Bundestrainer Krupp: Wichtiger als der Stanley Cup

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Deutsche Presse-Agentur

Hartgesottene Eishockey-Profis bekamen feuchte Augen, und Bundestrainer Uwe Krupp stellte die vorzeitige Olympia-Qualifikation sogar über seinen größten Erfolg als Profi.

„Das war möglicherweise das wichtigste Spiel in meinem ganzen Leben - wichtiger als der Stanley Cup“, sagte der Ex-Verteidiger, der als bisher einziger Deutscher den Meisterpokal in der nordamerikanischen Profiliga NHL gewonnen und sogar das entscheidende Tor erzielt hatte.

Das schwer erkämpfte 2:1 (0:0, 2:1, 0:0) über Österreich in Hannover setzte nach den Nackenschlägen der vergangenen Jahre enorme Emotionen frei. „Die eine oder andere Freudenträne ist gekullert“, sagte Kapitän Andreas Renz, der in einem Jahr in Vancouver auf seine dritte Olympia-Teilnahme hoffen dar. Vorrundengegner sind Olympiasieger Schweden, der Olympia-Zweite Finnland und Weißrussland. Insgesamt ist zum 19. Mal seit 1928 eine DEB-Auswahl bei den Winterspielen dabei. „Ich finde keine Worte dafür, wie wichtig das für das deutsche Eishockey ist“, sagte Idol Erich Kühnhackl, einer der Vizepräsidenten der Deutschen Eishockey- Bundes (DEB).

Ein Scheitern vor der Heim-WM 2010 wäre dramatisch und fatal gewesen, erklärte der erleichterte DEB-Sportdirektor Franz Reindl. „Eine Zentnerlast fällt von einem ab“, gestand auch DEB-Präsident Uwe Harnos nach dem Zittersieg im Derby, mit dem die Mannschaft vorzeitig das Olympia-Ticket löste. Damit war das abschließende Turnierspiel am Sonntag gegen Slowenien ohne Bedeutung. Nach der Führung durch Yannic Seidenberg (23. Minute) und dem Ausgleich durch Dieter Kalt (31.) traf der gebürtige Kanadier John Tripp (34.) in Überzahl zur Entscheidung, danach blieb es bis zum Ende hochgradig spannend.

Krupp wirkte danach äußerlich ruhig und gelassen, doch innen sah es wohl anders aus. „Das ist ein Riesenschritt für uns. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nichts Besonderes für mich ist“, sagte der 43-Jährige, der 1998 in Nagano als Spieler bei Olympia dabei war und 2006 in Turin sein erstes Turnier als Bundestrainer bestritt. Zwei Monate später führte er die abgestiegene Nationalmannschaft auf Anhieb zurück in die A-Gruppe der WM.

Der Erfolg sei extrem wichtig für Krupp, weil er sich bewiesen habe, als es um etwas ging, erklärte DEB-Chef Harnos, der strahlte wie noch nie, seit er im vorigen Sommer das Amt übernahm. Der Jurist bekam viel Schelte ab, weil der Verband den Berliner Florian Busch trotz einer verweigerten Dopingprobe nicht gesperrt hatte und zur WM nach Kanada mitnahm. „Wir haben im vergangenen Jahr ziemlich viel auf den Kopf gekriegt, daher ist das auch ein bisschen Genugtuung, über die man sich freuen kann“, sagte Harnos und verlangte vom DEB-Team, vom 24. April an eine vernünftige WM in der Schweiz zu spielen.

Die Olympia-Teilnahme mit Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soll dann noch einmal kräftig Werbung für die Heim-WM 2010 machen. Für das Eröffnungsspiel in der Schalke-Arena wurden binnen einer guten Woche schon mehr als 50 000 der knapp 76 000 Karten abgesetzt. „Das wird ein Traumjahr für jeden Spieler“, meinte Routinier Renz, der angesichts der momentan sieben deutschen NHL-Profis eine harte Auswahl speziell für Olympia erwartet.

Besondere Spiele würden es für die Lokalmatadoren Travis Mulock und Sven Butenschön werden. Der einstige NHL-Profi Butenschön rief nach dem Sieg über Österreich seine in Vancouver lebenden Eltern an. „Das Spiel war so eng, ich war nervöser als in den NHL-Playoffs.“

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