Debütantenball im Bayern-Trikot

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Fußballer neben einem Trainer
Philippe Coutinho (li.), hier mit Robert Kovac, benötigt noch Zeit. (Foto: Sven Hoppe)
Patrick Strasser

So schnell kann's gehen. Im Juli noch für unverkäuflich erklärt, weil mit großem Potenzial gesegnet, Ende August ruckzuck verkauft. Renato Sanches wechselt vom FC Bayern München zum französischen Erstligisten OSC Lille, ist sogar schon dort. Die Vereine sollen sich auf eine Ablösesumme zwischen 20 und 25 Millionen Euro plus Bonuszahlungen geeinigt haben. Vorbei das ständige Theater um den 22-jährigen Portugiesen, der 2016 als EM-Champion für 35 Millionen Euro Ablöse von Benfica Lissabon nach München kam, sich aber trotz seines großen Talents nie einen Stammplatz erobern konnte.

Ein Verlust, jedoch eher ein finanzieller in der Bilanz. Niko Kovac gewinnt mehr Ruhe in der Kabine, der oft über zu wenig Einsatzzeiten motzende Jungstar ist weg. Und Alternativen hat der Bayern-Trainer seit letzter Woche ja genügend in seinem kurzfristig um drei Spieler aufgemotzten Kader. „Damit sind wir sehr zufrieden. Kompliment auch an unsere Chefs, die das sehr gut gemacht haben. Die Versprechen, die gegeben wurden, wurden eingehalten“, meinte Kovac zufrieden. Das war auch schon mal anders. Vor allem die Leihe von Philippe Coutinho vom FC Barcelona gibt den Bayern vorerst bis Saisonende vielfältige neue Offensivmöglichkeiten, was das Personal und das System betreffen. Nach Informationen der „L'Equipe“ steht der Doublegewinner zudem noch vor einer Verpflichtung des spanischen U21-Europameisters Marc Roca von Espanyol Barcelona. Demnach soll der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler für eine festgeschriebene Ablösesumme von 40 Millionen Euro an die Säbener Straße wechseln, wo er einen Fünfjahresvertrag erhalten soll. Die Frage vor dem Spiel gegen den FC Schalke 04 (Sa., 18.30 Uhr/Sky) lautet aber: Wie steht es um die Integration und die Einsatzchancen von Coutinho, Ivan Perisic und Mickael Cuisance?

Philippe Coutinho (27): Am Dienstag trainierte der Copa-América-Sieger erstmals mit den neuen Kollegen an der Säbener Straße. Auffallend dabei, wie gut sich Coutinho sofort mit Bayerns Spanier Thiago verstand, dessen Vater Brasilianer ist. Da der Portugiese Sanches nun den Verein verlässt, wird Thiago wegen der gemeinsamen Sprache Coutinhos engste Bezugsperson. Tipps „unter uns Brasilianern“ kamen aus dem fernen Rio de Janeiro.

„Zieh dich warm an im Winter. Lerne: 'Mia san mia' zu sagen. Und kauf dir eine gute Lederhose“, riet Ex-Bayern-Kicker Rafinha seinem Landsmann. Und außerdem: „Genieß das Oktoberfest und das Stadtzentrum mit den schönen Cafes.“ Das Drumherum wäre also geklärt.

Unübersehbar aber auch der Trainingsrückstand, den der Spielmacher offenbarte. In der Vorbereitung kam Coutinho in Barcelonas Testspielen lediglich 24 Minuten zum Einsatz, hat nach dem Urlaub erst zweieinhalb Wochen trainiert. Laut Kovac ist die Barça -Leihgabe „noch nicht auf dem Fitnessniveau, welches er braucht, um von Beginn an oder über 90 Minuten zu spielen. Das hat er auch selbst gesagt.“ Beim FC Schalke könnte Coutinho je nach Spielstand für 15, 20 Minuten eingewechselt werden.

Und dann heißt es: Vorhang auf, ein Weltstar betritt die Bühne Bundesliga. Denn neben 80-Millionen-Euro-Zugang Lucas Hernández von Atlético Madrid, der noch auf sein Liga-Debüt wartet, ist Coutinho DER Sommer-Import der Bundesliga. Mit Blick auf Coutinho betonte Kovac: „Wir werden kein Risiko eingehen, müssen ihn erst sukzessive aufbauen. Wir werden ihn mit Sicherheit nicht verheizen.“ Gegen die Königsblauen wird – auch wegen des erneuten Ausfalls von Leon Goretzka – Thomas Müller in der Startelf stehen. Wenn Coutinho nach der Länderspielpause Anfang September richtig fit ist, dürfte der Weltmeister von 2014 seinen Stammplatz im offensiven Mittelfeld verlieren.

Ivan Perisic (30): Die Leihgabe von Inter Mailand wird sein Debüt im Bayern-Trikot geben. Beim Auftakt gegen Hertha (2:2) fehlte der Kroate noch wegen einer Gelbsperre aus der Serie A. Nun ist Perisic, aus seiner BVB-Zeit (Juli 2011 bis Januar 2013) mit Robert Lewandowski gut befreundet, die erste Alternative, wenn einer der Flügelspieler Kingsley Coman und Serge Gnabry ersetzt werden muss. „Ivan ist von der Fitness her sehr viel weiter als Philippe. Er ist sicherlich eine Option, vielleicht auch von Beginn“, macht Kovac Druck auf sein Personal. Kann er endlich – dank Alternativen.

Mickael Cuisance (20): Der Zehn-Millionen-Euro-Import aus Gladbach, ausgestattet mit einem Fünfjahresvertrag, ist ein Versuch. Die Bayern sehen im zentralen Mittelfeldspieler ein Talent, wollen ihn perspektivisch aufbauen. Ein Zeichen der Wertschätzung: Der Franzose, dessen Integration durch vier Landsleute im Kader (Coman, Tolisso, Pavard und Hernández) ein Klacks ist, erhielt das Trikot mit der Nummer „11“. Womöglich bekommt Cuisance am Samstag gleich ein paar Minuten Spielzeit. Anders als Sanches würde er sich darüber freuen.

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