Dank der Wasserschanze dem olympischen Traum näherkommen

Lesedauer: 8 Min
Max Straub (in der Luft links, auf dem Bild daneben rechts) und Michael Krojer.
Max Straub (in der Luft links, auf dem Bild daneben rechts) und Michael Krojer. (Foto: Fotos: Susanne Backmeister)
Susanne Backmeister

Johann Krojer hat ein großes Ziel: Der 64-Jährige aus Lindau will den Nachwuchs im Freestyle Skisport zu Olympia bringen. „Dazu braucht es zehn Jahre intensives Training“, sagt Krojer. Er weiß, wovon er spricht. War der gebürtige Österreicher doch selbst im Team der ersten österreichischen Freestyle Nationalmannschaft von 1983 bis 1985. Damals war Olympia noch in weiter Ferne, denn Freestyle wurde erst 1992 in der Disziplin Moguls (Buckelpiste) und 1994 in den Skikunstsprungdisziplinen Aerials, Slopestyle, Halfpipe und Big Air olympisch. „Eine Medaille gab es damals nicht für mich, aber ich war dabei. Das war die Hauptsache“, erinnert sich Krojer.

Dem Freestyle-Sport ist er sein Leben lang verbunden geblieben. Ob als Trainer in der österreichischen Nationalmannschaft von 1993 bis 1998 oder beim Skiclub Mühlebach Dornbirn, sowie als Sportlehrer am Sportgymnasium in Dornbirn. Bei einem Europacup auf dem Bödele vor zwei Jahren trifft der Lindauer auf Max Straub (14 Jahre). Er erkennt sofort das große Potenzial des jungen Buckelpistenfahrers aus Isny im Allgäu. Auch sein eigener Sohn Michael Krojer (15 Jahre) wird von ihm in der Disziplin Aerials seit seinem vierten Lebensjahr trainiert. Es gab nur ein Problem: Es fehlte die Wasserschanze, um im Sommer ausreichend trainieren zu können. „Die Wasserschanze ist eine Grundvoraussetzung, um im Schnee starten zu können“, so Krojer. Die nächsten Wasserschanzen befinden sich weit entfernt in der Schweiz, in Mettmenstetten bei Zürich, oder in Oberaudorf, in der Nähe von Kufstein. Die Wege waren lang und ohne Übernachtung war kein Training sinnvoll.

Wasserschanze in den Rheinauen

Johann Krojer erinnert sich, dass er selbst in seiner aktiven Zeit in Hohenems auf einer Wasserschanze in den Rheinauen trainiert hat. Er fährt sofort hin, aber es ist nichts mehr davon vorhanden. „Da war nur noch ein großer Haufen Müll und von der ehemaligen Anlage war nichts mehr zu sehen.“ Aber er gibt nicht auf. Sein Skiclub ernennt ihn zum Projektleiter. Das Grundstück neben dem Erholungszentrum Rheinauen wird gepachtet und zwei Jahre lang geht er den mühsamen Behördenweg, um alle Genehmigungen zu bekommen. Bei fünf Ämtern musste er den Bau der Wasserschanzen beantragen. Ein Architekt übernahm ehrenamtlich die Planung für die FIS-genormten Schanzen. Krojer findet Sponsoren in Deutschland und Österreich, die insgesamt 30 000 Euro für das Projekt zur Verfügung stellen. „Viele Firmen haben Baumaterial oder Arbeitszeit bereitgestellt und eben Bargeld.“ Ein großer Teil der Finanzierung kam von der „Intereg Österreich und Bayern“, die unter dem Projekttitel „Ski Freestyle vereint Vorarlberg und Allgäu“ seit zwei Jahren mit an Bord ist.

An Ostern kommt die erfreuliche Nachricht: Die Behörden haben die Wasserschanzen genehmigt. Es kann losgehen. Mit 50 freiwilligen Helfern, darunter auch sein Sohn und Max Straub mit seinen Freunden, wird viele Tage bis in die Nacht hinein gearbeitet. Tausende von Arbeitsstunden sind nötig, bis die ersten beiden Schanzen einsatzbereit sind. Am 1. August diesen Jahres ist es so weit. Michael Krojer steigt als erster auf die Rampe, gefolgt von Max Straub. „Das war ein toller Moment.“ Da sind sich beide einig.

30 000 Kilometer pro Jahr unterwegs

Seither ist sie ununterbrochen im Einsatz. Sogar der Alpin-Kader von Vorarlberg nutzt die Wasserschanze zum Trainieren. Johann Krojer ist seinem Traum einen Schritt näher gekommen: „Nur mit Wintertraining kann ich niemanden zu Olympia bringen, das braucht zehn Jahre und geht nur, wenn im Sommer und im Winter trainiert werden kann.“ Mindestens 600-mal muss ein Sprung auf der Wasserschanze geübt werden, bevor man im Schnee starten darf. Für die Eltern des Nachwuchses ist die Wasserschanze in Hohenems eine große Erleichterung, auch in finanzieller Hinsicht. „Bisher konnte Max nur eine Woche in den Sommerferien trainieren, da die Anreise weit war und wir die Übernachtungen finanzieren mussten. Jetzt kann er den ganzen Sommer üben. Das macht alles viel einfacher“, schwärmt Susanne Straub, die Mutter von Max Straub. Auch der Vater, Florian Straub, von Max ist erleichtert: „Letztes Jahr sind wir 30 000 Kilometer gefahren, damit Max trainieren kann. Jetzt haben wir alles vor der Haustüre.“

Aber nicht nur geübte Skifahrer dürfen auf die zwei fertiggestellten Schanzen. Johann Krojer bietet für alle neugierigen Jungen und Mädchen Schnupperkurse an. Die Ausrüstung wird komplett gestellt und beinhaltet ein eineinhalbstündiges Training mit Krojer. Bedingung ist nur, dass die Teilnehmer aus versicherungstechnischen Gründen Mitglied in einem Sportclub sind und das Skifahren sehr gut beherrschen.

Doppel- und Dreifachsalti möglich

Das Schnuppertraining läuft in drei Phasen ab: Zuerst wird auf einer Probepiste im Trockenen die Leistung überprüft. Dann geht es mit den Skiern ins Wasser, um das Schwimmen mit der kompletten Ausrüstung zu lernen. Danach geht es schließlich auf die Schanze. 28 Euro kostet das Training. „Ich freue mich immer sehr auf mutige Mädchen, die Freestyle auf der Schanze ausprobieren wollen“, sagt Johann Krojer, weil im Moment mehr Jungs als Mädchen die Schanze nutzen.

Bis zum kommenden Sommer sollen dann auch die letzten beiden Rampen fertiggestellt werden. Dafür sind weitere 30 000 Euro nötig, für die Johann Krojer noch Sponsoren sucht. Die noch fehlenden Schanzen sollen unter anderem höher werden, um Slopestyle nicht nur für Anfänger trainieren zu können, sondern auch für Fortgeschrittene. Die vierte Schanze liegt dann bei 260 Zentimetern, damit auch Doppelsalto und Dreifachsalto mit im Programm sind. „Dann ist unsere Vier-Länder-Eck-Schanze komplett und das Training für Olympia rückt immer näher“, schwärmt Johann Krojer.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen