„Bekloppter“ Weghorst bekommt zur Belohnung den Ball

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Wout Weghorst
Erzielte drei Tore gegen Fortuna Düsseldorf: Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst. (Foto: Peter Steffen / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Carsten Lappe

Nach Meinung seiner Teamkollegen vom VfL Wolfsburg ist Wout Weghorst reichlich bekloppt.

Dies könnte auch dem neutralen Beobachter in den Sinn kommen - wenn man bedenkt, dass sich der VfL-Torjäger am Ende einer turbulenten Woche mit einer herben persönlichen Entscheidung wie ein kleiner Junge über einen Fußball freute. Statt einer Berufung in die Elftal, die am Sonntag in der EM-Qualifikation gegen Deutschland spielt, hat Weghorst nun einen Ball mit den Unterschriften seiner Mitspieler. „Dieser Ball bekommt einen schönen Platz bei mir zuhause“, sagte Weghorst nach seiner persönlichen Gala beim 5:2 (1:1) gegen Fortuna Düsseldorf.

Gegen den Aufsteiger schoss der Torjäger drei Treffer selbst (54. Minute/59./88.) und bereitete die übrigen beiden von Admir Mehmedi (34.) und Robin Knoche (57.) vor. An allen VfL-Toren in einem wilden Spiel war Weghorst beteiligt, gleich fünf Scorerpunkte sammelte er dabei - so ein Auftritt war dem Niederländer noch nie gelungen. „Das ist etwas spezielles, ein überragendes Gefühl. Das sind die Momente, für die man Fußballer geworden ist“, sagte Weghorst später.

Für seine Mitspieler ist dies nicht normal. „Eigentlich sagt man ja, dass die Torhüter nicht normal seien. Bei uns ist das umgekehrt. Casteels ist total normal, aber der Stürmer bekloppt“, sagte Mehmedi über seinen Kollegen. Abgesehen von seinem erneuten Auftritt als Fortuna-Schreck - schon im Hinspiel beim 3:0 war Weghorst an allen VfL-Toren beteiligt - blieb offen, worin genau dies „bekloppt sein“ bestehen soll. Auch Weghorst meinte lediglich: „Ich weiß, dass ich nicht immer Durchschnitt bin.“

Letztendlich musste die Fortuna etwas ausbaden, was Hollands Bondscoach Ronald Koeman verursacht hatte: Weghorst spielte mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. In der ergangenen Woche war Weghorst in den vorläufigen niederländischen Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und Deutschland berufen worden, im endgültigen Aufgebot fehlte Weghorst dann aber.

Zur Verwunderung seines Club-Coaches Bruno Labbadia. „Ich weiß jetzt nicht, ob Holland so viele Torjäger hat“, meinte Labbadia und freute sich über die seiner Meinung nach genau richtige Reaktion: „Ich denke, dass wird in Holland auch gesehen.“ Weghorst kommentierte seinen Elftal-Frust trotzig: „Natürlich war das enttäuschend. Ich hatte darauf gehofft. Das hat mich schon extra motiviert.“

Dank seiner Saisontore zehn, elf und zwölf kann der VfL nun wieder auf eine mögliche Europapokal-Rückkehr hoffen. Mit 42 Punkten aus 26 Spielen ist Wolfsburg vor der Länderspielpause Tabellen-Siebter, der Anschluss an die Europa-League-Plätze ist wieder hergestellt. Selbstverständlich war dies nicht. „Es war keine einfache Woche. Das ist als Mannschaft alles nicht einfach“, gestand Weghorst.

Vor knapp drei Wochen entfachten die Wolfsburger Verantwortlichen eine Debatte über die Zukunft Labbadias angesichts selbst öffentlich gemachten Dissonanzen zwischen ihm und Sportchef Jörg Schmadtke. Am Ende - nach einem desaströsen 0:6 am vergangenen Spieltag beim FC Bayern München stand der von Labbadia am Dienstag verkündete Abschied im Sommer. „Der Zeitpunkt hat uns schon ein Stück weit überrascht“, gestand Mehmedi. Weghorst urteilte derb: „Das ist natürlich scheiße.“

Die Bindung zwischen Team und scheidendem Trainer ist eng. Am Ende könnten beide profitieren. Der VfL von der Europapokal-Rückkehr und Labbadia davon, sich sein nächstes Engagement im Sommer aussuchen zu können.

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