Auszeit für Neuner bei Biathlon-WM

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Schwäbische Zeitung

Pyeongchang (dpa) - Der Biathlon-Bundestrainer verpasste seinem Star eine WM-Auszeit, sauer war Magdalena Neuner auf Uwe Müssiggang trotzdem nicht.

„Wir haben halt den Vorteil, dass die deutsche Mannschaft so stark ist. Jede von uns könnte theoretisch an den Start gehen. Ich kann es schon verkraften, dass ich bei dem einen Rennen nicht mit dabei bin“, sagte die Spitzenreiterin im Disziplin-Weltcup über 15 Kilometer. Müssiggang hatte sie aus Fürsorge für das dritte WM-Rennen im südkoreanischen Pyeongchang von der Starterliste für den Lauf gestrichen: „Die Summation der Wettkämpfe bei dieser Weltmeisterschaft ist eine große Belastung.“

Guter Dinge am Tag nach ihrer Disqualifikation war auch wieder Andrea Henkel, die sich nach dem Malheur mit dem Gewehr in Pyeongchang auf das nächste Damen-Rennen vorbereitet. „Weiterhin auch mit Trockentraining“, verriet sie. „Ich bin wirklich überglücklich, dass dort nicht noch jemand stand“, meinte Henkel, die den Unfall abgehakt hat und nun wieder angreifen will. Aus ihrem Gewehr hatte sich beim Üben im Trockentrainingszimmer ein Schuss gelöst, die Wand und ein kleines Regal durchschlagen. Die Strafe sei zwar hart, aber „wesentlich besser zu verkraften, als die Strafe, mit dem leben zu müssen, wenn wirklich etwas passiert wäre“, schrieb die sechsmalige Weltmeisterin in ihrem Online-Tagebuch.

Andrea Henkel, die dreimalige Titelträgerin von Östersund 2008, war genau wie Sprint-Weltmeisterin Kati Wilhelm sowie Martina Beck von Müssiggang schon vor dem WM-Auftakt in Südkorea als Starterin für das Rennen über 15 Kilometer nominiert worden. Als vierte Biathletin benannte der Bundestrainer am Montag noch Neuners Zimmerkollegin Kathrin Hitzer. „Ihr gönne ich es. Die Kathrin ist schon genauso lange da wie ich und hatte noch gar keinen Einsatz. Die sitzt da und dreht Däumchen“, sagte Neuner.

Herren-Bundestrainer Frank Ullrich meldete für das Einzel-Rennen über 20 Kilometer den dreimaligen Olympiasieger Michael Greis (Nesselwang), Alexander Wolf (Oberhof) und Michael Rösch (Altenberg), die bereits vornominiert waren, sowie Christoph Stephan (Oberhof).

Magdalena Neuner wird allerdings ihr Rotes Trikot der Einzel- Weltcup-Spitzenreiterin verlieren. „Übermäßig traurig bin ich nicht, auch wenn ich gern gelaufen wäre“, meinte sie. Mit 86 Punkten führt die 22-Jährige die Wertung nach zwei von vier Rennen vor der Russin Swetlana Slepzow (76) an. Martina Beck (7./64) Kati Wilhelm (9./54) und Andrea Henkel (19./40) liegen in der Weltcup-Wertung klar zurück.

„Natürlich hätte ich das Rote Trikot gerne verteidigt. Ich würde am liebsten alles laufen, aber wenn ich etwas weglassen würde, dann am ehesten das Einzelrennen“, sagte Neuner. „Aber es gibt auch noch eine Mixed-und eine Frauen-Staffel, die natürlich auch interessant sind für mich“, bemerkte sie, lächelte und stellte fest: „Da sind die Medaillenchancen nicht ganz gering.“ Auch vor einem Jahr in Östersund hatte Müssiggang seinem Star eine Pause verordnet - am Ende war Neuner dreimal Weltmeisterin. Im Mixed, im Massenstart und mit der Damen-Staffel.

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