Alle Trainer noch im Amt - und doch immer im Gespräch

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Achim Beierlorzer
Steht mit Köln im rheinischen Derby unter Druck: FC-Coach Achim Beierlorzer. (Foto: Marius Becker/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Holger Schmidt

Dass Statistik trügen kann, weiß kaum jemand so gut wie Fußball-Trainer. Dass sie selbst so sicher im Sattel sitzen wie seit 20 Jahren nicht, dürfte solch eine trügerische Statistik sein.

Zum ersten Mal seit der Saison 1999/2000 sind alle in die Spielzeit in der Bundesliga gestarteten Trainer am 10. Spieltag noch im Amt, dabei herrscht wöchentlich an mindestens einem Standort helle Aufregung. Für Kölns Achim Beierlorzer wird es schon eng, für seine Kollegen Niko Kovac und Lucien Favre bei den Top-Clubs in München und Dortmund sind Gerüchte und Diskussionen in dieser Saison zum ständigen Wegbegleiter geworden.

Auch deshalb sieht Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), auch kein Umdenken bei den Vereinen. „Ich bin der Auffassung, dass dies eine Momentaufnahme ist und keine grundsätzliche Tendenz darstellt“, sagte Hangartner der Deutschen Presse-Agentur. Der frühere Bundesliga-Coach des SC Freiburg befürchtet vielmehr, „dass in der Rückrunde bei vielen Clubs, die sich in den hinteren Tabellenregionen wiederfinden, wieder die branchenübliche Hektik und Angst ausbricht. Und man so „vermutlich wieder die durchschnittliche Zahl an Trainerentlassungen pro Saison erreichen werde.“

Für Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke hat die Nervosität in der Branche sogar zugenommen. „Lucien Favre hat letzte Saison in Dortmund über lange Strecken alles richtig gemacht und wird plötzlich angezählt. Das ist mir alles zu schwarz-weiß, das hat keine Substanz““, sagte er der „Bild“ und sieht eine Mitschuld bei den Vereinen. „Ich muss auch dazu sagen, teilweise liefern wir völlig unnötig auch das Futter dazu“, sagte er: „Viele Diskussionen haben ihren Ursprung in unbedachten Äußerungen von Club-Verantwortlichen.“

Dass es in diesem Jahr noch keine Trennung gab, lag sicher an den vielen Neustarts im Sommer. Es liegt aber auch an der engen Tabellenspitze, in der viele Vereine sich im Soll wähnen können. Und daran, dass im Tabellenkeller kein abgestürzter Europacup-Anwärter festhängt, sondern nur die Vereine, die das zu Saisonbeginn befürchten mussten.

Für eine längere Geduld mit Trainern, zumindest in der ersten Saisonphase, spricht aber, dass auch im vergangenen Jahr während der gesamten Hinrunde nur ein einziger Erstliga-Coach beurlaubt wurde: Tayfun Korkut am 7. Oktober in Stuttgart. Es folgten allerdings sechs weitere Trennungen im Saisonverlauf und neun Wechsel nach der Saison. Den Rekord für die früheste Entlassung hält immer noch Morten Olsen, der 1995 nach zwei Spielen in Köln gehen musste.

Der FC ist aktuell auch heißester Kandidat auf die erste Beurlaubung. Nicht wenige vermuten, dass der erst im Sommer gekommene Beierlorzer im Falle einer Derby-Niederlage am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf als erster Coach fliegen wird. Sportchef Armin Veh versprach am Freitag: „Wir haben keine schöne Situation, aber ich verfalle nicht in Panik.“ Doch Veh kündigte tags zuvor selbst seinen Abschied zum Saisonende an. Wie viel Entscheidungsgewalt er noch hat, ist fraglich.

Allen derzeit angezählten Trainern könnten derweil zwei Beispiele als Hoffnungsschimmer dienen. Vor der Saison war bei den Buchmachern der Schalker David Wagner Favorit auf die erste Trainer-Entlassung. Dies ist nach dessen starkem Start derzeit unvorstellbar. Und Hoffenheims Alfred Schreuder sorgte nach medialen Gerüchten mit vier Pflichtspielsiegen in Serie für Ruhe.

Homepage des BDFL

Trainer-Entlassungen in der vergangenen Saison bei transfermarkt.de

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