„Das war einfach nur: Wow!“

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90 Minuten dauert ein Fußballspiel, 90 Minuten dauert zuweilen auch eine Tischtennispartie, aber keine gegen die Abwehrkünstler aus Fulda, die die Bälle auch aus den entlegensten Winkeln und Höhen zurück auf den Tisch bringen. Normalerweise zumindest. Bis zu vier Stunden bekämpften sich die TTF Liebherr Ochsenhausen und der hessische TTC in den letzten Jahren, ehe einer zumeist 3:2 gewonnen hatte und der andere diverse Matchbälle vergab.

Am Freitagabend in Ehingen aber war alles anders: Die TTF fegten im Achtelfinal-Spitzenspiel um den deutschen Pokal wie ein Tornado über den Rivalen hinweg. Nur einen Satz gönnten sie den Gästen vor 350 Fans bei ihrem 3:0-Sieg, und nach 90 Minuten – respektive 55 Minuten reine Spielzeit – war klar: Dies war das erste Ausrufezeichen der TTF in ihrem Bestreben, den Düsseldorfern um Timo Boll endlich einen Titel zu rauben. Auch im Viertelfinale Ende Oktober – der Gegner wird in vier Wochen ausgelost – sind die TTF in dieser Form favorisiert, egal gegen wen. Auf den ebenso gesetzten Triple-Sieger Düsseldorf können sie frühestens im Endspiel treffen, beim Final Four in Ulm also.

Für den französischen Spitzenspieler Simon Gauzy war die Partie ein Befreiungsschlag. Der 23-Jährige war mit einer 2:4-Bilanz in die Saison gestartet, zu wenig für eine Nr. 13 der Welt, zu wenig auch für seine Ansprüche. Gegen Nationalspieler Ruwen Filus, die Nr. 19, imponierte er beim 11:9, 11:7, 11:6 mit kluger und durchgehend variabler Taktik und gab seinem Team, das jüngst beim 2:3 in Mühlhausen einen Dämpfer erhalten hatte, enormen Rückenwind. Dem Brasilianer Hugo Calderano vor allem, Nr. 10 im Ranking, der beim 12:10, 11:8, 11:6 gegen Wang Xi derart aggressiv spielte, dass es dem Präsidenten die Sprache verschlug. „Das war einfach nur: Wow“, lobte Kristijan Pejinovic.

Nach der Pause machte Neuzugang Stefan Fegerl ebenso souverän alles klar. Würde der Wiener immer so spielen wie beim 11:6, 15:17, 11:2, 11:3 gegen Tomislav Pucar am Ende, sein Spitzname läge auf der Hand: flotter Fegerl. Auch für den 29-Jährigen, mit 1:2 Siegen in die Saison gestartet, war das Spiel das bisher beste. „Das war riesig heute von uns allen, es war ja das zweitwichtigste Spiel in diesem Halbjahr und wir hatten Druck“, sagte er. Das wichtigste? „Wird das Pokal-Viertelfinale.“ Eine Trophäe, am besten gleich zwei, danach sehnen sich die TTF nach dann 15 Jahren eben sehr, und der Coup gegen Fulda war ein erster Schritt zum ersten Titel.

Flotte Feger waren die TTF am Freitag insgesamt. „Wir haben Fulda nicht ins Spiel kommen lassen, großes Lob auch an Simon. Und wir haben so gut wie keine Fehler gemacht“, sagte Pejinovic. Gauzy selbst gab die Ehre an Calderano weiter: „Ich habe heute gezeigt, dass ich langsam zurück zu alter Stärke finde. Im Training läuft es schon lange gut, nur im Spiel hatte ich Probleme. Es ist sehr angenehm für einen Spieler, wenn er mit Hugo einen so starken Mann hinter sich hat. Er ist unsere eigentliche Nr. 1 inzwischen.“

Mazunov ist zufrieden

Für Trainer Dmitrij Mazunov spielt die Hierarchie keine große Rolle. „Wenn Jang Woojin hinzukommt, haben wir drei Spieler in den Top 20, drei Nummern 1. Wichtig ist, dass unser Team nach der Niederlage in Mühlhausen eine Reaktion gezeigt und von Anfang an klar gemacht hat, dass es heute nur einen Sieger geben kann.“

Der 3:1-Sieg beim Liga-Underdog Jülich am Sonntag war ein weiterer Schub fürs Selbstvertrauen und die in acht Tagen folgende Einzel-EM in Alicante. Beim Aufsteiger sah man zudem, dass die Mannschaft noch eine vierte Nr. 1 hat: Jakub Dyjas. Der 22-jährige Pole machte zwei Punkte, den dritten steuerte, wieder zu Beginn des Spiels, Simon Gauzy bei. Diesmal dauerte das Spiel allerdings 135 Minuten.

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