Abraham bleibt Weltmeister: Punktsieg gegen Simon

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Deutsche Presse-Agentur

Auch dem K.o.-König fällt gelegentlich ein Zacken aus der Krone. Nicht immer, wenn Profi-Boxer Arthur Abraham in den Ring steigt, gehen seine Gegner zu Boden. So geschehen am 14. März vor 6500 Zuschauern in Kiel.

Der Weltmeister im Mittelgewicht nach Version der IBF konnte den Amerikaner Lajuan Simon nicht von den Beinen holen und musste sich über zwölf Runden schinden. Sein Punktsieg (117:110, 118:109, 117:110) fiel aber ebenso eindeutig wie verdient aus. Dennoch machte der 29 Jahre alte Champion aus Berlin seiner Enttäuschung Luft: „Ich bin nicht zufrieden. Ich hätte gern einen K.o. gehabt. Es ist mein Stil, vorzeitig zu gewinnen.“

Es lag nicht nur an den erstaunlichen Nehmerqualitäten des 30 Jahren alten Simon, der in 24 Profi-Kämpfen zuvor noch nie verloren hatte. Abraham fehlte es in seinen Schlägen an Präzision und Explosivität. Die Vermutung liegt nahe, dass die seit Jahren praktizierte gewaltige Gewichtsreduktion an der Substanz des Welmeisters nagt. Wer binnen 14 Tagen acht Kilogramm verlieren muss, um das Gewichtslimit von 72,574 Kilo zu schaffen, kann selbst als Leistungssportler nicht im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Der Tortur unterzieht sich der Champion mindestens dreimal jährlich.

„Das Gewichtmachen spielt keine Rolle“, behauptete der Champion. „Das mache ich seit acht Jahren so.“ Dennoch zehrt die stets wiederkehrende Radikalkur binnen kürzester Zeit den Körper aus. „Ich denke mehr an das Gewicht als an den Kampf“, hatte er vor dem Duell zugegeben. Da Abraham mehr ein gefürchteter Schläger, denn ein filigraner Boxer ist, braucht er enorme Kraftreserven für seine überfallartigen Attacken. Simon wollte er in der fünften Runde mit einem ungestümen Schlaghagel zu Boden schicken. Doch der Amerikaner blieb stehen. Danach, so schien es, hatte Abraham nicht mehr die Puste für einen K.o. Mehr noch: Simon attackierte seinerseits und brachte den gebürtigen Armenier mit zwei Linken ins Wackeln.

„Arthur hat gezeigt, dass er ein Klassemann ist“, befand Trainer Ulli Wegner. „Um ein absoluter Champ zu werden, dafür war dieser Kampf heute der wertvollste.“ Absoluter Champ ist Abraham erst, wenn er Doppelweltmeister Kelly Pavlik aus den USA vor die Fäuste bekommt und diesem die WM-Gürtel der Verbände WBO und WBC abnimmt. Erst danach will er ins höhere Supermittelgewicht (76,203 kg) wechseln.

Doch Abraham und sein Manager Wilfried Sauerland haben ein Problem. Pavlik und dessen Management wollen nicht, selbst für angeblich angebotene drei Millionen Dollar nicht. „In den USA kennt niemand Arthur Abraham“, sagte Pavlik-Manager Bob Arum dem Internet- Portal „Welt online“ und fürchtet deshalb um TV-Interesse und Börsen. Folglich hat Sauerland beschlossen, Abraham im Juni nochmals in den USA - gewissermaßen zum Schaulaufen - boxen zu lassen. Rivale soll Halbmittelgewichts-Champion Vernon Forrest (USA) sein. „Bob Arum soll sich dann aber nicht wieder rausreden, Arthur wäre nicht bekannt genug in den USA“, zürnte Sauerland.

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