ARD/ZDF planen um: „Doping-Schatten über der Biathlon-WM“

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Kein Ausstiegs-Szenario
ZDF-Sportchef: Thomas Fuhrmann. Foto (2018): Daniel Karmann (Foto: Daniel Karmann / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Michael Rossmann und Thomas Wolfer

Die Skijagd ist für ARD und ZDF eine Quotenjagd. Biathlon ist im Fernsehen die klare Nummer eins der Wintersportarten.

Doch vor der am Donnerstag beginnenden WM in Schweden müssen sich die TV-Sender nicht nur um Schießen und Skifahren kümmern, sie müssen umplanen. Die ARD selber schrieb auf ihrer Website angesichts der Vorfälle rund um die vorherige Nordische Ski-WM in Seefeld: „Doping-Schatten über der Biathlon-WM“.

Auch die Macher der beiden TV-Sender warten gespannt, ob die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in München auch Fälle im Biathlon aufdeckt. Ein Ausstiegs-Szenario bei möglichen Dopingfällen haben das Erste und das Zweite allerdings nicht vorbereitet.

„Es gibt keine Vorratsentscheidung“, sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich schauen wir genau hin und entscheiden, wenn etwas sein sollte.“ ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärte: „Es gibt keine Zahl von Fällen, bei der wir jetzt sagen würden: Dann steigen wir aus.“

2007 waren die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender in einer spektakulären Aktion nach der positiven Dopingprobe von Patrik Sinkewitz mitten in der Tour der France aus der TV-Berichterstattung ausgestiegen. Der Privatsender Sat.1 übernahm das Radrennen damals. Die Verträge mit dem Veranstalter ASO zwangen die Sender später dazu, die Tour bis zum Ende der Laufzeit zu zeigen. Eine solche Bindung gebe es für die Biathlon-WM nicht, erklärte der ZDF-Sportchef: „Eine grundsätzliche Sendeverpflichtung besteht nicht.“

Auch in Östersund könnte es Aktionen gegen Dopingsünder geben - die schwedischen Gesetze lassen das zu. „Wir würden uns das gesamte Bild anschauen“, sagte der ARD-Sportkoordinator. „Wir bleiben ja Berichterstatter, auch wenn es Dopingfälle gibt.“

Anhand der Zahl von gefundenen Blutbeuteln in Erfurt werden weitere Fälle erwartet, und die könnten auch Biathleten betreffen. Und dass auch bei den Skijägern gedopt wird, ist belegt. Im Zuge der Enthüllungen des McLaren-Berichts wurden etwa Strafen gegen den russischen Verband RBU verhängt. Unter den Athleten sorgte die Rückkehr von Alexander Loginow und Irina Starych für viel Unmut, die nach mehrjährigen Sperren wegen EPO-Missbrauchs wieder zur Weltspitze gehören.

„Man schaut nach so einem Fall nochmal mit anderen Augen und mehr Aufmerksamkeit darauf, auch auf Biathlon“, sagte der ZDF-Sportchef zu der Polizei-Aktion in Seefeld und Erfurt: „Ich gehe davon aus, dass - wenn fünf Langläufer und zwei Radfahrer bisher enttarnt sind - und der Staatsanwalt von circa 40 weiteren, nicht identifizierten Blutbeuteln spricht, noch weitere Sportler betroffen sind.“ Er kündigte an: „Wir schauen noch genauer auf diese WM.“ Das ZDF hat daher auch umgeplant und personell aufgestockt: „Wir arbeiten da mit den Kollegen von Frontal 21 zusammen.“

Die ARD sieht sich bereits gut aufgestellt. Der Sender stand früher wegen der Nähe zum damaligen Radsport-Helden Jan Ullrich und zum Team Telekom in der Kritik und ist nun stolz auf seine Doping-Berichterstattung. „Wir sind nicht naiv und wissen, dass auch betrogen wird - deshalb unterhalten wir ja auch eine Doping-Reaktion“, sagte ARD-Sportkoordinator Balkausky. „Wir waren Taktgeber, die dazu geführt haben, dass die Staatsanwaltschaften ermittelt und schließlich zugeschlagen haben. Das war eine herausragende journalistische Leistung.“ Die Aussagen des Langläufers Johannes Dürr in der ARD hatten die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

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