Achterbahn: VfB sichert nach 2:0 einen Punkt

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Deutsche Presse-Agentur

Eine 90-minütige Achterbahnfahrt hat den internationalen Ambitionen des VfB Stuttgart einen Dämpfer versetzt. 2:0 geführt, 2:3 zurückgelegen und zum Schluss einen Punkt gerettet - das turbulente 3:3 (2:2) bei Hannover 96 löste zwiespältige Reaktionen aus.

„Ich weiß nicht, ob ich traurig oder glücklich sein soll. Wir müssen aber aus Fehlern lernen. Egal wie hoch der Vorsprung ist, wir dürfen nicht nachlassen“, kommentierte VfB-Teamchef Markus Babbel die missglückte Generalprobe für das UEFA- Cup-Match gegen Zenit St. Petersburg. „Vier Punkte aus zwei Auswärtsspielen sind nicht so schlecht“, fügte er hinzu.

Doch eine Woche nach der 4:2-Gala in Leverkusen vergaben die Schwaben leichtfertig die Chance, näher an die Bundesliga-Spitze zu rücken. „Wir haben zu viele Fehler gemacht, die nicht passieren dürfen, wenn man 2:0 führt“, gab Kapitän Thomas Hitzlsperger zu. „Das war sehr ärgerlich“, ergänzte Torjäger Mario Gomez. Auch Verteidiger Christian Träsch verhehlte seine Enttäuschung nicht. „Das war ein bitterer Nachmittag. Nach dem zweiten Tor haben wir zu wenig gemacht.“ Am Ende bewahrte nur ein strammer Schuss von Hitzlsperger (87.) in seinem 100. Bundesligaspiel den VfB vor der ersten Punktspiel-Niederlage seit Babbels Amtsantritt.

In der unterhaltsamen Partie kamen 31 127 Zuschauer voll auf ihre Kosten. Stuttgart nutzte durch Gomez' elftes Saisontor (7.) und Martin Lanig (22.) eklatante 96-Abwehrschnitzer zur vermeintlich sicheren Führung. Die heimstarken Niedersachsen schlugen mit Kampfgeist zurück und wähnten sich nach dem Doppelschlag durch Jiri Stajner (43.) und Jacek Krzynowek (45.) sowie einem Treffer von Mikael Forssell (85.) bereits auf der Siegerstraße. „Hannover hat viel investiert. Das Ergebnis ist gerecht“, sagte VfB-Manager Horst Held.

Teammanager Babbel vermisste bei einigen Akteuren geistige Frische und Spannkraft. Gegen St. Petersburg und gegen 1899 Hoffenheim dürfte es personelle Änderungen geben. „Wahrscheinlich kehren der verletzte Sami Khedira und auch Ricardo Osorio zurück. Wir werden in jedem Fall eine schlagkräftige Truppe aufbieten“, versprach Babbel.

Hannovers Trainer Dieter Hecking sitzt nach dem Remis, das den Abstand zur Abstiegszone aber nicht entscheidend vergrößerte, etwas fester im Sattel. „Mit einem Auge lache ich, mit dem anderen Auge weine ich. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt. Wie sie zurückgekommen ist, war einfach klasse. Ich hätte ihr gewünscht, dass sie sich die volle Belohnung abholt“, urteilte der Coach. Clubchef Martin Kind hatte ihm vor der Partie eine Jobgarantie gegeben und fühlte sich bestätigt. „Hecking leistet hervorragende Arbeit. Er passt zu uns.“

Bei den meisten 96-Profis überwog das positive Denken. „Wir sind nach einem 0:2-Rückstand wieder zurückgekommen. Hieraus sollten wir Mut und Kraft schöpfen“, sagte Torwart Robert Enke. „Wir haben eine tolle Moral gezeigt. Das ist das Wichtigste. Und wir haben bewiesen, dass wir als Team funktionieren“, pflichtete ihm Routinier Michael Tarnat bei. Nur der unermüdliche Antreiber Christian Schulz konnte sich mit dem Ausgang der Achterbahnfahrt nicht anfreunden: „Nach einer halben Stunde möchtest du dich einbuddeln, nach 85 Minuten war schon wieder Weihnachten angesagt. Am Ende kriegst du dann wieder so einen Schlag ins Gesicht.“

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