133. Revierderby als Frust-Duell

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Deutsche Presse-Agentur

Selbst ein Sieg im 133. Revierderby gegen Borussia Dortmund kann die vermurkste Saison des FC Schalke 04 nicht mehr retten, doch die Hoffnung auf einen Stimmungsumschwung dient zumindest als Motivationshilfe.

Das kuriose 3:3 im Hinspiel ist nicht nur Trainer Fred Rutten in besonderer Erinnerung. Sein hoch überlegenes Team spielte den Erzrivalen in dessen Stadion zunächst an die Wand, führte 3:0 und stand nach eigenen Undiszipliniertheiten, umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen und zwei Platzverweisen am Ende als moralischer Verlierer da. „Dafür will ich Revanche“, kündigte der ansonsten mit kernigen Aussagen eher sparsame niederländische Coach vor dem Frust-Duell in der Veltins-Arena an.

Die sportliche Bilanz des BVB in der Rückrunde ist noch schlechter als die der Schalker. Dem Aus im DFB-Pokal gegen Werder Bremen folgten drei mäßige Bundesliga-Auftritte, in denen die Elf von Trainer Jürgen Klopp nur zwei Punkte sammelte. Kein Grund also, forsche Töne anzustimmen. Und auch wenn die Borussen bei insgesamt geringerer Erwartungshaltung als Tabellen-Achter einen Platz vor den Knappen stehen, sehnen sie ein Erfolgserlebnis ebenso herbei. „Es ist müßig, darüber zu diskutieren, wer den größeren Druck hat“, sagte Klopp. „Beide Mannschaften lechzen nach einem Befreiungsschlag.“

Ob Schalkes Clubchef Josef Schnusenberg, der sowohl Rutten als auch Manager Andreas Müller überraschend eine Jobgarantie über die laufende Saison hinaus gegeben hatte, zur Beruhigung der erhitzten Fan-Gemüter beitragen konnte, ist eine spannende Frage. Nach dem 1:2 in Bochum war die Stimmung hoch explosiv. Eine ähnlich dürftige Vorstellung im „großen Derby“ würden die königsblauen Anhänger nicht mehr verzeihen. Torhüter Manuel Neuer hofft, dass die enttäuschten Fans die Mannschaft nicht im Stich lassen und anfeuern. „Wir sind alle bis in die Haarspitzen motiviert. Das wird sicher ein heißes Spiel, und wir werden versuchen, die Zuschauer sofort auf unsere Seite zu ziehen.“ Auch Gerald Asamoah versprach, alles zu geben. „Wir werden kratzen und beißen für den Sieg.“

Immerhin: Rutten kann personell aus dem Vollen schöpfen. Neben dem genesenen Benedikt Höwedes wird wohl Marcelo Bordon verteidigen. Trotz seiner gebrochenen Hand, die durch eine Schiene geschützt wird, will der Kapitän sein Team unbedingt auf den Rasen führen. Der Brasilianer nahm Rutten und Müller ausdrücklich in Schutz und die Elf in die Pflicht. „Nicht der Trainer oder Manager sind Schuld, wenn wir Spiele verlieren. Es ist unsere Aufgabe, mehr Qualität auf dem Platz zu zeigen und bis zum Ende der Saison für eine bessere Platzierung zu kämpfen.“

Klopp, dessen Elf zuletzt viele Chancen zuließ, muss am Freitag auf zahlreiche bewährte Kräfte verzichten. Vor allem in der Defensive drückt wegen der Ausfälle von Dede, Mats Hummels und Linksverteidiger Young-Pyo Lee der Schuh. Für den gesperrten Südkoreaner rückt Marcel Schmelzer ins Team. Zudem fehlt weiter Jakub Blaszczykowski und Tingas Einsatz ist unwahrscheinlich. Trotz dieser Voraussetzungen bleibt Klopp zuversichtlich. „Das wird ein offenes Spiel.“

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FC Schalke 04: Neuer - Rafinha, Höwedes, Bordon (Krstajic), Pander - Jones - Westermann, Rakitic - Farfan, Kuranyi, Asamoah

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Santana, Schmelzer - Kehl - Boateng, Kringe (Tinga) - Hajnal - Frei, Valdez

Schiedsrichter: Stark (Ergolding)

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