103:92 – Akpinar führt Ulm zum Gala-Triumph

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Meistens einen Weg gefunden: Ulms Ismet Akpinar (mit Ball).
Meistens einen Weg gefunden: Ulms Ismet Akpinar (mit Ball). (Foto: imago)

Die Familienverhältnisse des Ulmer Nationalspielers Ismet Akpinar liefern einen schönen Einblick in die zuweilen an Fanatismus grenzende Begeisterung im türkischen Basketball. Akpinars Mutter, sein Vater und er sind jeweils Anhänger von einem der drei großen Istanbuler Clubs, das habe allerdings Vor- und Nachteile, sagt der 23-Jährige: „Wir haben überall Freunde und Feinde“ – denn die Clubliebe ist international, sportartübergreifend und eine Frage der Ehre. Wer nun exakt für wen ist und für wen das wahre Herz seines Bruders schlägt, der in der Türkei bei Büyükcekmece spielt, verrät Akpinar natürlich nicht, denn wie so etwas aussieht, eine Feindschaft, erfuhr man vor fünf Jahren beim Ulmer 91:70 über Galatasaray. Ein Fenerbahce-Fan hatte sich in die Nähe des Gästeblocks geschmuggelt und hob nach Abpfiff schadenfroh sein Trikot hoch, worauf sich lautstarke Jagdszenen und Tumulte abspielten.

Die Eurocup-Wiederauflage in der Ratiopharm-Arena war deshalb zum Hochsicherheitsspiel erklärt worden. Die Tickets waren personalisiert. Alkohol wurde keiner ausgeschenkt, dafür wurden die Fans im Vorfeld freundlich gebeten, doch bitte kein Münzgeld und keine Feuerwerkskörper mitzunehmen, denn mit beidem kann man schlimme Sachen anstellen. Überall rund um die Ratiopharm-Arena wachten Polizisten am Mittwochabend, und es blieb friedlich. Zwar hissten die rund 500 Hardcore-Fans unter den 5000 diverse Halbmondflaggen, benahmen sich sonst aber so, wie sich ganz normale, halbverrückte (Fußball-)Fans eben benehmen: hüpften, schrien, sangen, tanzten Pogo.

Auf dem Feld dagegen hatten die Ulmer mit einem Türken arge Probleme: dem 24-jährigen Nigel Hayes, den Trainer Thorsten Leibenath für NBA-tauglich hält und der am Ende 26 Zähler machte. Dwayne Evans konnte den US-Amerikaner nicht stoppen. Dem 2,03 Meter großen Forward glückten in den ersten vier Minuten sämtliche zehn Punkte zum 10:7, das Galatasaray auf 25:15 ausbaute (8.), ehe Akpinar mit vier Punkten auf 19:25 verkürzte.

Eine Ulmer 16:1-Serie

Danach wendete sich das Blatt: auch, weil Ulm nun so verteidigte, wie die Gala-Fans sangen: frenetisch, fäustereckend, hartnäckig. Evans brachte die Ulmer nach einem 12:2-Lauf mit 33:31 in Front, ehe sich Hayes nach 18 Minuten mit zwei Dreiern zum 37:41 zurückmeldete. 18 Punkte hatte er nun, zur großen Pause hieß es – wieder dank zweier glänzender Akpinar-Aktionen – 46:43 für Ulm.

Dann drehte sich die Partie erneut. Gala verteidigte nun noch bissiger als zuvor die Ulmer, die binnen Sekunden Spielmacher Patrick Miller durch ein Doppelvergehen mit dem fünften Foul verloren. Ulm leistete sich eklatante Offensivpatzer, nach einem 0:11-Lauf hieß es 66:52 für den letztjährigen Liga-Neunten vom Bosporus. Nur sechs Pünktchen glückten Ulm im dritten Viertel.

Die Vorentscheidung aber war das nicht: Angeführt vom glänzenden Akpinar, der das Spiel seines Lebens machte und insgesamt 26 Punkte erzielte – in dieser Phase gleich elf – , wendeten die Ulmer binnen fünf Minuten mit einer 16:1-Serie das Blatt. Plötzlich lagen sie mit 68:67 und 76:71 in Front – nur, um dann wieder einen 0:7-Lauf zu kassieren. Akpinar schaffte das 78:78 – Verlängerung.

In der traf wieder Akpinar, inzwischen auch Spielmacher, und erstmals auch Kapitän Per Günther, der einen miserablen Tag erwischte. Doch auch eine 85:82-Führung brachte Ulm wenig – es ging in die zweite Verlängerung. In der schnappte sich das Heimteam schließlich den ersehnten ersten Saisonsieg. Während Gala Zach Auguste durch Foul Nr. 5 verlor, setzte sich Ulm auf 89:85 ab, verteidigte unnachgiebig. Isaac Fotu machte mit einem Dreier zum 92:86 alles klar. 103:92 gewannen die Ulmer am Ende – weil Akpinar, Held des Spiels, noch zahllose Zähler nachlegte.

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