Bayern redet sich nach HSV-Pleite zum Meister

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Als der FC Bayern München beim 0:1 in Hamburg enttäuscht hatte, gingen Jürgen Klinsmann und Uli Hoeneß in die Verbaloffensive.

„Das wirft uns nicht um, wir haben 16 Spiele vor uns, wo wir alle Möglichkeiten haben, aus eigener Kraft Meister zu werden“, ließ der tief gefrustete Trainer Klinsmann trotz der dritten Saisonniederlage keinen Zweifel am 21. Titel des Rekordmeisters zu. Und der Manager des Bundesliga-Vierten legte nach: „Der HSV ist einer der Konkurrenten, aber am Ende wird es keinen mehr geben“. Dass es aber sehr wohl ernstzunehmende Rivalen gibt, erkannte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der respektlosen Vorstellung der Hamburger: „Es wird keinen Zweikampf Bayern gegen Hoffenheim geben, spätestens seit heute Abend ist der HSV im Titelrennen. Und Leverkusen ist auch nicht so weit entfernt“.

Auch Nationalspieler Philipp Lahm demonstrierte eine breite Brust: „Wenn wir unsere Leistung bringen, wird uns in der Bundesliga keiner stoppen und das Wasser reichen können.“ Tatsächlich war er in einem hochspannenden Match der einzige Münchner mit einer ansprechenden Leistung. Nur vier Tage nach dem 5:1-Pokalfest in Stuttgart reagierte Klinsmann angefressen. Den indisponierten Franck Ribéry entschuldigte er mit Wadenproblemen, die fahrlässige Chancenverwertung von Miroslav Klose (66./82. Minute), Luca Toni (69.) und Bastian Schweinsteiger (3.) ärgerte ihn aber maßlos: „Die Chance von Schweinsteiger - wenn ich hundertprozentig da bin, mach' ich ihn rein“.

Rummenigge kritisierte die fehlende Aggressivität der Bayern, die überraschend Jungstar Toni Kroos an Leverkusen ausliehen: „Jetzt müssen wir reagieren und am nächsten Sonntag, wenn wir daheim gegen Dortmund spielen, diese drei Punkte holen, die wir haben liegen lassen.“ Zu deutlich wurde gegen den HSV, den Trainer Martin Jol auch ohne den gesperrten Ivica Olic meisterhaft eingestellt hatte, die Abhängigkeit der Bayern von ihrem Leitwolf Ribéry. Keine Schuld suchte Klinsmann bei Schiedsrichter Knut Kircher, der die Treffer von Toni (29.) und Klose (48.) nicht anerkannte, auch wenn er zumindest den abgepfiffenen Zweikampf des Italieners mit Bastian Reinhardt anders sah als der Referee: „Ein astreines Tor“.

Ob Kloses Kopfball über die Torlinie vom bestens abwehrenden Frank Rost sprang, konnten auch zahlreiche TV-Zeitlupen nicht aufklären. Hoeneß forderte die Einführung einer Torkamera: „Das ist die einzige Situation, wo ich die Technik gerne hätte“. Rost wollte jeden Zweifler zum Optiker schicken und freute sich über sein 100. Bundesliga-Spiel zu Null.

Bei den heimstarken Norddeutschen trumpfte Piotr Trochowski auf, der mehr und mehr in die Rolle von Spielgestalter Rafael van der Vaart hineinwachsen könnte. „Er kann noch mehr, er kann den letzten Pass wie van der Vaart spielen“, bestätigte Jol, der nach dem monatelangen Ausfall von Reinhardt mit Mittelfußbruch bis zum Transferschluss am Montag Verstärkung zumindest für die Abwehr forderte. Großes Interesse wird an Wolfsburgs Alexander Madlung bekundet, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. „Madlung wird uns zur Rückrunde verlassen“, bestätigte VfL-Trainer Felix Magath am Sonntag im DSF-„Doppelpass“.

Abgeben wird der Tabellen-Dritte, der sich mit mit forschen Tönen in Richtung Titel merklich zurückhielt, voraussichtlich den lustlosen Thiago Neves. Der Brasilianer könnte für rund sieben Millionen Euro zum saudi-arabischen Club Al Hilal gehen, der den Brasilianer an seinen Heimatverein Fluminense Rio de Janeiro ausleihen will. Als Zugang konnte der französische Mittelfeldakteur Mickael Tavares von Slavia Prag bis 2012 verbucht werden.

Im Sturm sind die Hanseaten zumindest bis Saisonende mit dem noch in Karlsruhe gesperrten Olic und dem Torschützen Mladen Petric (44.) gut aufgestellt. Zu Paolo Guerrero klafft eine große Lücke, die Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer bis zur neuen Saison, wenn Olic für die Bayern stürmt, mit einem Teil der Millionen in der gut gefüllten Kasse schließen sollte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen