ARD erhöht Druck auf IOC - Bach: Erpressung

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung

Berlin (dpa) - Der Kampf um die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2014 und 2016 wird zunehmend öffentlich geführt und droht zu eskalieren.

Die ARD hat den Druck auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) erhöht, indem sie mit weniger Übertragungen von Randsportarten droht - und von IOC-Vizepräsident Thomas Bach sogleich eine Konter erhalten. „Das IOC ist für derartige Erpressungsversuche nicht empfänglich“, sagte der Spitzenfunktionär in Berlin der Deutschen Presse-Agentur dpa.

„Ich sehe das ziemlich gelassen und halte nichts davon, Verhandlungen über Medien zu führen“, sagte Bach. „Die Runde mit der EBU ist abgeschlossen, aber das heißt nicht, dass nicht mit öffentlich-rechtlichen Anstalten abgeschlossen wird.“ Das IOC hatte ein Angebot des Verbundes European Broadcasting Union (EBU), zu dem auch ARD und ZDF gehören, abgelehnt und will die TV-Rechte für Europa nicht mehr im Paket vergeben. So sollen die Einnahmen erhöht werden.

Bach reagierte auf Äußerungen von ARD-Programmdirektor Volker Herres. „Sollten wir die Fernsehrechte an den Spielen 2014 und 2016 verlieren, würden wir unser Engagement zwischen den Spielen für jede Einzelsportart überprüfen“, hatte Herres dem „Handelsblatt“ gesagt. „Das IOC übersieht, dass wir als ARD zusammen mit dem ZDF kontinuierlich - auch zwischen den Sommer- und Winterspielen - über olympische Sportarten berichten.“ Eine Verringerung der TV-Übertragungen würde die meisten kleineren Sportarten vor erhebliche finanzielle Probleme stellen.

Bach nahm die Drohung gelassen. „ARD und ZDF werden auch in Zukunft aus Quotengründen und wegen ihrer Informationspflicht breit über den Sport berichten, weil er der wichtigste Quotenbringer für sie ist“, sagte der oberste Sportfunktionär.

Herres verwies indes auf die jahrelange Erfahrung der öffentlich- rechtlichen Sender bei der Olympia-Berichterstattung. „Kein Privatsender wird über die Olympischen Spiele so berichten wie die ARD. Im Gegensatz zu uns würden sich die Privaten nur auf die Höhepunkte konzentrieren. Das weiß hoffentlich das IOC“, sagte der ARD-Programmdirektor. „Wir haben mit den Olympischen Sommerspielen in Peking einmal mehr gezeigt, dass wir attraktiv und publikumswirksam Sport präsentieren können.“

„Die Rechte an den Olympischen Spielen 2014 und 2016 nicht wie in den Jahrzehnten zuvor an die EBU zu geben, halte ich für einen strategischen Fehler“, sagte Herres. „Auf Seiten des Internationalen Olympischen Komitees gibt es Vorstellungen über den wirtschaftlichen Wert der Fernsehrechte, die völlig überzogen sind.“ Übertriebene Preisforderungen werde die ARD nicht mitmachen.

Das IOC verspricht sich durch eine Einzelvermarktung in den Mitgliedsländern der EBU deutlich höhere Einnahmen als bisher. Die EBU-Offerte für die Rechte an den Winterspielen 2014 im russischen Sotschi und dem noch nicht vergebenen Sommerspielen soll nur geringfügig über der Summe gelegen haben, die für Vancouver 2010 und London 2012 gezahlt werden: 672 Millionen Euro. Nun strebt das IOC für den europäischen Markt Einnahmen zwischen 850 und 900 Millionen Euro an.

Abgesehen von dem Problem der Refinanzierung einer dreistelligen Millionensumme für den deutschen Markt dürften für alle Privatsender die Sendeverpflichtungen ein Problem darstellen. 200 Stunden im frei empfangbaren Fernsehen möchte das IOC gewährt haben. Eine Kooperation mit dem Pay-TV-Anbieter Premiere oder einem anderen Privatsender lehnt die ARD aber ab. „Eine Teilung der Rechte an den Olympischen Spielen beispielsweise mit dem Bezahlfernsehen, wonach die einen die Rosinen bekommen und die anderen Graubrot - so weit reicht meine Selbstlosigkeit nicht“, erklärte Herres.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen