Böhm Überraschungszweiter bei Olympiatest

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Deutsche Presse-Agentur

Daniel Böhm fühlte sich auf dem „Podium der Außenseiter“ sichtlich wohl. Nach seinem überraschenden zweiten Platz beim Biathlon-Olympiatest im kanadischen Whistler genoss der 22 Jahre alte Harzer vom SC Buntenbock den Coup mit dem ersten Weltcup-Podestplatz seiner Laufbahn.

Wie er standen nach dem Einzelrennen über 20 Kilometer auch der ein Jahr ältere Tagessieger Vincent Jay aus Frankreich und der bereits 32 Jahre alte Amerikaner Jeremy Teela erstmals auf dem „Stockerl“. „Davon habe ich nicht einmal geträumt“, sagte Böhm nach dem erst zweiten Weltcup-Rennen seiner Laufbahn.

Bundestrainer Frank Ullrich lobte ihn dafür in höchsten Tönen. „Genial, wie er sich verkauft hat. Daniel hat sich beim Schießen nicht nervös machen lassen und eine ganz tolle letzte Runde hingelegt“, schätzte Ullrich ein. Der dreimalige Olympiasieger Michael Greis (Nesselwang) gewann als Vierter die kleine Weltcup-Kugel für die Disziplin-Wertung. Für Greis war das mehr als ein Trostpflaster nach der unbefriedigend verlaufenen WM im südkoreanischen Pyeongchang. „Wer das Podest gewettet hätte, wäre ein reicher Mann geworden“ sagte der 32 Jahre alte Allgäuer und fügte an: „Das ist aber gut für uns Etablierte. Es zeigt, dass wir uns noch mehr anstrengen müssen.“

In Daniel Böhm ist in diesem Winter schon der dritte „Jungspund“ aus der Oberhofer Trainingsgruppe von Mark Kirchner in die Weltspitze gelaufen. Zuerst schaffte Christoph Stephan (Rudolstadt), der leicht erkältet nicht antreten konnte, in seiner zweiten Weltcup-Saison mit WM-Silber in Korea und dem Weltcupsieg in Antholz den Durchbruch. Sein bester Kumpel Arnd Peiffer (17.), unmittelbar vor Rekord-Weltmeister Ole Einar Björndalen, imponierte als nervenstarker Staffelläufer und brachte von seiner ersten WM zwei Bronzemedaillen mit. Nun scheint auch Böhm, der vor zwei Jahren gemeinsam mit Stephan Staffel-Juniorenweltmeister war und in der vorigen Woche EM-Gold im Verfolgungsrennen gewonnen hat, in der internationalen Elite angekommen zu sein.

„Ich wusste aus dem Training, was die ehrgeizigen jungen Burschen drauf haben. Hochachtung, wie es die junge Garde im Wettkampf umgesetzt hat“, bewertete Frank Ullrich die Auftritte. „An meiner Entwicklung hat wie auch bei Arnd und Christoph unser Heimtrainer Mark Kirchner einen ganz großen Anteil. Der Wechsel vor zwei Jahren nach Oberhof in die prima Trainingsgruppe hat mir gut getan“, meinte Böhm. Auch Ullrich lobte Kirchner, den er einst als Heim- und Bundestrainer zu drei Olympiasiegen 1992 und 1994 führte. „Da wird systematisch und zielstrebig gearbeitet“, schätzte Ullrich ein, der nach der Olympia-Saison 2009/10 zurücktreten und eine leistungsstarke Mannschaft übergeben will.

Noch ist über seine Nachfolge nicht entschieden, doch mit ihren Erfolgen haben die „Newcomer“ ihren Trainer Mark Kirchner als Erfolgsgaranten in eine hervorragende Ausgangsposition gebracht. Er kann nun die Gespräche in Ruhe abwarten. „Ich würde es machen. Doch egal wie meine Funktion nach dem Olympia-Winter heißt: Ich will mit den Jungs weiter arbeiten und mit ihnen Erfolg haben“, sagte dazu der jetzige Co-Trainer von Frank Ullrich.

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