Anni Friesinger holt 18. DM-Titel

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Deutsche Presse-Agentur

Erst raste sie mit ihrem Sportwagen in eine Radarfalle, dann auf Kufen zum 18. Titel: Eisschnelllauf- Weltmeisterin Anni Friesinger hat den nur mäßig besetzten deutschen Sprint-Meisterschaften mit einem Vier-Strecken-Sieg und einem Bahnrekord klar den Stempel aufgedrückt.

Nur eine Woche nach ihrer rasanten Fahrt auf einer friesischen Autobahn, bei der sie mit 172 Stundenkilometern geblitzt worden war und für drei Tage ihren Führerschein abgeben musste, flitzte die 32 Jahre alte Inzellerin auf dem Berliner Eis respektable 46,08 Stundenkilometer und stellte in 38,90 Sekunden über 500 Meter eine persönliche Saisonbestleistung auf.

Am Sonntag war sie in 39,01 trotz eines Strauchlers nur wenig langsamer, über 1000 Meter lief sie in 1:16,70 wiederum eine Weltklasse-Zeit. „Mit diesen Zeiten kann man Weltcups gewinnen. Vier Siege auf vier Strecken - Wahnsinn, alles ist voll aufgegangen“, sagte sie und zog damit eine positive Bilanz. Mit 154,530 Punkten stellte Friesinger im Vierkampf einen Bahnrekord auf, obwohl im Hinterkopf noch immer die Angst mitschwingt, dass das im Vorsommer operierte Knie den Belastungen nicht standhalten könnte. „Ich trainiere schon gar keine Starts mehr, um das Risiko zu minimieren“, meinte Friesinger, die erneut ihre goldenen Ambitionen für die WM im März auf der Olympia-Bahn in Richmond unterstrich.

Hingegen zittert Europameisterin Claudia Pechstein, dass sie nach ihrem Virus-Infekt nicht rechtzeitig in WM-Form kommt. Einen Tag vor ihrem 37. Geburtstag musste sie ein geplantes Training absagen. „Ich fühle mich einfach nicht gut“, gestand die Berlinerin. „Sie hat viel Muskelmasse verloren. Es sieht momentan nicht so gut aus“, beklagte ihr langjähriger Trainer Joachim Franke.

500-Meter-Weltrekordlerin Jenny Wolf hatte auf den Vierkampf verzichtet und begnügte sich mit zwei Tests auf ihrer Spezialdistanz, die mit 38,28 und 38,40 Sekunden nicht ganz im Bereich ihrer Erwartungen lagen. „Ich bekomme keine Anerkennung, wenn ich hier auch über 1000 Meter starte. Ich muss bei der WM zeigen, dass ich die Beste bin“, begründete die Berlinerin ihren Verzicht.

Da Monique Angermüller (Berlin) wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel und Judith Hesse (Erfurt) wegen einer Erkältung den Titelkampf abbrachen, ging der zweite Rang mit Riesenabstand an die Inzellerin Heike Hartmann. Die Siegerin ließ sich durch die Absagen aber nicht frustrieren. „Dass das Feld ausgedünnt ist, ist mir egal“, sagte Friesinger, forderte aber zugleich: „Für das kommende Olympia- Jahr sollte man eine Startpflicht einführen.“

Bei den Herren gelang Samuel Schwarz der Titel-Hattrick. In Saisonbestzeit von 36,05 Sekunden über 500 Meter unterstrich der Berliner seinen Aufwärtstrend. Über 1000 Meter sprintete er in 1:10,52 so schnell wie noch nie ein deutscher Athlet bei Meisterschaften und schaffte gleichfalls den Vier-Strecken-Erfolg. Auch seine 143,255 Punkte hatte noch nie zuvor ein Meister erreicht.

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