Bayer: „Möchte mich nicht an den 8,71 messen“

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Deutsche Presse-Agentur

Weitspringer Sebastian Bayer hat auch am Morgen nach seinen 8,71 Meter keine Erklärung für seinen Sensationssatz.

„Warum, wieso, weshalb - das kann ich noch nicht sagen“, meinte der müde Hallen-Europameister und -Europarekordler, bevor er mit seiner Freundin, der Hürdensprinterin Carolin Nytra, in den Flieger nach Frankfurt stieg. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa beschreibt der neue deutsche Leichtathletik-Held auch die Schwierigkeiten, eine Sportlerbeziehung im Gleichgewicht zu halten.

Wie feiert man so einen Erfolg, den niemand für möglich gehalten hat?

„Ich hab's ganz locker angehen lassen. Bin kurz noch zum Bankett gefahren, habe dann bisschen was gegessen und den ersten Bus zurück ins Hotel genommen. Dann habe ich meine Tasche gepackt und mich ins Bett gelegt. Also alles ganz entspannt. Ich war auch sehr müde. Irgendwie war die Belastung schon sehr, sehr groß. Ich habe zwar nicht viel geschlafen, aber wenigstens zwei, drei Stündchen.“

Direkt nach ihrem Sieg hatten Sie noch keine Erklärung, warum Sie so weit geflogen sind. Haben Sie über Nacht neue Erkenntnisse gewonnen?

„Ich hab' den Sprung noch immer nicht gesehen, nur einmal auf der großen Leinwand. Warum, wieso, weshalb - das kann ich noch nicht sagen. Ich wusste, dass ich eine gute Form habe und hatte mir vorgenommen, den deutschen Rekord anzugreifen. Aber dass es in diese Sphären geht, das habe ich nicht für möglich gehalten.“

Sie sind von Leverkusen nach Bremen gezogen. Hat das neue Umfeld Sie beflügelt?

„Das trägt auf jeden Fall dazu bei. Ich fühle mich sehr, sehr wohl in Bremen. Mit Caro zusammen lebe ich in einer wunderschönen Wohnung. Ich hab' noch nicht so viel von der Stadt gesehen, leider, weil wir sehr, sehr viel trainiert haben.“

In einer Sportlerbeziehung sind selten beide gleichzeitig erfolgreich. Ihre Freundin ist bei der Hallen-EM denkbar unglücklich im Halbfinale ausgeschieden. Sie hingegen sind der Held der deutschen Mannschaft. Ist es schwierig, damit umzugehen.“

„Hm... Es ist... naja, je nachdem... Im ersten Moment ist es schon komisch. Ich hab' es letztes Jahr genauso erlebt, als Caro auf einmal die 100 Meter Hürden in 12,84 gelaufen ist in Kassel und ganz oben stand. Da hab' ich auch gesagt: Wahnsinn, wie hast du denn das gemacht? Ich konnte es auch nicht glauben. Da braucht man eben auch als Partner dann ein paar Tage, um das aufzuarbeiten.“

Wird die Zahl 8,71 jetzt den Rest ihres Sportlerleben prägen?

„Sie wird auf jeden Fall immer in den Bestenlisten stehen. Ich persönlich setze meine Ziele weiter da an, wo ich sie vor der Saison hatte. Und ich möchte mich nicht an den 8,71 messen. Von daher habe ich die 8,71 schon mehr oder weniger ... ja, nicht verdrängt, aber damit abgeschlossen. Und mein Ziel für draußen wieder ein paar Zentimeter weiter nach unten gesteckt.“

Sie sind eines der Werbegesichter für die Weltmeisterschaften im August in Berlin. Wie wollen Sie mit dem öffentlichen Interesse in den nächsten Monaten umgehen?

„Na ja, ich versuch' ich selbst zu bleiben und ganz ruhig und gelassen da ran zu gehen. Ich denke, dass ich das ganz gut hinkriegen sollte.“

Haben Sie überhaupt schon einen Manager?

„Ja, hab' ich. Das ist seit ein paar Wochen Esther Kölmel.“

Einen Werbevertrag?

„Nee, hab' ich nicht.“

Haben Sie überhaupt schon Geld verdient mit der Leichtathletik?

„Also abgesehen von dem, was es vom Verband oder Verein gibt, nicht sehr viel. Ich hoffe, das wird sich jetzt ändern.“

Interview: Ulrike John, dpa

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