Bundesliga vor prickelnder Rückrunde

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Deutsche Presse-Agentur

Ein angeschlagener Herbstmeister, ein hoher Favorit und mindestens drei Clubs in Lauerstellung - der Fußball-Bundesliga winkt eine der spannendsten Rückrunden der vergangenen Jahre.

Einen solch geringen Abstand zwischen dem ersten und fünften Rang gab es seit Einführung der Dreipunkte-Wertung in der Saison 1995/1996 zu diesem Zeitpunkt noch nie. Zudem erhöhen die ersten Relegationsspiele um dem dritten Abstiegsplatz seit 1991 den Reiz. Angesichts dieser prickelnden Ausgangslage sieht Joachim Löw der zweiten Saisonhälfte mit großer Vorfreude entgegen. „Es wird ein Vierkampf um den Titel“, orakelte der Bundestrainer in der „Bild“.

Einen Tag nach der Ouvertüre in Hamburg, bei der die von allen 18 Trainern zum Titelanwärter erklärten Bayern ihre Aufholjagd starteten, steht Spitzenreiter 1899 Hoffenheim im Duell mit Energie Cottbus im Mittelpunkt des Interesses. Mehr denn je stapelt Trainer Ralf Rangnick tief: „Wir fühlen uns nicht als Gejagte. Ich halte es nicht für sehr realistisch, dass wir Meister werden.“

Die Zurückhaltung der Hoffenheimer kommt nicht von ungefähr. Nach einer märchenhaften Hinrunde mit sehenswertem Angriffsfußball macht der Kreuzbandriss von Torjäger Vedad Ibisevic mächtig zu schaffen. Den aufkommenden Zweifeln über eine Fortsetzung der wundersamen Erfolgsstory will Rangnick am Samstag mit einem Heimsieg gegen Cottbus begegnen: „Entscheidend ist ein guter Start.“

Trotz der Personalprobleme traut Löw dem Aufsteiger weiter viel zu. „Die Mannschaft lebt nicht von der Aufstiegseuphorie, sondern von der Qualität. Ich glaube nicht, dass Hoffenheim einbricht.“ Anders als die meisten Bundesliga-Trainer rechnet er jedoch nicht mit einem Zweikampf der beiden bisherigen Spitzenteams. „Alle reden von Hoffenheim und dem FC Bayern, aber ich zähle auch den HSV zu den Titelkandidaten. Leverkusen schätze ich ebenfalls sehr stark ein.“

Die von Löw hoch gehandelte Bayer-Elf will in Dortmund den Beweis antreten, dass sie ihre Schwächeperiode zum Ende der Hinrunde mit nur vier Punkten aus vier Spielen überstanden hat. Anders als der Gegner, der sich am Mittwoch mit einer 1:2-Heimschlappe gegen Bremen aus dem DFB-Pokal verabschiedete, tankte das Team von Bruno Labbadia mit dem 3:1 im gleichen Wettbewerb über Cottbus Selbstvertrauen. „Wir haben im Pokal und in der Meisterschaft eine riesige Chance, etwas zu erreichen“, sagte Angreifer Patrick Helmes vor der Partie beim personell angeschlagenen Tabellennachbarn.

Gut möglich, dass auch noch andere Clubs ganz vorn mitmischen. So könnte der Überraschungsdritte aus Berlin seine gute Ausgangsposition mit einem Heimsieg über Frankfurt ausbauen. Der FC Schalke (in Hannover), Werder Bremen (gegen Bielefeld) und der VfL Wolfsburg (in Köln) blasen nach einer bescheidenen Hinserie zur Aufholjagd. „Für uns gibt es keinen Grund, unsere Saisonziele neu zu definieren. Unser Anspruch bleibt ein Champions-League-Platz“, sagte Manager Andreas Müller vom Tabellen-Siebten aus Gelsenkirchen.

Die erste Relegation seit 18 Jahren macht auch den Abstiegskampf zu einer aufregenden Angelegenheit. Vor allem das Schlusslicht aus Mönchengladbach und der Vorletzte aus Bochum stehen unter Zugzwang. Nur drei Clubs hatten seit Einführung der Dreipunkte-Wertung nach der Hinrunde weniger Punkte als die beiden Westclubs mit jeweils 11 Zählern. Speziell dem Kellerduell der Bochumer mit dem Karlsruher SC (13 Punkte) kommt vorentscheidende Bedeutung zu. Die ebenfalls gefährdete Arminia aus Bielefeld (14) setzte vor dem Spiel in Bremen ein Zeichen und verlängerte den Vertrag mit Trainer Michael Frontzeck um ein Jahr - gültig für beide Ligen.

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