BVB gegen Bayer in der Bringschuld

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Julian Brandt
Die BVB-Profis Julian Brandt (l) und Paco Alcacer wollen auch gegen Bayer Leverkusen jubeln. (Foto: Guido Kirchner / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Heinz Büse

Sie sind hochbegabt und dicke Freude. Doch erstmals in ihrer noch jungen Karriere treten die einstigen Teamkollegen Kai Havertz und Julian Brandt nicht mit-, sondern gegeneinander an.

Das sorgt vor der Partie zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr) für reichlich Frotzeleien. „Den ein oder anderen Spruch haben wir uns schon gegenseitig reingedrückt“, verriet Havertz. Für das Leverkusener Juwel ist das ein Grund mehr, die ohnehin brisante Partie der beiden Champions-League-Clubs besonders ernst zu nehmen: „Es wäre schlecht, wenn man das Spiel verliert, dann muss man ein halbes Jahr lang Sprüche ertragen.“

Liebend gern würde Brandt seinem Kumpel Havertz und den anderen ehemaligen Mitstreitern beweisen, dass er mit seinem Wechsel von Leverkusen zum BVB die richtige Entscheidung getroffen hat. „Die Jungs wiederzusehen und gegen sie zu spielen nach fünfeinhalb Jahren, das ist ein bisschen komisch“, bekannte der 23 Jahre alte Nationalspieler. Nach der unerwarteten Niederlage am vergangenen Spieltag bei Union Berlin sieht er seine Mannschaft in der Bringschuld: „Für uns ist das Spiel eine gute Chance zu zeigen, dass wir wieder zurückkommen.“

Kurz vor dem kniffligen Start in die Champions League am Dienstag gegen den FC Barcelona sehnen die Dortmunder eine gelungene Generalprobe herbei. Das könnte helfen, die Kritiker zu besänftigen, die in den beiden vergangenen Spielen des BVB bei den Aufsteigern aus Köln (3:1) und Berlin (1:3) eine fragwürdige Mentalität ausgemacht hatten. Brandt nimmt diese Kritik offenbar ernst. „Zu glauben, man redet nun ein Jahr über seine Ziele und wird dann am Ende Meister sein - so wird das bestimmt nicht funktionieren. Wir müssen jetzt wirklich alles daransetzen, die nächsten Spiele zu gewinnen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Für zusätzlichen Gesprächsstoff vor der Partie des Tabellenfünften gegen den Vierten sorgte Marco Reus. Sein Bekenntnis, „alles versuchen“ zu wollen, um den geschätzt 100 Millionen Euro teuren Havertz im kommenden Sommer nach Dortmund zu locken, schlug hohe Wellen. Umgehend gab es einen Rüffel von Michael Zorc: „Alle Beteiligten tun gut daran, sich auf die gerade laufende Saison zu konzentrieren.“ Auch wenige Tage später war der BVB-Sportdirektor um Beschwichtigung bemüht: „Ich habe noch mal mit Marco Reus gesprochen. Er hatte das witzig gemeint. Havertz ist kein Thema.“

Neben Brandt und Havertz steht Peter Bosz im Fokus. Denn auch für den Leverkusener Coach ist die Partie etwas Besonderes. Ein Sieg über seinen ehemaligen Club, bei dem er nach nur halbjähriger Amtszeit im Dezember 2017 gehen musste, würde dem Niederländer besondere Genugtuung verschaffen. Schon im vergangenen Februar war er einem Triumph an alter Wirkungsstätte nahe, als die Leverkusener den BVB phasenweise dominierten, aber unglücklich mit 2:3 unterlagen.

Im Gegensatz zu Bosz gab es für BVB-Coach Lucien Favre zuletzt wenig öffentliches Lob. Seine Aussage nach dem Spiel in Berlin - „Wir müssen aufpassen, was wir sagen“ - wurde vor allem auf dem Boulevard als Indiz für einen Dissens zwischen der Clubführung und dem mitunter zögerlichen Coach gewertet. Zum wiederholten Male und leicht genervt dementierte Favre vor dem Duell mit Leverkusen, dass er noch immer mit dem ambitionierten Saisonziel der Borussia fremdelt: „Ich will immer das Maximum. Aber ich will doch nur nicht jeden Tag darüber sprechen, ich muss mich auf meinen Job konzentrieren.“

FAZ-Interview mit Brandt hinter der Bezahlschranke

Infos zm Spiel auf bundesliga.de

Fakten zum Spiel auf BVB-Homepage

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