachte es nun auf der Gegenseite. Wieder war es der wuselige Pereira, der diesmal allerdings nur noch per Kopf einen Lattenabpraller abstauben musste. Tor. Führung für den 1. FC Nürnberg. Und so begann ein kurzzeitiger offener Schlagabtausch der Abstiegskonkurrenten. In der 45. lies Stuttgarts Routinier Gomez noch eine gute Gelegenheit aus. Der Ball wollte aber einfach nicht gehorchen und so ging es mit einem Rückstand, der Angst über die in der Tabelle in eine gefährliche Schlagweite herangerückten Nürnberger und einem ordentlichen Pfeifkonzert der eigenen Fans in die Pause.

Neuer Schwung musste also irgendwie ins Spiel des VfB und so entschied sich Trainer Markus Weinzierl nach dem Seitenwechsel für Daniel Didavi als Impulsgeber. Doch zu Chancen kamen meist die Nürnberger (72. 88). „Kämpfen VfB“ intonierten die Stuttgarter Fans lautstark, doch haperte es wieder einmal genau daran. Dass Kabak dann zumindest mit seinem Einschuss aus kurzer Distanz (der lange vom Videoschiedsrichter geprüft wurde) den Minimalpunkt sicherte und auch einen kleinen Stuttgarter Sturmlauf entfachte, täuscht über die wieder einmal unterdurchschnittliche Leistung nicht hinweg.

„Jeder weiß, um was es heute geht. Lasst uns gemeinsam alles geben“, hatte Zuber vor Anpfiff die VfB-Fans aufgefordert, doch scheint es die Mannschaft eben doch noch nicht gänzlich annehmen beziehungsweise auf dem Rasen umsetzen zu können. Ohne den verletzten Kapitän und Mentalitätsspieler Christian Gentner ging lange kein Akteur voran oder agierte das Kollektiv auch nur ansatzweise so bissig wie die Nürnberger. Jetzt bleibt es weiter sehr eng im Kampf um den Klassenerhalt — aber das ist es ja bereits seit Monaten und bis auf kleine Ansätze ohne sehenswerte Veränderung.

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