500 Tage bis zum WM-Anpfiff in Südafrika

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Deutsche Presse-Agentur

In Südafrika erreicht der Countdown für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 am 26. Januar die 500-Tage-Marke - in knapp anderthalb Jahren wird in Johannesburgs Soccer City das erste WM-Championat auf afrikanischem Boden angepfiffen.

Und nach Ansicht von FIFA-Chef Joseph Blatter wird der erste WM-Gastgeber aus Afrika die Herausforderung meistern. „Südafrika ist ein organisiertes Land“, betonte der Präsident des Fußball-Weltverbandes in einem FIFA.com-Interview. „Sie werden es schaffen, insbesondere angesichts all der Maßnahmen, die im Hinblick auf Bauausführungen, technische und logistische Infrastruktur, Transport und Verkehr, Hospitality, Unterbringung usw. getroffen wurden“, ergänzte Blatter.

Allen Zweiflern, gelegentlichen Streiks und Lieferproblemen zum Trotz sehen sich auch die WM-Organisatoren auf Kurs. Die Stadien liegen mit wenigen Ausnahmen im Zeitplan oder sind ihm gar voraus, und auch die übrige Infrastruktur nimmt zunehmend Gestalt an. Im März will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sein WM-Quartier bekanntgeben. Gerüchten zufolge liegt es im Naherholungsgebiet der Johannesburger am Hartebeesport-Damm - abgeschieden, aber mitten zwischen den WM-Standorten Johannesburg, Pretoria und Rustenburg.

Dennoch ist in Südafrikas Öffentlichkeit noch wenig von WM- Begeisterung zu spüren. Das offizielle WM-Maskottchen - der lächelnde Leoparden-Charmeur Zakumi - ist kaum präsent. Dagegen stöhnen die Südafrikaner über lange Staus, die durch die WM-Arbeiten bedingt sind; andere sind froh, dass die Infrastruktur-Erneuerung noch vor der globalen Finanzkrise abbezahlt wurde. Die bisher überschaubaren Kostenüberschreitungen des 2,5 Milliarden Euro teuren Mega-Ereignisses würden sonst astronomische Ausmaße annehmen, die den Steuerzahler noch mehr belasten würden als bisher.

Südafrika hat mittlerweile durchaus einige Erfolge vorzuweisen - darunter ein spezielles Visum für WM-Touristen. Innovativ wollen die Südafrikaner zur Vermeidung langer Warteschlangen sogar Beamte der Einwanderungsbehörde an allen wichtigen Flughäfen in Ländern wie Deutschland, Indien oder Großbritannien stationieren. Dort sollen sie den Fluggästen vor dem Einchecken Visa in die Pässe stempeln und ihre Namen mit Listen einschlägig bekannter Fußball-Rowdys abgleichen.

Problemzonen bleiben die Bereiche Sicherheit und Transport. Das WM-Gastland äußerte sich Ende 2008 besorgt über die hohe Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle. Sie seien 2007 gemeinsam mit krimineller Gewalt die beiden wichtigsten Faktoren für einen unnatürlichen Tod gewesen, hatte der Medizinische Forschungsrat betont. Obwohl es Erfolge bei der Reduzierung der Unfallzahlen gibt, bleiben Experte skeptisch. Immerhin gibt es bald Alternativen zum Auto: Der Bau der neuen Schnellzug-Verbindung zwischen dem Flughafen und dem Vorort Sandton liegt im Zeitplan.

Kopfschmerzen bereiten das ehrgeizige Modernisierungsprogramm für die am Kap gebräuchlichen Sammeltaxen sowie das geplante Bus-System, das im größten Austragungsort Johannesburg für den Transport der WM- Gäste sorgen soll. Unklar ist, ob es bis zum WM-Start am 11. Juni 2010 fertig sein wird. Und die Kriminalitätsrate, die trotz eines Rückganges weiterhin weit über dem internationale Durchschnitt liegt, bleibt ebenso ein Sorgen-Faktor wie die ungelöste Krise im Nachbarland Simbabwe. Sie droht nun zunehmend, auf die Nachbarländer überzugreifen. Die vor allem durch fliehende Simbabwer verbreitete Cholera forderte in Südafrika bereits 34 Tote und mehr als 5000 Erkrankte.

Einen Rückschlag erlitten die Vorbereitungen der WM-Organisatoren auch durch den Drogenschmuggel einer südafrikanischen Stewardess, die in London mit rund 55 Kilogramm Cannabis und Kokain aufflog. „Wer unbemerkt solche Mengen Rauschgift durch die Kontrollen am Flughafen schleusen kann, der kann auch andere Dinge an Bord schmuggeln“, meinte ein besorgter Südafrikaner in einer Radio-Talkshow.

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