Bundesliga intern zum 25. Spieltag: Haraguchis formvollendeter Nicht-Treffer

Lesedauer: 6 Min
Ressortleiter Sport

- Andreas Brehme hat in seiner langen Karriere nie für Hannover 96 gespielt. Beim aktuellen Tabellenvorletzten der Bundesliga mag sich der ein oder andere Spieler am Sonntag während des 2:3 gegen Bayer Leverkusen womöglich an einen besonders nachhaltigen Spruch des Weltmeistersiegtorschützen von 1990 erinnert haben. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“, lautete einst Brehmes eigene Umschreibung von Murphys Gesetz, nach dem schiefgeht, was schiefgehen kann. Hannovers Genki Haraguchi jedenfalls gelang wegen der plötzlichen Winterrückkehr am Sonntag das kurioseste Nicht-Tor mindestens der Saison. In der 33. Minute hatte der Angreifer beim Stand von 0:2 bereits Keeper Lukas Hradecky überlaufen und musste den Ball aus rund 15 Metern nur noch ins leere Tor schieben. Haraguchi gab dem Ball sogar mehr als nur einen Schubser, dieser rollte zunächst auch unaufhaltsam über die dünne Schneedecke Richtung Tor, bis er bald nicht mehr rollte, sondern höchstens noch kroch und schließlich, wenige Zentimeter vor dem Tor, einfach stehenblieb. Leverkusens Nationalverteidiger Jonathan Tah rannte heran und – diesmal im Wortsinn verwendet – kratzte den Ball mit seinem Fuß von der Linie. Eine Szene, die irgendwie die gesamte Saison von Hannover 96 zusammenfasste. In der 41. Minute unterbrach Schiedsrichter Sören Storks das Spiel sogar, um Ordnern die Chance zu geben, den Schnee vom Rasen zu räumen. Problem nur: Offenbar hatte niemand in Hannover damit gerechnet, dass Anfang März unmittelbar vor einem Bundesligaspiel ein Schneesturm einsetzen kann: Nur wenige Ordner kamen auf den Platz, noch weniger hatten eine Schneeschippe dabei.

Nicht viel besser, tabellarisch sogar noch ein bisschen schlechter, ist die Lage derzeit beim Letzten, dem 1. FC Nürnberg. Das 1:2 bei der TSG Hoffenheim war die 19. Bundesligapartie in Serie, in der die Nürnberger nicht punkten konnten. Seit Einführung der Dreipunkteregel im Jahr 1995 war nach 25 Spieltagen kein Bundesligist so schlecht wie der „Club“ – der sich langsam auch nicht mehr damit trösten kann, dass die Mannschaft sich kämpferisch kaum etwas vorwerfen kann. „Ich spiel lieber scheiße und hole Punkte als andersrum“, sagte Außenverteidiger Robert Bauer.

Gar göttlichen Beistand wünscht sich Berlins Trainer Pal Dardai. Seine Hertha befindet sich zwar mit 35 Punkten im gesicherten Mittelfeld, doch, weil man nach der Hinrunde noch vom Europacup träumte und der Mannschaft beim 1:2 in Freiburg bereits das zweite Eigentor hintereinander unterlief, sagte Dardai: „Wir als Mannschaft müssen, glaube ich, langsam in die Kirche gehen. Was wir für Tore bekommen, das ist wirklich hart.“ Vedad Ibisevic gelang das Kunststück, in der 76. Minute erst das 1:1 zu erzielen, um dann in der 81. Minute per Eigentor die Berliner Niederlage zu besiegeln. Vor einer Woche war ein Hertha-Spieler ebenfalls mit einem Tor und einem Eigentor aufgefallen. Verteidiger Niklas Stark hatte aber erst ins eigene Tor getroffen, ehe er gegen Mainz mit seinem Treffer zum 2:1 zum umjubelten Matchwinner avanciert war.

454 Tage hatte Fin Bartels auf diesen Moment warten müssen – doch richtig freuen konnte sich Bremens sehr lange verletzter Offensivspieler nicht über sein Comeback nach diversen Verletzungen der Achillessehne – obwohl Werder 4:2 gewann und die Krise des FC Schalke weiter verschärfte. In der 84. Minute wurde Bartels für Doppeltorschütze Milot Rashica eingewechselt. „Gänsehaut pur für mich“, sei dieser Moment gewesen, „ich habe selten einen emotionaleren Moment im Fußball erlebt“, so Bartels. Kaum auf dem Platz krachte er jedoch so unglücklich in Schalkes Daniel Caligiuri, dass sich der gebürtige Villingen-Schwenninger das vordere Syndesmoseband riss und mehrere Wochen ausfällt. Bartels eilte nach Abpfiff in die Kabine, entschuldigte sich bei Caligiuri: „Ich kann nur hoffen, dass er schnell wieder auf die Beine kommt“, sagte er. Caligiuris Ausfall lindert die Sorgen von Trainer Domenico Tedesco nicht gerade, doch immerhin hat er noch einen Job – und somit Grund, sich Sorgen zu machen: Mindestens noch eine Woche lang darf der angezählte Trainer beim abgestürzten Vizemeister weiter die Anweisungen geben. „Wir wollten eine Trendwende in Sachen Leistung, die haben wir gesehen. Daraus können wir Kraft und Zuversicht schöpfen“, verkündete der neue Sportvorstand Jochen Schneider.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen