Brasilien im „Rausch“ - Lippi verpasst Weltrekord

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Deutsche Presse-Agentur

Als Robinho nach seinem Treffer am Daumen lutschte, fiel Coach Dunga ein Stein vom Herzen. Das 2:0 von Fußball-Rekordweltmeister Brasilien im hochklassigen „Weltderby“ über Italien prägte aber gleich das Schicksal von drei Trainern:

Italiens Nationalcoach Marcelo Lippi verpasste den „Weltrekord“ von 32 Länderspielen in Serie ohne Niederlage. Der größte Verlierer des Abends war allerdings ein Brasilianer, der in London gar nicht mit von der Partie war: Für den von Chelsea London gefeuerten Luiz Felipe Scolari, 2002 mit der „Seleção“ Weltmeister, dürften alle Comeback-Träume geplatzt sein. „Der Trainer sitzt fester denn je im Sattel“, räumte sogar Kolumnist und Dunga-Kritiker Juca Kfouri ein.

Von Fans und Medien oft als „Esel“ beschimpft, wurde der frühere Stuttgarter plötzlich zum „Professor“ (Sportportal „Globoesporte“). Bis auf Scolari schwebt ganz Brasilien auf Wolke Sieben. Die Fans an den Strandkiosken der Copacabana waren auch ohne Caipirinha wie im Rausch und die Medien in Rio und Sao Paulo nach langer Durststrecke wieder einhellig einer Meinung: „Das war eine Show!“. „Dunga vertreibt den Schatten von Scolari“, meinte unterdessen „Globoesporte“. In Brasilien ist es kein Geheimnis, dass Scolari Lieblingstrainer von Verbandspräsident Ricardo Teixeira ist - umso verständlicher die Freude von Dunga nach dem Abpfiff: „Wir mussten zum Jahresstart einfach gut spielen. Das war eine der besten Nationalelf-Leistungen meiner Amtszeit“, jubelte der 45-Jährige.

Einen Seitenhieb auf Kollege Lippi konnte sich Dunga dabei nicht verkneifen. „Es war schon gut, das wir dieser Unbesiegbarkeit (Italiens unter Lippi) ein Ende gesetzt haben. Das motiviert ungemein“, sagte er. Für die „Squadra Azzurra“ riss eine Serie von 31 Spielen ohne Niederlage. Diese Bestmarke hatten vor Lippi nur Alfio Basile mit Argentinien und Javier Clemente mit Spanien in den 90er Jahren geschafft. Der 60-jährige Coach erkannte die Überlegenheit des Gegners an: „Brasilien war diesmal einfach stärker. Aber in eineinhalb Jahren (bei der WM) können wir wieder die besseren sein.“

Tormann Gianluigi Buffon fand zwar, dass die Niederlage zu hoch ausgefallen sei, aber die italienischen Medien gingen mit der Nationalelf hart ins Gericht: „Was für ein Schlag. Brasilien zieht eine Show ab und Italien kann nur zuschauen. Die erste Halbzeit war ein Alptraum“, schrieb „La Gazzetta dello Sport“, die auch von einem „Untergang der Berliner Mauer“ sprach. „Tuttosport“ sah in London „ein Mini-Italien“ und eine „Lektion“ der Brasileiros, und „Corriere dello Sport“ bedauerte den „Riesen-Ausrutscher“.

Obwohl Dunga im Emirates Stadium auf den verletzten Weltstar Kaká verzichten musste, schaffte er nach dem 0:3-Debakel vom vergangenen Juni in Paraguay bereits das siebte Spiel ohne Niederlage. Coach und Medien lobten vor allem die Torschützen Elano und Robinho. Vergessen war plötzlich sogar die Vergewaltigungsaffäre um Robinho. „Der Zusammenhalt im Team wird immer stärker, rechtzeitig vor der WM kommen wir in Schwung“, tönt der Dribbelkönig von Manchester City.

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