Au Backe, Bayern: Liga-Noname Adamyan spuckt Münchnern in die Wiesn-Maß

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Bayern München - 1899 Hoffenheim
Die Münchner erlebten dagegen vier Tage nach dem rauschhaften 7:2 in der Champions League bei Tottenham Hotspur einen schwarzen Nachmittag. (Foto: Matthias Balk / dpa)
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Schwäbische Zeitung

Gerade einmal 59 Spielminuten hatte Sargis Adamyan vor dem Anpfiff der Partie der TSG Hoffenheim bei Bayern München in der Bundesliga auf dem Platz gesammelt.

90 Minuten später ist der 26-jährige Armenier, als Profi eher ein Spätzünder, Doppeltorschütze und Rekordmeisterbesieger. Beim 2:1 (0:0) der TSG Hoffenheim in München avancierte der Linksaußen, im Sommer vom Zweitligisten Jahn Regensburg zur TSG gewechselt, zum Matchwinner.

Die Münchner erlebten dagegen vier Tage nach dem rauschhaften 7:2 in der Champions League bei Tottenham Hotspur einen schwarzen Nachmittag und kassierten etwas unglücklich, aber nicht unverdient die erste Niederlage in der Bundesliga seit saisonübergreifend 20 Spielen. Dem Champions-League-Rausch folgte der Bundesligakater.

Drei Dinge, die beim 1:2 in der Allianz Arena auffielen:

1. Larifari-Fußball und Halbgas reichen in der Bundesliga nicht

Jeder Ball ist Krieg.

Philippe Coutinho

„Ich finde, dass die Bundesliga der Premier League hinsichtlich der Intensität der Spiele durchaus ähnlich ist. Die Spiele sind immer sehr ausgeglichen. Jedes Team kämpft bis zum Schluss. Jeder Ball ist Krieg“, stellte jüngst Bayerns Spielmacher Philippe Coutinho nach seinen ersten Partien für den FC Bayern fest.

Auch sein Trainer Niko Kovac gehört nicht nur rhetorisch eher der Blut-Schweiß-und-Tränen-Fraktion an. Doch gegen Hoffenheim, als Tabellenzwölfter nach München und mit einem bereits unter Druck stehenden Cheftrainer Alfred Schreuder an die Isar gereist, versuchten es die Münchner zunächst mit Halbgas.

Gute 25 Minuten brauchten die Bayern, bis sie endgültig im Spiel waren – und Druck auf das Hoffenheimer Tor ausüben konnten. Zuvor waren sie zwar spielbestimmend, aber eben auch konteranfällig gewesen.

In der Anfangsphasen hätten die Kraichgauer mit ein wenig mehr Schussglück und konsequenter zu Ende gespielten Angriffen durchaus in Führung gehen können.

Doch nach Serge Gnabrys – zu Recht – aberkannten Treffers in der 25. Minute (Kimmich war nach Robert Lewandowskis Freistoß zuvor einen Hauch zu früh aus der Deckung gelaufen), drückten die Münchner ein paar Minuten auf die Führung. Gnabry und Thiago scheiterten aber mit einer Doppelchance an TSG-Keeper Oliver Baumann (26.), danach plätscherte die Partie wieder dahin.

In der zweiten Halbzeit spielten zu Beginn aber nur noch die Hoffenheimer. Das 0:1 durch Sargis Adamayan in der 54. Minute kam zwar etwas überraschend, war aber ziemlich verdient – und war einem geplanten Angriff der Hoffenheimer entsprungen.

Tolisso hatte den Ball im Mittelfeld an Ex-Bayer Sebastian Rudy verloren, über Dennis Geiger war der Ball beim losgespurteten Adamayan gelandet, der zuerst Jérôme Boateng verlud und dann trocken aus zehn Metern abschloss.

Für Adamayan, vor der Saison vom Zweitligisten Regensburg gekommen, war es in seinem dritten Bundesligaspiel bei seinem Startelfdebüt sein erster Bundesligatreffer.

Nach dem 1:1 durch den unvermeidlichen Robert Lewandowski waren die Münchner zwar am Drücker, doch das vor dem 1:2 stand Adamyan im Zentrum völlig frei – und düpierte dann auch noch Niklas Süle und Jerome Boateng. So stand am Ende eine nicht unverdiente Niederlage gegen aggressiver und mit höherer Intensität spielenden Hoffenheimer.

2. Wenn Not am Mann ist – hilft Müller (Lewandowski sowieso) - doch das reicht nicht immer

Zum fünften Mal hintereinander (dreimal Bundesliga, zweimal Champions League) stand Thomas Müller nicht in der Startelf. „Sie haben das Spiel in London gesehen und vor allem auch die zweite Hälfte“, begründete Trainer Niko Kovac seine Entscheidung, nicht zu rotieren.

In Richtung Müller sagte er: „Er ist nicht irgendjemand, er ist ein wichtiger Spieler, die anderen aber auch. Wenn Not am Mann sein sollte, wird er seine Minuten bekommen.“

Das dürfte noch für Diskussionen sorgen, zuma Kovac eine Formation mit Coutinho und Müller auf den offensiveren Halbpositionen im Mittelfeld und nur einem Sechser bisher kategorisch abgelehnt hat. Coutinho spielte gegen Hoffenheim zudem recht unauffällig.

Als Müller am Samstag schließlich ins Spiel kam, war wirklich Not am Mann. Wenige Minuten zuvor war Hoffenheim in Führung gegangen, den Münchnern drohte die erste Saisonniederlage. Ob es Müller oder die da noch drohende und npch nicht vollzogene Niederlage war – die Einwechslungen sorgten für Belebung.

Mit Müller war auch Ivan Perisic eingewechselt worden. Die beiden ersetzten Tolisso, dessen Fehler das 0:1 eingeleitet hatte und den sehr blass gebliebenen und glücklos agierenden Kingsley Coman. Während Perisic mehr in der eigenen Hälfte aushelfen musste, als ihm und Trainer Kovac lieb sein kann, forderte Müller immer wieder vehement den Ball.

Der Fährtensucher, schon lange kein Immerspieler mehr, war sichtlich bemüht, versuchte sich als unermüdlicher Pass- und Vorlagengeber. Mit Erfolg: Robert Lewandowskis Kopfball zum 1:1 (74.) war eine Halbfeldflanke Thomas Müllers vorangegangen.

Es war Müllers vierte Vorlage der Bundesligasaison und Lewandowskis elfter Ligatreffer. Ingesamt steht der Torjäger nun bei 15 Toren in elf Pflichtspielen – herausragend. Doch an diesem Samstag genügte dies nicht. Bayern verlor – auch, weil Müller selbst noch ein paar Bälle liegenließ.

3. Die magische Serie ist gerissen

Niko Kovac auf einer Stufe mit Pep Guardiola: Was wäre das für eine nette Geschichte gewesen. Wäre. Denn das 1:2 war die erste Niederlage der Bayern nach zuvor 20 ungeschlagenen Bundesligaspielen in Serie.

Ohne die Niederlage hätten die Bayern die sechstlängste ungeschlagene Serie der Geschichte aufgestellt. So lange ohne Niederlage geblieben waren die Münchner in der Liga zuvor zuletzt zwischen April und Dezember 2014, unter Trainer Pep Guardiola.

Der Katalane hält auch die längste niederlagenlose Serie der Bayern in der Liga. Zwischen dem 9.8.2013 und dem 29.3.2014 blieben die Bayern einst 28 Spiele ungeschlagen. Für Kovac und die Seinen startet die Serie nun wieder bei Null.

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