Chagaev verteidigt WM-Titel: Technischer Punktsieg

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Deutsche Presse-Agentur

Selten sah ein Sieger trauriger aus. Wortlos und mit hängenden Schultern schlich Profi-Boxer Ruslan Chagaev aus dem Ring und wurde gleich im Anschluss an seinen WM-Kampf im Schwergewicht in ein Rostocker Krankenhaus eingeliefert.

Der 30 Jahre alte Usbeke vom Hamburger Universum-Stall hatte zwar im Kampf gegen Herausforderer Carl Davis Drumond (Costa Rica) seinen WM-Titel nach WBA-Version verteidigt, sich aber gleichzeitig zwei schwere Risse am Auge zugezogen. Wegen der stark blutenden Wunden beendete der Ringrichter vorzeitig den Kampf nach der sechsten Runde.

„Ruslan wollte weiter kämpfen. Aber das Augenlicht ist das Wichtigste, was ein Boxer hat. Deswegen ist die Entscheidung richtig gewesen“, urteilte Promoter Klaus-Peter Kohl. Zu dem Zeitpunkt hatte Chagaev bei allen Ringrichtern vorne gelegen (60:54, 58:56, 58:56). Entsprechend der Regeln wurde er zum technischen Punktsieger ernannt.

Damit blieb Chagaev auch in seinem 26. Kampf unbesiegt. Für Drumond war es die erste Niederlage im 27. Duell. „Ich habe mich richtig gut gefühlt, deshalb hätte ich mir eine Entscheidung nach zwölf Runden gewünscht. Aber die Ärzte müssen wohl so entscheiden“, bedauerte Drumond das vorzeitige Aus.

In seinem ersten Kampf nach siebenmonatiger Zwangspause wegen eines Achillessehnenrisses traf Chagev das Verletzungspech früh. Vor 4300 Zuschauern in der Rostocker Stadthalle musste der Usbeke in der 3. Runde einen Kopfstoß seines Gegners einstecken, der eine klaffende Wunde schlug. „Das war ein harter, aber kein unfairer Kampf. Der Kopfstoß von Drumond war unabsichtlich. So was passiert schon mal in der Hitze des Gefechts“, sagte Chagaevs Trainer Michael Timm.

Während der Ringpausen versuchten die Ärzte immer wieder vergeblich, das Blut aus der zentimeterlangen Wunde zu stoppen. „Es war eindeutig, dass das Blut Chagaev behindert hatte. Deshalb musste ich den Kampf beenden“, sagte Ringarzt Christoph Götz.

Das vorzeitige Ende seines Comebacks hat Chagaevs Träume nicht zerstört. Chagaev ist einer von zwei WBA-Champions. Wegen seiner Verletzung im vergangenen Jahr hatte der Weltverband Chagaev zum Weltmeister im Wartestand ernannt. In der Folge sicherte sich der Russe Nikolai Walujew den vakanten Titel. „Wir brauchen jetzt Klarheit von der WBA. Wir hoffen sehr bald auf die Entscheidung“, forderte Kohl.

Bis Ende Juni muss es einen Kampf zwischen den beiden Box-Assen geben, um den alleinigen WBA-Weltmeister zu küren. Im ersten Aufeinandertreffen hatte Chagaev den Titel überraschend Walujew abgenommen. „Man hat gesehen, dass Ruslan das Ringgefühl noch nicht ganz zurück hat. Da muss sicher noch mehr kommen“, meinte Timm.

In Rostock verteidigte außerdem Andreas Kotelnik seinen WM-Titel im Junior Weltergewicht. Der Ukrainer in Diensten von Universum setzte sich knapp gegen Marcos Renè Maidana (Argentinien) mit 2:1 (115:114, 113:115, 115:113) durch und musste im Kampf über zwölf Runden mehrere harte Treffer hinnehmen.

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