Behle sorgt sich um WM-Form der Damen

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Deutsche Presse-Agentur

Im schneeweißen Liberec sieht Jochen Behle schwarz. Von Gelassenheit ist beim Langlauf-Bundestrainer vor dem ersten WM-Start der Damen über 10 Kilometer im klassischen Stil nichts zu spüren.

Die bisherigen Saisonergebnisse, vor allem aber das Wie der vergangenen Auftritte haben den Coach ins Grübeln gebracht. Lediglich Stefanie Böhler aus Ibach hat in dieser Saison einen deutlichen Sprung nach vorn vollzogen. Die anderen Damen stagnieren in ihrer Entwicklung.

Dabei schien vor dem Beginn des Wettkampfjahres alles in bester Ordnung zu sein. Ismo Hämäläinen, der nach der WM vor zwei Jahren als verantwortlicher Coach die Damen übernommen hatte, brachte neuen Schwung in das Training. Selbst die „altgedienten“ Evi Sachenbacher- Stehle (Reit im Winkl), Claudia Nystad (Oberwiesenthal) und Manuela Henkel (Oberhof), die bereits 2002 mit der Staffel den Olympiasieg errungen hatten, staunten. Der Finne hatte mit viel Spaß dafür gesorgt, dass das harte Training angenehmer wurde. Die Stimmung im Team war nie besser.

Doch die Ergebnisse blieben aus, die Sportlerinnen begannen an sich zu zweifeln. Hämäläinen aber predigte gebetsmühlenartig, dass der Formaufbau auf die WM ausgerichtet ist und sie noch rechtzeitig ihre Erfolgserlebnisse haben werden. Punktuell wie beispielsweise bei Böhler funktionierte es, doch Top-Ten-Platzierungen blieben eher die Ausnahme.

„Ich hatte mir das alles etwas anders vorgestellt“, sagt Behle und redet Klartext: „Vom Spaß allein kommen keine Ergebnisse, nur Begeisterung reicht nicht. Ismo hat die Verantwortung. Ich muss erst dann eingreifen, wenn das Ziel in Gefahr ist, so wie jetzt“, betont der Chefcoach. Er hatte sich schon zu einem frühen Zeitpunkt der Saison mit Hämäläinen zusammengesetzt und seine Bedenken geäußert. „Aber man muss einem Trainer auch die Möglichkeit geben, seine Konzepte durchzusetzen. Wenn die nicht aufgehen, darf und werde ich nicht still zusehen. Wir werden nach der Saison wieder diskutieren“, sagt Behle, verweist aber auch darauf, dass er menschlich mit Hämäläinen keine Probleme hat.

Aber dienstlich liegen sie gegenwärtig nicht auf einer Wellenlänge. Die Nicht-Nominierung von Nystad und Sachenbacher-Stehle für den WM-Auftakt am Donnerstag kommentierte Behle mit den Worten: „Er hat die Verantwortung und muss wissen, was er macht.“

Möglichkeiten zur Wende zum Besseren sieht Behle. „Man kann nicht nur das machen, was jeder will. Auch ein Tobi Angerer oder Axel Teichmann haben mal andere Vorstellungen von Training als der Trainer. Aber der ist in der Verantwortung und muss eben auch mal unbequeme Wege gehen“, bemerkt der Chefcoach. Den Umfang, in welchem er den Sportler in seine Entscheidungen und Pläne mit einbezieht, müsse jeder Trainer selbst bestimmen.

Und so hofft Behle still, dass Hämäläinens Saisonaufbau vielleicht doch noch Früchte trägt. Vor zwei Jahren hatte er vor der WM in Sapporo Evi Sachenbacher-Stehle stark kritisiert, die dann bei fünf Starts nie schlechter als Zehnte war. Wenn er eine seiner Athletinnen in die Top Ten bringen könnte, wäre er schon glücklich. „An eine Medaille zu glauben, wäre tollkühn“, sagt Behle bitter.

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