Dank Grafite: „Wölfe“ stürmen weiter nach oben

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Deutsche Presse-Agentur

Das Orchester spielt seit Wochen fortissimo, doch der Dirigent gibt weiter piano vor. Auch nach sechs Bundesliga-Siegen in Folge will Felix Magath von einem grandiosen Schlussakkord seines Ensembles in der deutschen Fußball-Meisterschaft nichts wissen.

„Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Für einen Titelkampf sind wir noch zu unerfahren und zu grün“, befand der Trainer des VfL Wolfsburg nach dem 4:3 (2:1) über Schalke 04. Auch wenn die Tatsachen eine andere Sprache sprechen. Mit dem zehnten Bundesliga-Heimsieg nacheinander stürmte das Top-Team der Rückrunde wenigstens für eine Nacht auf einen Champions-League-Platz.

Und das völlig zu Recht. Die Abteilung Attacke mit den grandiosen Grafite, Edin Dzeko und Zvjezdan Misimiovic lieferte vor 30 000 begeisterten Zuschauern in der Volkswagen Arena wie schon so häufig in dieser Saison eine Gala-Vorstellung und würzte sie mit vier tollen Toren.

Erst egalisierte Grafite mit einem verwandelten Foulelfmeter (25.) die überraschende Gästeführung von Heiko Westermann (9.). Dann legte der brasilianische Sturmführer der „Wölfe“ für seinen kongenialen Partner Dzeko zur eminent wichtigen Führung vor der Pause auf (44.). Und auch danach war der wuchtige Grafite von der besten Defensive der Liga nicht zu halten. Die Saisontore 16 und 17 (75., 84.) besiegelten den 13. Saisonsieg des Magath-Teams, das von den Anhängern dafür mit Ovationen und hochgehaltenen Meisterschalen gefeiert wurde.

Bei aller Freude war das den Protagonisten dann doch etwas zu früh und zuviel der Euphorie. „Ob wir Meister werden? Wir machen uns wirklich keinen Kopf darum. Wir haben ja oft genug gesagt, dass wir international spielen wollen, und da sind wir auf einem guten Weg“, befand Grafite sachlich. Auch Nationalspieler Marcel Schäfer richtete den Blick eher nach unten als nach oben: „Wir schauen auf den Abstand zu Platz sechs. Wir haben beim Hamburger SV gesehen, wie schnell es gehen kann, dass man etwas an Boden verliert.“

Für Schalke ist selbst Rang sechs momentan nicht machbar. Ohne den verletzten Kapitän Marcelo Bordon, den kurzfristig ausgefallenen Manuel Neuer und nach einer Halbzeit auch noch ohne „Lokomotive“ Westermann kam die Truppe von Fred Rutten glimpflicher davon, als es ihr insgesamt blasser Auftritt befürchten ließ. Den beschönigten nach dem Traumtor von Westermann lediglich die weiteren Treffer von Jermaine Jones (76.) und Kevin Kuryani (90.+1).

Rutten hatte dennoch „eine gute Leistung„ seines Teams gesehen. „Wenn man auswärts drei Tore schießt, nimmt man normalerweise auch Punkte mit. Dass uns das nicht gelungen ist, tut weh“, gestand er Niederländer. Auf ihn könnten nach der Beurlaubung von Manager Andreas Müller möglicherweise weitere Aufgaben hinzukommen. „Der Vorstand hat mich gefragt, ob ich etwas machen will“, sagte Rutten. Er wolle sich bis nächste Woche entscheiden.

Schalkes Vorstandschef Josef Schnusenberg ließ nach der Partie durchblicken, dass Rutten auch die Mannschaft für die kommende Saison planen solle. Entscheidungen wurden von der Aufsichtsratssitzung am Samstag erwartet, bei der das bereits zu Wochenbeginn verkündete Ende der Zusammenarbeit mit Müller auch offiziell vollzogen werden sollte.

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