Champagner-Schock für Vonn: Operation

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Deutsche Presse-Agentur

Als der Champagner-Korken knallte, erlebte Doppel-Weltmeisterin Lindsey Vonn ihr schmerzhaftestes WM-Erlebnis.

Sportlich läuft es in Val d'Isère nahezu perfekt für die Amerikanerin, aber bei der Feier des Abfahrts-Goldes zog sich die 24-Jährige beim Öffnen einer Schampus-Flasche eine blutende Schnittwunde am rechten Daumen zu, die mit vier Stichen genäht werden musste. Da sich Vonn bei dem Missgeschick auch die Beugesehne durchschnitten hatte, musste sie am nächsten Tag im österreichischen Hochrum operiert werden. Der rund einstündige Eingriff verlief ohne Probleme. Nach einer Nacht in einem Hotel in Innsbruck wollte sie mit Ehemann Thomas Vonn zurück nach Frankreich fliegen und im WM-Riesenslalom starten.

Den „schönsten Tag“ in ihrem Leben hatte sie sich nach dem zweiten Sieg in den Savoyen zuvor nicht verderben lassen. „Ich glaube, ich bin sicherer, wenn ich mit 100 den Berg hinunterfahre“, sagte die beste Ski-Freundin von Maria Riesch und scherzte trotz des Unglücks.

Vor neun Jahren waren sie das noch nicht. Als sich Riesch und Lindsey Kildow im Februar 2000 als 15-Jährige bei den Nachwuchs-Titelkämpfen in Quebec trafen, waren sie weder Freundinnen noch direkte Gegnerinnen. Für beide war es ein erstes gegenseitiges Beschnuppern und Reinschnuppern bei der Junioren-WM - ohne den ganz großen Erfolg. Lindsey schied im Super-G aus und wurde 14. in der Abfahrt bei den Älteren. Für Maria reichte es zu Rang 24 im Slalom und 37 im Riesenslalom. Mit im Gepäck nach Partenkirchen nahm sie die Freundschaft zur Amerikanerin. Danach gingen die Skirennfahrerinnen gemeinsam den weiteren Weg - zur WM-Halbzeit in Val d'Isère sind Maria Riesch und Lindsey Vonn, so heißt sie nach ihrer Hochzeit vor anderthalb Jahren, sportlich weit voneinander entfernt.

Während Riesch nach den Plätzen acht, vier und zehn auf den WM- Durchbruch in den Savoyen wartet, ist Vonn längst ein umjubelter Star der Weltmeisterschaften in Frankreich: Gold im Super-G und Gold in der Abfahrt - nur ein kleiner Torfehler brachte sie um die von ihr schon sicher geglaubte Silbermedaille in der Super-Kombination. „Ich habe gehofft, eine Goldmedaille zu holen. Zwei zu haben ist unglaublich. Besser hätte es nicht laufen können“, sagte die 24- Jährige kurz nach ihrem Abfahrts-Coup. In Are hatte es 2007 für die damalige „Miss Kildow“ zweimal zu Silber gereicht.

„Mein Mann ist der Hauptgrund, warum ich so viel Erfolg in den vergangenen zwei Jahren hatte“, rühmte Vonn schon mehrfach die Verdienste des einst mittelmäßigen Weltcup-Fahrers. Es sei aber auch nicht leicht eine Beziehung zu halten, „wenn man immer unterwegs ist. Aber warum sollte eine glückliche Beziehung leichter zu schaffen sein als ein Olympiasieg?“.

Der Olympiasieg in einem Jahr in Vancouver ist das nächste große Ziel der Gesamtweltcupsiegerin aus Minnesota. „Seit ich neun bin, träume ich davon, bei Olympia zu gewinnen“, gestand die im Winter im österreichischen Kirchberg wohnende Vonn. Als Dreijährige machte sie ihre ersten Schwünge, mit neun Jahren fuhr der „Drei-Käse-Hoch“ die ersten internationalen Wettbewerbe. Um dem Töchterchen - eines von vier Kindern - bessere Trainingsmöglichkeiten zu bieten, zog die Familie von Minnesota nach Vail. Darüber, dass ihr strenger Vater aus ihr eine Anna Kurnikowa des Ski-Sports machen wollte, mag sie „nicht mehr reden“, wie die heute 18-malige Weltcupsiegerin einmal sagte.

Wie bei den letzten zwei Titelkämpfen Janica Kostelic (Kroatien) und Anja Pärson (Schweden) könnte „Lucky Lindsey“ in Val d'Isère zum dreifachen Champion werden. Weitere Starts bei der WM sollen wegen der Wunde nicht gefährdet sein. Um aber rundum glücklich die WM verlassen zu können, muss aber nicht nur sie selbst Erfolg haben. Auch ihre Freundin Maria Riesch soll mit einer Medaille abreisen und nicht wie vor neun Jahren in Kanada wieder leer ausgehen.

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