Daddys Fördermittel: „Ganz normaler Junge“ Stroll

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Lance Stroll
Nach den Worten seines Teamkollegen Sergio Perez „ein ganz normaler Junge“: Lance Stroll vom Team bei Racing Point. (Foto: Ryan Remiorz/The Canadian Press/AP / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Martin Moravec

Auf der Anfahrt zum Circuit Gilles Villeneuve in Montréal ist Lance Stroll allgegenwärtig. Eine Tribüne ist nach dem kanadischen Formel-1-Piloten und Milliardärssohn benannt.

„Das ist eines der besten Wochenenden im Kalender und ganz bestimmt der Höhepunkt meiner Saison“, sagte der 20 Jahre alte Racing-Point-Fahrer vor seinem Heimspiel.

Der Youngster ist in Montréal geboren, das siebte Saisonrennen ist da naturgemäß etwas ganz Besonderes für ihn. Im Vorfeld stattete Stroll auch den Montréal Canadiens einen Besuch ab. Auf Kufen gab er bei der Mannschaft aus der Nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL ein ordentliches Bild ab. „Er war überraschend gut“, meinte Verteidiger Victor Mete über den Gast aus der Königsklasse des Motorsports.

Diese Aussage trifft auch auf den ersten Trainingstag in Kanada zu. Stroll landete auf Position zehn, sein Teamkollege Sergio Perez sogar auf Rang sieben. „Das war vielversprechend“, sagte der Lokalmatador, der wie auch sein Stallrivale vorerst von dem weiterentwickelten Mercedes-Motor für den Grand Prix profitiert hat.

Zuletzt lief es bei Racing Point aber nicht. Stroll und Perez blieben in den zwei vergangenen Rennen ohne Zähler. „In den letzten paar Rennen war das Auto einfach nicht besonders wettbewerbsfähig“, klagte der Jungfahrer und Fan des American-Football-Team New York Giants.

Stroll nennt Rekordchampion Michael Schumacher als Vorbild. „Ich habe zu ihm aufgeschaut, er war mein Idol.“ Sein Förderer war und ist sein Vater Lawrence. Mit Beteiligungen an Modemarken wie Tommy Hilfiger und Michael Kors machte dieser ein Vermögen und förderte die Karriere seines Sohnes.

Ab dem Alter von 13 Jahren wurde Lance Stroll zu Hause unterrichtet, um mehr Zeit auf Rennstrecken verbringen zu können. Angeblich rund 80 Millionen Dollar ließ sich der Vater den Aufstieg seines Sohnes in die Formel 1 kosten. Dazu gehören auch ein monatelanges Testprogramm in einem drei Jahren alten Williams, zudem mietete Papa Stroll sogar eine Reihe von Grand-Prix-Strecken von Monza bis Abu Dhabi, um die Probefahrten so realistisch wie möglich zu gestalten.

Stroll senior kaufte sich beim klammen Williams-Team ein und sicherte seinem Sohn so 2017 als zweitjüngstem Fahrer der Formel-1-Geschichte ein Stammcockpit. Im Sommer 2018 übernahm er dann mit einem Konsortium das heutige Racing Point und seit dieser Saison fährt dort auch Stroll junior.

„Er will, dass sein Sohn sehr erfolgreich ist. Das ist auch zu meinem Vorteil, weil er dadurch alle nötigen Ressourcen bereitstellt“, sagte Perez zu dem Akt der Vetternwirtschaft. „Lance ist ein ganz normaler Junge, ein ganz normaler Pilot. Er arbeitet sehr hart.“ Und mit Hingabe verbuchte Stroll 2017 sensationell Platz drei in Aserbaidschan als bislang bestem Karriereergebnis. Sollte ihm - unwahrscheinlicherweise - ein ähnlicher Coup in Montréal gelingen, dürfte die nach ihm benannte Tribüne beben.

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