Dennis tritt ab - neuer Silberpfeil für Hamilton

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Deutsche Presse-Agentur

Seinen brandneuen Silberpfeil mit der Startnummer 1 nahm Lewis Hamilton stolz in Empfang, auf „Ziehvater“ Ron Dennis muss der Formel-1-Champion beim Projekt Titelverteidigung aber verzichten.

Der McLaren-Mercedes-Teamchef gab nur wenige Minuten nach der Präsentation des MP4-24 im englischen Woking bekannt, noch vor Saisonbeginn seinen Posten nach 28 Jahren zu räumen. „Er hat eine Schlüsselrolle in meinem Leben gespielt“, dankte Hamilton seinem Förderer. Vom 1. März an soll Geschäftsführer Martin Whitmarsh das Team führen. Seinem Nachfolger hinterließ Dennis eine ehrgeizige Vorgabe für die Ende März beginnende Saison: „Unser Ziel sind beide Titel, bei den Fahrern und bei den Konstrukteuren.“

Kaum hatten Hamilton und sein finnischer Teamkollege Heikki Kovalainen bei einem schlichten Event in der Kantine der McLaren- Zentrale ihren neuen Dienstwagen enthüllt, da überraschte Dennis die Journalisten mit seinem Amtsverzicht. „Es war Zeit, dass Martin diese Stelle bekommt. Es war meine eigene Entscheidung“, erklärte der 61- Jährige am Ende der Pressekonferenz. „Er hat unheimlich viel geleistet“, lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Der schwäbische Autobauer, der 40 Prozent der McLaren-Anteile hält, habe den Briten nicht zum Rücktritt gedrängt, betonte er.

„Er wird immer ein wichtiger Teil des Teams sein“, sagte Hamilton. Über die Zukunft von Dennis, der schon in diesem Jahr nicht mehr zu allen Rennen reisen will, war seit längerem spekuliert worden. Nach der Spionageaffäre 2007 und der Rekord-Geldstrafe für McLaren-Mercedes von 100 Millionen Dollar galt er intern nicht mehr als unumstritten. Whitmarsh, der seit 1989 bei McLaren arbeitet, galt als logischer Nachfolger.

Der 50-Jährige tritt ein schweres Erbe an. Zehn Fahrer-Titel und sieben Konstrukteurs-Weltmeisterschaften gewann McLaren unter Dennis' Führung. Im Herzschlagfinale des Vorjahres hatte sich Hamilton erst in der letzten Kurve die WM-Krone gesichert. „Ich fühle mich durch diese Erfahrung gereift“, meinte der 24-Jährige, der in der vergangenen Saison durch einige überharte Manöver in die Kritik geraten war. Er hoffe, erneut um den Titel kämpfen zu können. „Wenn nötig bis zum letzten Rennen, aber eine frühere Entscheidung wäre mir lieber“, sagte der Champion. „Lewis ist wahrscheinlich unser größter Rivale“, hat sich Vize-Weltmeister Felipe Massa von Ferrari schon auf eine Neuauflage des Duells eingestellt.

Die große Unbekannte ist für Hamilton und sein Team derzeit noch der neue Bolide. „Bei so vielen Änderungen wird das eine ganz neue Erfahrung“, befand der Titelverteidiger. Die neuen Regeln und die Einführung des Energierückgewinnungssystems KERS könnten das Feld zusammenrücken lassen. „Mehr als eine Handvoll Teams, über die Hälfte des Starterfelds also, ist in der Lage, ein siegfähiges Auto zu bauen. Das zeigt, wie hart der Wettbewerb ist“, sagte Haug. „Heute kann noch keiner sagen, wer die beste Arbeit geliefert hat.“

„Wir stehen erst am Anfang eines großen Lernprozesses“, erklärte McLaren-Chefingenieur Pat Fry. Wie schon beim F60 von Konkurrent Ferrari, der am Montag als erster Rennstall sein Gefährt präsentierte, haben die neuen Vorgaben zur Aerodynamik das Aussehen des Silberpfeils stark verändert. Der Frontflügel ist breiter, der Heckflügel höher und schmaler. „Sehr augenfällig und elegant - das schiere Gegenteil von hässlich, wie bei der neuen Formel-1-Generation von vielen befürchtet“, beschrieb Haug den MP4-24.

Das reformierte Regelwerk ist nicht zuletzt auch dem drastischen Sparkurs in der Königsklasse geschuldet, dem sich alle Teams im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise unterworfen haben. „Die WM 2009 wird deshalb möglicherweise entschieden durch Gründlichkeit, Ideenreichtum und Erfindungsgabe. In allen drei Bereichen sind wir gut gerüstet“, urteilte Whitmarsh.

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