Bayern München nach dem 5:1 gegen Benfica: Befreiung mit Fragezeichen

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Ressortleiter Sport

Dieses 5:1 (3:0) des FC Bayern München gegen freilich grotesk indisponierte Spieler von Benfica Lissabon, dieses Comeback der Dominanz-Bayern, lieferte Geschichten für mindestens fünf Spiele.

Da war etwa die schön kitschige Story von Arjen Robben, der seiner Mannschaft mit zwei Original-Robben-Toren den Weg zum Triumph bereitete und dann eine beinahe rührselige Erklärung in Richtung seines noch immer unter Druck stehenden Trainers Niko Kovac abgab. „Ich habe mich besonders gefreut für ihn als Mensch. Er reißt sich auch täglich den Arsch auf. Er gehört zu uns.“

Da waren die Fans in der Südkurve, die schon vor dem Anpfiff via Transparent („Umbruch nur gemeinsam: Trainer und Team“) ein Treuebekenntnis pro Kovac abgegeben hatten und in der Schlussphase ganz viel Selbstironie bewiesen, als sie minutenlang einen Gassenhauer von Jürgen Drews anstimmten: „Wieder alles im Griff/auf dem sinkenden Schiff/Keine Panik auf der Titanic/Land in Sicht, wir sterben nicht“, sangen sie.

Torschützen insgesamt 99 Jahre alt

Oder die schöne Randnotiz, dass die fünf Münchner Tore – es trafen noch Robert Lewandowski doppelt per Kopf nach Ecken des Bösingers Joshua Kimmich und Franck Ribéry nach Zuspiel seines besten Kumpels David Alaba – von einem Trio erzielt wurden, das gemeinsam auf 99 Lebensjahre kommt: Die Oldies eines insgesamt recht alt gewordenen Kaders machten die Bayern zumindest für ein Spiel wieder zu Bayern.

Die erstaunlichsten Geschichten an diesem Abend der Befreiung lieferten dann aber ausgerechnet die zwei Personen, die fürs Erste von der meisten Last befreit worden waren: Niko Kovac, der mindestens ein weiteres Endspiel am Samstag in der Bundesliga bei Werder Bremen (15.30/Sky) bekommt, und Sportdirektor Hasan Salihamidzic, dem somit Vertragsverhandlungen mit anderen Trainern erspart bleiben. Dass bereits Gespräche mit anderen Trainern, etwa mit Arsène Wenger, erfolgt seien, dementierte Salihamidzic „zu 100 Prozent“.

Wieso gibt Kovac ohne Not zu, dass durch Mannschaft ein Riss geht?

Beide sorgten mit ihren Auftritten für Fragezeichen. Kovac wurde während der Pressekonferenz gefragt, ob die Umarmung zwischen ihm und Ribéry bei dessen Auswechslung als Symbol der Geschlossenheit gewertet werden könne. „Man sprach von Vieren, die gegen mich seien. Aber man sprach nicht von denen, die schon irgendwo auf unserer Seite sind. Das war glaube ich eindeutig genug, und davon gibt es viele in dieser Mannschaft“, so die Antwort.

Wenn es aber viele gibt, die irgendwo auf seiner Seite sind, muss es ja – wie zuletzt geschrieben – einige Spieler geben, die gegen ihn sind. Wieso aber gibt der Trainer im Moment seines bislang größten Sieges bei Bayern ohne Not zu, dass ein Riss durch die Mannschaft geht und seine Arbeit diesen Riss mit ausgelöst hat?

Es war nicht das einzige Mal, dass Kovac beim Versuch, Argumente für sich darzulegen, gleichzeitig auch irgendwie gegen sich argumentierte. „Anscheinend brauchen wir die großen Spiele, gegen Dortmund und in der Champions League agieren wir immer anders. Gegen die Kleineren glauben wir, dass alles mit halber Kraft geht, dass wir nicht 90 Minuten konzentriert sein müssen“, hatte Kovac zuvor festgestellt. Nun müsse die Mannschaft lernen, es auch gegen „vermeintlich kleinere Gegner“ besser zu machen. Genau das gehörte aber freilich schon immer zu den Kernaufgaben eines Bayern-Trainers. Es sind vor allem solche Momente, die die Zweifel der Kritiker nähren, ob Kovac – Bayern-Vergangenheit als Spieler hin oder her – wirklich den Unterschied zwischen der Arbeit bei Eintracht Frankfurt und Bayern München verstanden hat.

„Ich habe viel im Hintergrund zu tun, im Winter, im Sommer“

Nach einem Mitternachtssnack trat dann auch Salihamidzic, der wegen seines Schweigens nach dem blamablen 3:3 gegen Düsseldorf, das Kovac zum Trainer auf Abruf gemacht hatte, kritisiert worden war, quasi per Dekret von Präsident Uli Hoeneß („wir haben eben besprochen, dass Hasan mit Ihnen sprechen wird. Ich bin heute sehr zufrieden“) vor die Reporter: „Ich muss mich nicht verteidigen. Wenn ich was zu sagen habe, dann sage ich, was ich denke. Wenn nicht, dann muss ich nicht irgendwelche Sachen sagen, die keine Bedeutung haben“, sagte er. Außerdem: „Ich habe viel im Hintergrund zu tun, im Winter, im Sommer.“ Auf die Bitte, dies zu präzisieren, dachte und sagte er das: „Sie wissen, wie kompliziert der Transfermarkt heutzutage ist. Das kann man nicht präzisieren. Das ist ein Prozess.“ Es folgte ein recht amüsantes Zwiegespräch zwischen ihm und dem weitgereisten ZDF-Reporter Béla Rèthy, das mit einem Versprechen endete: „Wir werden in Bremen gewinnen“, so Salihamidzic. Wäre das also geklärt.

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