Bundesliga-Rivalen des FC Bayern München lehnen Playoffs ab

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«Unstoppable»
Der FC Bayern München stoppt sich irgendwann selbst - oder er wird nicht zu stoppen sein. (Foto: Sven Hoppe / DPA)
Holger Schmidt

Der FC Bayern stoppt sich irgendwann selbst - oder er wird nicht zu stoppen sein. Das ist die Meinung der Mehrzahl der Konkurrenten in der Fußball-Bundesliga.

Zwar beklagen die Rivalen - und sogar der FC Bayern selbst - angesichts des bevorstehenden sechsten Münchner Titels in Folge die Langeweile in der Meisterfrage. Doch alle setzen offenbar auf eine Selbstregulierung und lehnen Änderungen des Modus wie zum Beispiel die Einführung von Playoffs oder eine Zweiteilung der Liga in Meister- und Abstiegsrunde, ab.

„Ich halte von all diesen Vorschlägen nichts“, sagte Peter Peters, Finanzvorstand des aktuellen Tabellenzweiten Schalke 04 der Deutschen Presse-Agentur. „Auch zukünftig wird die Qualität der Arbeit über Erfolg und Misserfolg entscheiden.“ Schalke-Manager Christian Heidel sagte der „WAZ“, die Konkurrenz müsse sich eben „weiterentwickeln und sich sukzessive steigern. Diesen Weg wollen wir auch in kleinen, aber überlegten Schritten gehen.“ Vielleicht gelinge es dann auch einmal wieder, den FC Bayern zu ärgern.

Ganz auf ihre sportliche Stärke will sich die ebenfalls im Umbruch befindliche Borussia aus Dortmund besinnen, die seit 2010 als einziges Team außer dem FC Bayern deutscher Meister wurde. Die Antwort auf die Frage nach sämtlichen Gedanken-Modellen laute „Nein“, teilte der BVB nur mit.

Der frühere Bayern-Profi und heutige Mönchengladbacher Manager Max Eberl glaubt dagegen, dass die aktuelle Saison bereits die Verwundbarkeit der Bayern gezeigt habe. „Ich glaube nicht, dass man die Regeln ändern muss, um den FC Bayern zu stoppen“, sagte Eberl. „Die ersten Wochen dieser Saison haben doch gezeigt, dass die Vormachtstellung der Münchner nicht in Stein gemeißelt ist.“

Doch dass sich keine der zurückliegenden fünf Meisterschaften erst am 34. Spieltag entschied, missfällt nach eigener Aussage sogar den Bayern-Bossen. Die souveränen Meistertitel seien „angenehm, bequem“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem „kicker“. „Aber das ist nicht das Ziel. Die emotionalste Meisterschaft, die ich erlebt habe, war 2001 in Hamburg.“ Damals konnten sich die Bayern den Titel erst in der Nachspielzeit des letzten Spieltags sichern, der FC Schalke 04 wähnte sich schon minutenlang als Meister.

Theoretisch gäbe es jedoch Modelle, die Liga anders und somit vielleicht spannender zu gestalten. Im US-Sport zählt die Meisterrunde zum Beispiel nur als Qualifikation für die Ausscheidungsspiele. Im europäischen Fußball gibt es Playoffs in Belgien und in den Niederlanden - dort auch nur, um Europa-League-Teilnehmer und Ab- beziehungsweise Aufsteiger zu ermitteln.

Die beiden öffentlichen Befürworter dieses Modells sind denn auch aktuell nicht im Bundesliga-Geschäft tätig. Wolfgang Holzhäuser hatte sich schon in seiner Zeit als Geschäftsführer von Bayer Leverkusen zwischen 1998 bis 2013 mehrfach für diesen Modus ausgesprochen. Bei „Sport1“ wiederholte er nun: „Eine Entscheidungsrunde würde sich geradezu anbieten. Mittlerweile nimmt der FC Bayern den Gewinn einer Meisterschaft doch so hin wie ich morgens mein Frühstück.“

Der langjährige Bayern-Kapitän Stefan Effenberg schlug in einer Kolumne bei „t-online.de“ gar vor, die Bundesliga in zwei Neuner-Gruppen und ab Winter in eine Meister- und eine Abstiegsgruppe einzuteilen. Dies würde „ein Riesenevent“, schrieb Effenberg. „Die Einschaltquoten würden explodieren“.

Bayerns Nationalspieler Joshua Kimmich gab zu: „Wenn ich nicht bei Bayern spielen würde, würde ich das besser finden.“ Für den FC Bayern gäbe es bei Playoffs das Risiko rauszufliegen. Dennoch sieht die Konkurrenz dieses Modell kritisch. „Ich bin kein Fan von Playoff-Spielen“, sagte Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer des Vize-Meisters RB Leipzig. Der Kölner Geschäftsführer und frühere Meistertrainer Armin Veh lehnt Playoffs gar „für die Bundesliga kategorisch ab“. Auch eine Vergrößerung der Liga scheint als Mittel unwirksam: In Italiens Serie A spielen 20 Vereine, dort steuert Juventus Turin gerade dem siebten Scudetto in Serie entgegen.

Heftig diskutiert wurde zuletzt die Abschaffung der 50+1-Regel, die eine Mehrheitsübernahme durch Sponsoren verhindert. Die Profi-Vereine sprachen sich mehrheitlich für eine Beibehaltung aus. Auch Heidel gibt zu bedenken, dass eine Abschaffung nicht bedeute, „dass sofort die Millionen und Milliarden in Clubs fließen, die dann die Bayern überholen können. Vor allem sollten wir uns fragen, ob wir wirklich wollen, dass dann plötzlich der SV Sandhausen, dessen Arbeit ich persönlich sehr schätze, um die deutsche Meisterschaft spielt. Und ich weiß auch nicht, ob wir wollen, dass RB Leipzig die Rolle des FC Bayern einnimmt, weil RB noch viel mehr Geld in den Club investiert.“

Letztendlich setzen die Rivalen ihre Hoffnung wohl erstmal auf den bevorstehenden Umbruch der Bayern auf neuralgischen Positionen in der Mannschaft und bei der aktuellen Suche nach einem Trainer. „Generell halte ich die Lösung der Trainerfrage in jedem Verein für entscheidend“, sagte Heidel.

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