Der Ball muss rollen - und die Bundesliga den Vertrauensvorschuss zurückzahlen

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Collage: Der Ball muss rollen
Collage: Die Fußball-Bundesliga darf ab Mitte Mai wieder Geisterspiele austragen. Thorsten Kern kommentiert. (Foto: Fabian Strauch/SZ/shy / dpa/SZ)
Sportredakteur

Sie dürfen tatsächlich spielen. Ab Mitte Mai können Fußballprofis der 1. und 2. Bundesliga wieder dem Ball nachjagen. Viele Eltern müssen sich dagegen weiter fragen, wie sie Beruf und Heimunterricht für die Kinder unter einen Hut bringen sollen. Denn Tausende Schüler bleiben nach wie vor zu Hause, von Kita-Kindern ganz zu schweigen. Gaststätten, Lokale und Einzelhändler haben wieder offen oder dürfen unter massiven Auflagen öffnen. Theater und Kinos dagegen nicht. Doch der Fußballer darf sich in die Zweikämpfe werfen.

Diese Sonderregelung ist schwer nachvollziehbar.

Und natürlich geht es weder um den Sport an sich noch um den Fan. Es geht nicht um die so oft zitierte millionenfache Lebensfreude, die der Fußball bietet. Ins Stadion dürfen Fans schließlich nicht – zu groß ist das Ansteckungsrisiko. Es geht schlicht und allein ums Geld. Um viel Geld. Um Geld der TV-Partner, dass die Vereine teils schon verplant hatten, bevor sie es überhaupt bekommen haben.

Immer höher, immer weiter, immer mehr. Das war der Weg der Profivereine in den vergangenen Jahren. Ohne Weitsicht. Das rächt sich nun. Ohne Fußballspiele wären einige Proficlubs in ein paar Monaten pleite. Und so wird nun etwas zum Allheilmittel erklärt, was vor nicht allzu langer Zeit als mittlere Katastrophe galt: Geisterspiele. Wenn früher – etwa nach Ausschreitungen von Fans – ein Club zu einem Spiel ohne Zuschauer verdonnert wurde, hieß es oft: Das ist das Ende des Fußballs.

Nun heißt es bei den Bundesligisten: Bitte, bitte, lasst uns spielen, auch ohne Zuschauer. Sonst ist es das Ende des Fußballs. Die Lobby im Milliardengeschäft Profifußball ist offenbar stark genug. Viel stärker als die Lobby für Familien und Schulen. Entdeckte Corona-Fälle in Köln und Mönchengladbach werden einfach dazu genutzt, das Hygienekonzept zu loben. Sorglos-Profis wie Berlins Salomon Kalou werden flugs zu Einzelfällen gemacht.

Der Ball muss rollen, egal was passiert.

Dazu passt die Bitte der Deutschen Fußball Liga, Testergebnisse nicht öffentlich zu machen. Das ist traurig. Aber bittere Realität.

Den Bundesligisten wird ein immenser Vertrauensvorschuss gewährt. Den müssen die Clubs nun zurückzahlen. Und klar muss sein: Sobald es nach Wiederbeginn der Saison einen positiven Fall in einer Mannschaft geben sollte, müsste alles sofort gestoppt werden. Sonst wird die Bundesliga endgültig zur Farce.

t.kern@schwaebische.de

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