Das Wunder von Oslo vor 25 Jahren

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 Lothar Doering, hier als Trainer des SC Magdeburg, führte die deutschen Handballerinnen vor 25 Jahren sensationell zum Weltmeis
Lothar Doering, hier als Trainer des SC Magdeburg, führte die deutschen Handballerinnen vor 25 Jahren sensationell zum Weltmeistertitel. (Foto: dpa/Peter Förster)
Deutsche Presse-Agentur

Die Erinnerungen an das „Wunder von Oslo“ sind bei Lothar Doering auch 25 Jahre danach noch frisch. „Das war, ist und bleibt eine Sensation. Damit hat niemand gerechnet“, sagt der damalige Bundestrainer über den ersten und bisher letzten gesamtdeutschen WM-Triumph der Handball-Frauen.

Rückblende: Im entscheidenden Hauptrundenspiel deklassiert die DHB-Auswahl die damals zur Weltspitze zählenden Österreicherinnen mit 25:10. „Das war unser Husarenstück, weil wir dem psychischen Druck standgehalten haben“, erzählt Doering. „Wir haben uns in einen niemals erwarteten Rausch gespielt.“ Im Falle einer Niederlage hätte Deutschland nur um Platz sieben gespielt.

So aber greift die Doering-Truppe am 5. Dezember 1993 im WM-Endspiel gegen den Turnierfavoriten Dänemark um Welt-Handballerin Anja Andersen nach den Sternen. 8:8 heißt es zur Pause, kurz vor Schluss trifft Sybille Gruner per Siebenmeter zum 17:17 – es folgt die erste Verlängerung in der WM-Geschichte der Handball-Frauen.

Dort geht es ständig hin und her, ehe Bianca Urbanke 30 Sekunden vor Schluss die erste deutsche Führung in der Overtime gelingt. Als Torfrau Sabine Adamik den letzten Wurf der Däninnen entschärft, ist der Titel perfekt. „Dänemark war der große Favorit, aber im Endspiel werden die Karten eben neu gemischt“, sagt Doering.

Dabei läuft es in der Vorbereitung gar nicht rund. Schon die Zusammensetzung der ersten gesamtdeutschen Mannschaft wird zum Politikum. „Es gab von beiden Seiten viel Druck auf mich, was die Nominierungen betraf. Aber ich habe gleich gesagt: Hier zählt Handball und nicht Politik“, berichtet Doering und ergänzt mit einem Grinsen: „Und nach der WM gab es auch keine Kritik mehr an irgendwelchen Nominierungen.“

Dennoch dauert es eine Weile, bis sich die Mannschaft gefunden hat. „Der Weg zur WM war ziemlich steinig, wir haben in einigen Vorbereitungsturnieren nicht so gut ausgesehen“, erzählt der 68 Jahre alte Olympiasieger von 1980. „Aber mit der Zeit wuchsen die Spielerinnen aus Ost und West immer enger zusammen.“

Mit dabei ist damals Andrea Bölk, deren Tochter Emily derzeit mit der DHB-Auswahl bei der Europameisterschaft im Einsatz ist. Ein Jahr später bei der EM-Premiere im eigenen Land revanchiert sich Dänemark und schnappt der DHB-Auswahl durch ein 27:23 im Endspiel den erhofften Titel weg. Das Silber von 1994 ist bis heute die einzige EM-Medaille für Deutschlands Handballerinnen. Vielleicht können Emily Bölk & Co. diese Serie bei der Endrunde in Frankreich beenden. Es wäre eine ähnliche Sensation wie an jenem 5. Dezember 1993.

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