Özil vor A-Premiere: „Löw hat mich überzeugt“

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Deutsche Presse-Agentur

Der kontinuierliche Kontakt zu Bundestrainer Joachim Löw hatte maßgeblichen Einfluss darauf, dass sich Mesut Özil für eine Zukunft in der deutschen und nicht in der türkischen Nationalmannschaft entschieden hat.

„Herr Löw gab mir Zeit und hat mich sehr überzeugt“, erklärte der 20 Jahre alte Profi-Fußballer mit türkischen Wurzeln dem „kicker“. Zwar hatte Özil, der in Gelsenkirchen geboren wurde, schon frühzeitig in den Jugend-Auswahl-Mannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gespielt. Doch nach einer Einladung für das türkische A-Team im September 2008 sei das Werben der Türkei intensiver geworden, berichtete Özil.

„Wir hatten in den letzten Monaten immer mal wieder ein Gespräch. Und ich habe ihm vor Weihnachten gesagt, es ist wichtig, dass er sich entscheidet, nicht wir“, erläuterte der Bundestrainer vor dem ersten Länderspiel 2009 gegen Norwegen nochmals die Berufung Özils. Der Spieler von Werder Bremen könnte nach Mustafa Dogan, Malik Fathi und Serdar Tasci, der auch zu Löws erstem Aufgebot in diesem Jahr zählt, der vierte deutsche A-Nationalspieler mit türkischer Abstammung werden. „Ich habe mir in den letzten Wochen ständig die Frage gestellt, mit dem Ergebnis, dass es richtig ist, für Deutschland zu spielen“, sagte Özil zur schwierigen Entscheidung und sagte erneut: „Hier wurde ich geboren und zum Fußballer ausgebildet.“

Özil, der viele und heftige Reaktionen bekam, warb auch bei den türkischen Fans um Einsicht: „Ich danke der Türkei für ihr Interesse und bitte um Verständnis für meine Entscheidung.“ Es sei klar, „dass mich einige lieber dort gesehen hätten“, meinte der Ex-Schalker. „Ich erhielt aber sehr viele Briefe, in denen sich türkische Mitbürger in Deutschland über meinen Entschluss freuen. Sogar von einem Politiker“, berichtete er. Schlimme Reaktionen habe es bisher nicht gegeben. Allerdings wurde nach Löws Nominierung in der Vorwoche der Fanblock auf Özils persönlicher Homepage mit dem Vermerk in deutsch und türkisch abgeschaltet: „Da der Sport hier im Gästebuch zurzeit immer mehr in den Hintergrund rückt und einige Einträge ein respektvolles Miteinander verhindern, wird das Gästebuch vorübergehend geschlossen.“

In den kommenden Monaten will Özil „sehr hart arbeiten“, um sich in der deutschen A-Elf durchzusetzen. Damit möchte er auch dazu beitragen, dass sich „viele Deutsche mit Migrationshintergrund mehr mit der deutschen Nationalmannschaft identifizieren“.

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