Brasilien mit „Horror-Show“ in Ecuador: 1:1

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Deutsche Presse-Agentur

Fußball-Rekordweltmeister Brasilien treibt seine Fans derzeit zur Weißglut. Nach dem äußerst glücklichen 1:1 (0:0) in Ecuador steht die „Seleção“ in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 am Rande des Abgrundes.

Denn Chile gewann 3:1 (2:1) in Peru und verdrängte die Brasilianer auf den vierten Tabellenplatz, der gerade noch das letzte Südamerika-Ticket für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika bedeuten würde. „Die haben gespielt wie erschrockene Kinder“, kritisierte Kolumnist Juca Kfouri die ängstliche Vorstellung der Brasilianer und sprach sogar von einer „Horror-Show“. Die Zeitung „O Globo“ befand: „(Tormann) Julio César verhinderte ein Debakel“. Und „Folha de Sao Paulo“ schrieb, das Team des umstrittenen Trainers Carlos Dunga sei „massakriert“ worden.

Brasilien kann in der 2800-Meter-Höhe von Quito einfach nicht gewinnen. Seit 1993 gab es dort je zwei Unentschieden und Pleiten. Diesmal waren die Hausherren vor 40 000 Fans im Atahualpa-Stadion haushoch überlegen. Den 27 Torschüssen der Ecuadorianer konnte Brasilien ganze 11 entgegensetzen. Und bei ihrem Treffer hatten die Gäste Glück: Julio Baptistas Schuss prallte von der Latte ab und von José Cevallos' Torwart-Rücken über die Linie (72.). Christian Noboa (88.) schaffte noch das 1:1. Ohne den angeschlagenen Kaká konnten Robinho und Ronaldinho keine Akzente setzen. Die Bundesliga-Legionäre Lúcio und Josué fielen kaum auf. „Julio César war besser als alle anderen Brasilianer zusammen“, sagte TV-Starkommentator Galvao Bueno.

Trotz der 0:2-Niederlage in Uruguay führt Paraguay die Tabelle mit 23 Punkten weiter souverän an. Dahinter folgen mit je 19 Punkten die unter dem neuen Coach Diego Maradona wiedererstarkten Argentinier, die Venezuela mit einem glänzend aufgelegten Lionel Messi 4:0 deklassierten, und Chile. Die Anden-Kicker, die unter dem argentinischen Coach Marcelo Bielsa neben Paraguay bisher die konstantesten Leistungen zeigen, siegten in Lima dank der Tore von Alexis Sánchez (2.), Humberto Suazo (31.) und Matias Fernández (69.) problemlos. Für „Schlusslicht“ Peru (7), bei dem nach der Steuer-Affäre um den diesmal nicht eingesetzten Bremer Claudio Pizarro auch sportlich alles schief zu laufen scheint, traf nur Johan Fano (33.).

Brasilien (18) muss sich nun als Tabellenvierter vor den „Urus“ (16) in Acht nehmen. Coach Dunga, der in Quito „ein ganz normales Spiel“ sah, steht nun am 1. April in Porto Alegre gegen Peru unter Zugzwang. „Er (Dunga) muss gewinnen, so oder so“, so das Portal UOL. Ein offenes Geheimnis ist in Rio de Janeiro, dass der kürzlich beim FC Chelsea in London gefeuerte Weltmeister-Coach von 2002, Luiz Felipe Scolari, der Lieblingstrainer von CBF-Verbandschef Ricardo Teixeira ist. „So defensiv darf Brasilien aufgrund seiner Tradition nie wieder spielen“, warnte Galvao Bueno bereits.

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