Bayern-Präsident Hainer lobt „einfühlsame“ Profis

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Herbert Hainer
Herbert Hainer ist der Vereinspräsident des FC Bayern München. (Foto: Angelika Warmuth / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Christian Kunz und Klaus Bergmann

Herbert Hainer stuft die in ihrem gesamten Ausmaß noch nicht abzuschätzenden Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie selbst für den finanzstarken FC Bayern München als immense Aufgabe ein.

Die Gesamtsituation im deutschen Profi-Fußball bezeichnete der Nachfolger von Uli Hoeneß als „sehr angespannt“. Der 65 Jahre alte Hainer mahnt: „Es geht um Existenzen einzelner Vereine.“

Auch für den deutschen Rekordmeister bedeute „diese wirtschaftliche Krise, die die Situation mit sich bringt, natürlich eine große Herausforderung“, sagte Hainer der Deutschen Presse-Agentur. Aber die Verantwortlichen des FC Bayern, der unter den 18 Bundesligavereinen über die größte Finanzkraft verfügt, blicken trotz „dieser immensen Herausforderung, die wir alle nur gemeinsam bewältigen können, zuversichtlich in die Zukunft“. Den Clubs würde bei einem Komplett-Abbruch der Saison durch ausbleibende TV-Gelder und Zuschauereinnahmen ein Ausfall von 750 Millionen Euro drohen.

Im Vordergrund steht für den langjährigen Adidas-Chef, der am 15. November zum Nachfolger von Hoeneß (68) gekürt worden war und inzwischen auch Chef des Aufsichtsrats beim Rekordmeister ist, aktuell aber die gesellschaftliche Aufgabe. Und die beträfe alle.

„Die Gesundheit und der Zusammenhalt in der Bevölkerung sind nun von höchster Bedeutung. Es geht darum, Vertrauen zu haben, zusammenzustehen und eine Ausbreitung des Virus unter allen Umständen zu verlangsamen“, appellierte Hainer. Der FC Bayern wolle versuchen, „ein Vorbild in unserem täglichen Handeln zu sein“, sagte der Vereinschef, der deswegen auch hervorhob: „Es gibt aktuell weit größere Probleme und Sorgen als die des Fußballs.“

Dennoch fragen sich Fans, ob nach der Bundesliga-Zwangspause in den Stadien wieder mit Zuschauern gespielt wird oder aber Geisterspiele stattfinden. Hainer positionierte sich dazu nicht. Er will diese Frage die Liga entscheiden lassen.

Wie Amtsvorgänger Hoeneß, der zu einem disziplinierten Umgang mit der komplexen Gesundheitslage aufgerufen hat, wies auch Hainer auf die spezielle Herausforderung in dieser völlig neuen Notlage hin. „Es gibt keine Blaupause und kein Patentrezept, aber wir unternehmen alles, um diese schwierige Situation zu meistern“, sagte er.

Der Präsident des größten deutschen Sportvereins erwartet von der Videokonferenz der UEFA am Dienstag wichtige weitere Erkenntnisse. Die vom 12. Juni bis 12. Juli geplante EM-Endrunde, die in ganz Europa stattfinden soll, „steht nun natürlich besonders auf dem Prüfstand“, meinte Hainer. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er sich die Austragung des Turniers „beim besten Willen nicht vorstellen“.

Mögliche Beschlüsse, die auf den Sitzungen der Bundesliga am Montag sowie der UEFA getroffen werden, könnten laut Hainer auch schnell wieder überholt sein. „Jeder weiß: In diesen Tagen muss man bei Beschlüssen flexibel bleiben und die Situation täglich neu bewerten.“

Im Verein müssen die Verantwortlichen den Spagat meistern, neben der schwierigen Gegenwart auch die Zukunftsplanungen voranzutreiben. Das betrifft eine weitere Zusammenarbeit mit Trainer Hansi Flick über das Saisonende hinaus ebenso wie offene Vertragsfragen bei Spielern. Im Sommer 2021 laufen etwa die Kontrakte von Kapitän Manuel Neuer (33) und Angreifer Thomas Müller (30) aus. Auch kostspielige Transfers müssen in der aktuellen Lage womöglich anders angegangen werden.

„Unsere sportliche Leitung um Hansi Flick und Hasan Salihamidzic meistert diese noch nie dagewesene Situation sehr gut“, lobte Hainer den Coach und den Sportdirektor. Transfers und Vertragsverlängerungen seien „Sache des Vorstands, der dann mit entsprechenden Details auf den Aufsichtsrat zukommen wird“, sagte Hainer zurückhaltend.

Als positiv bewertet der Vereinspräsident, wie einige Bayern-Profis über die Sozialen Medien „mit einfühlsamen Appellen dazu aufgerufen haben, jeder möge sich für die Gesellschaft einbringen, sich zurücknehmen, wenn möglich anderen helfen und die offiziellen Anweisungen der Behörden ernstnehmen“. Viele Spieler hätten ihre Statements mit dem Wunsch beendet, „dass sie hoffen, dass wir alle uns bald wieder gesund in einem Fußballstadion sehen. Dem kann ich mich, kann sich unser ganzer Verein nur anschließen.“

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