Chaos-„Löwen“ kämpfen um „brüskierten Investor“

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Deutsche Presse-Agentur

Präsidium und Sportdirektor bleiben - aber das Chaos soll verschwinden: Nach dem überstürzten Investoren-Stopp will der TSV 1860 München angeführt vom neuen Geschäftsführer Manfred Stoffers aufs Neue um die Millionen-Gelder des Berliner Unternehmers Nicolai Schwarzer kämpfen.

Und nach turbulenten Chaos-Tagen soll bei dem krisengeplagten Fußball-Zweitligisten Ruhe einkehren. „Wir werden die Situation herbeiführen, dass der Fokus wieder auf dem Sport liegt“, versprach Präsident Rainer Beeck den „Löwen“-Fans vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger Rot-Weiss Ahlen.

Entgegen der Erwartungen gab es nach einer vierstündigen Krisensitzung von Präsidium und Aufsichtsrat keine personellen Konsequenzen. Das Investoren-Desaster wurde mit vereinsinternen „Kommunikations-Problemen“ begründet und kleinlaut als „unnötig“ eingestanden. Das dreiköpfige Präsidium mit Rainer Beeck und den Stellvertretern Franz Maget und Michael Hasenstab bleibt trotzdem ebenso im Amt wie der erst vor einer Woche angetretene Sportchef Miroslav Stevic. „Es ist keine Lösung, den Verein jetzt ohne Kopf dastehen zu lassen“, erklärte Beeck.

Nur Stefan Reuter, der Weltmeister von 1990, ist endgültig weg. „Er wird nicht zurückkommen“, bestätigte Beeck, der ohnehin am Saisonende auslaufende Vertrag des Managers wurde gekündigt. Als Nachfolger und künftigen „Sprecher der Geschäftsführung“ wurde der 55 Jahre Stoffers aus dem Hut gezaubert. Der frühere Deutschland-Chef von Ex-1860-Trikotsponsor „Festina“ soll den Retter spielen. Der PR- und Marketingfachmann tritt mit einem „K & K-Programm“ an: „Mein Job ist Klinken putzen und auf den Knien rutschen“ - bei Sponsoren und den zahlenden Stadion-Besuchern.

Als erstes wird Stoffers bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen Kniefall machen, denn beim Ligaverband will 1860 rasch die aufgetretenen Dissonanzen ausräumen und neue Wege für das am vergangenen Montag „auf Eis gelegte“ Investment mit Schwarzer suchen. „Der Vertrag war eine Frühgeburt und muss jetzt nochmals in den Brutkasten“, sagte der eloquente Stoffers bildhaft. Der „brüskierte Investor“, so Stoffers, soll doch noch an Bord kommen. „Wir sind guten Mutes, dass es mit dem Investor klappt“, erklärte Beeck.

Dass man Schwarzer, der rund sieben Millionen Euro einbringen wollte, ohne „grünes Licht“ der DFL voreilig und pompös als Investor präsentiert hatte, begründete der 1860-Boss im Nachhinein mit dem Transferfenster, dass am 2. Februar endete. „Uns war wichtig, das zu nützen. Zeit war für uns ein wesentlicher Moment“, betonte Beeck. Auf die Schnelle waren mit ersten Schwarzer-Geldern die Abwehrspieler Antonio Rukavina und Nikola Gulan ausgeliehen worden.

Münchens Oberbürgermeister und Aufsichtsrat Christian Ude bleibt trotz der Ergebnisse skeptisch und kritisierte, es sei immer noch „kein überzeugendes Grundkonzept sichtbar“. Auch vom Lokalrivalen FC Bayern kam ein neuer Seitenhieb. 1860 läge auf dem Boden, bemerkte Karl-Heinz Rummenigge in der „tz“ - und ich bin ein Mensch, der nicht auf jemanden tritt, der schon am Boden liegt“.

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