145 Formel-1-Rennen ohne Podium: Nico Hülkenbergs langer Atem

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Nico Hülkenberg (li.) und ein Ingenieur bei der Streckenbesichtigung per Fahrrad.
Nico Hülkenberg (li.) und ein Ingenieur bei der Streckenbesichtigung per Fahrrad. (Foto: dpa)

Jetzt also Versuch Nummer 146. Kollektives Grinsen. Einhundertsechsundvierzig! Anschwellendes Gelächter. So etwa stellt man sich das vor mit Nico(las) Hülkenberg und der Formel 1, an der sich der bald 31-Jährige im Zwei-Wochen-Turnus abarbeitet. 146 Grand-Prix-Starts seit März 2010, kein einziges Mal eine Siegerehrung vom Podium aus erlebt. Nie Dritter, Zweiter oder gar Erster gewesen. Einhundertsechsundvierzigmal nicht. Grinsen, Gelächter! Kollektiv, anschwellend! STOPP!

Den Hinterherfahrer Hülkenberg gibt es nicht. Der Mann aus Emmerich ist aktuell Siebter der WM-Hierarchie – was das bedeutet, weiß, wer eine simple Rechnung macht: Ferrari mal Vettel und Räkkönen plus Mercedes mal Hamilton und Bottas plus Red Bull mal Ricciardo und Verstappen = 6. Nico Hülkenberg also ist Best of the Rest, eine Position, die 2018 so umkämpft sein dürfte wie schon lange nicht mehr. Und: Nico Hülkenberg ist Renault-Werkspilot. Das adelt (nicht allein finanziell), das eröffnet Perspektiven, ist ein „gemeinsames Langzeitprojekt: Renault will nach oben, ich will nach oben. Gleiche Interessen, gleicher Weg, gleiches Ziel.“

„Fahre wohl besser als je zuvor“

Es scheint, als hätten sich zwei gefunden. Endlich. Das Renault Sport F1 Team mit Dependancen im britischen Enstone (Chassis) und im französischen Viry-Châtillon (Antrieb) hat die Ressourcen, die es für ein auf Dauer effektives Arbeiten in der Formel 1 braucht (was Nico Hülkenbergs vorherige Arbeitgeber Williams, Sauber und Force India nicht immer von sich sagen konnten). Von seinem Fahrer wiederum glaubt Teamchef Cyril Abiteboul, „dass er auf dem Höhepunkt seiner Karriere steht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mit einem besseren Auto sogar um den Titel mitkämpfen könnte“ – das Langzeitprojekt, das „gleiche Ziel“. Nico Hülkenberg: „Man muss im richtigen Auto sitzen, um zu gewinnen und um die Meisterschaft zu kämpfen. Natürlich glaube ich, dass ich das Zeug dazu habe.“ Mit Renault, das das Zeug dazu hat, so ein Auto zu entwickeln.

Da läuft etwas in eine spannende Richtung. Auch wenn die Lücke zu Ferrari, Mercedes und Red Bull aktuell noch „zu groß“ ist, auch wenn das Mittelfeld der Formel 1 sich keinen Zentimeter Asphalt schenkt. Als Vierter der Konstrukteurswertung kommt Renault nach Hockenheim, eine Position, die verteidigt sein will. Der neue Frontflügel, der im Badischen Premiere hat, dürfte da hilfreich sein, die Streckencharakteristik auch. Und Nico Hülkenberg. Der hat den Renault R.S.18 heuer konstant auf Punkteränge chauffiert, wenn er sein Rennen beendete. Drei Ausfällen (Unfall in Baku, gebrochene Radaufhängung nach von Romain Grosjean verschuldeter Kollision in Barcelona, defekter Turbolader in Spielberg) stehen drei sechste, zwei siebte sowie je ein achter und neunter Platz gegenüber. Entsprechend positiv fällt die Bestandsaufnahme in eigener Sache aus: „Ich fühle mich gut, ich bin zuversichtlich und ich fahre wohl besser als je zuvor.“

Cyril Abiteboul würde das unterschreiben. Sofort. Einhundertsechsundvierzig hin, einhundertsechsundvierzig her. „Man wird abgebrühter, ein bisschen härter, erfahrener und weiß zu unterscheiden zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen“, hat Nico Hülkenberg erst kürzlich über die Vorzüge langer Formel-1-Karrieren sinniert. Nummern sind unwichtig. Ziele nicht.

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