Özil, Löw und eine Uhr: Immer wieder Kritik an Grindel

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Löw-Verlängerung
Vor der WM 2018 verlängerte der DFB um Reinhard Grindel den Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw bis 2022. (Foto: Simon Hofmann/Bongarts / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist nach einer Serie von Verfehlungen zurückgetreten. Die Deutsche Presse-Agentur blickt auf Fehltritte und streitbare Entscheidungen in Grindels Amtszeit:

VORZEITIGE LÖW-VERLÄNGERUNG: Unmittelbar vor der angestrebten WM-Titelverteidigung in Russland verlängerte der DFB um Boss Grindel den Vertrag von Bundestrainer Joachim Löw bis 2022. Was vor der WM als „Coup“ gefeiert wurde, erwies sich nach dem frühen Turnier-K.o. als vorschnelles Handeln. „Ich habe immer gesagt, dass für mich Jogi Löw der beste Trainer für die Nationalmannschaft ist“, betonte Grindel vor der WM. Er hielt zwar auch nach dem Turnier an Löw fest, hatte angesichts von vier weiteren Vertragsjahren aber auch kaum eine andere Wahl.

CAUSA ÖZIL: Das bis dato dunkelste Kapitel in Grindels Amtszeit. Nach dem historischen WM-Vorrundenaus trat Mesut Özil, der nach einem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mehrere Wochen heftig in der Kritik stand, nicht nur aus dem DFB-Team zurück, sondern richtete auch Rassismusvorwürfe an den DFB und dessen Spitze. „In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren“, hieß es von Özil. Grindel wies jede Form von Rassismus zurück, gestand aber später Fehler im Umgang mit der Thematik ein.

ABGEBROCHENES INTERVIEW: Es war nur ein weiterer Schnipsel, aber er fügte sich ins Bild vom Präsidenten mit dem dünnen Nervenkostüm. Der 57-Jährige brach Mitte März ein Interview der Deutschen Welle im Vorfeld eines FIFA-Treffens in Miami ab. Grindel entledigte sich nach einem Disput mit dem Journalisten Florian Bauer, der das Interview führte, seines Mikrofons und ging. Zu dem Journalisten sagte er unter anderem: „Herr Bauer, das bringt doch jetzt nichts, Sie versuchen mir immer eine Bemerkung in den Mund zu schieben, mit der Sie was machen können, und ich weiche Ihnen seit zehn Minuten aus. Jetzt machen Sie doch vernünftige Fragen, auf die ich vernünftig antworten kann.“ Kurz danach ging er.

GRINDELS EINKÜNFTE: In den vergangenen Tagen wuchs die Kritik nach einem Bericht des „Spiegel“ an Grindel erneut an. Demnach soll der DFB-Chef als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft zwischen Juli 2016 und Juli 2017 zusätzlich zu seinen sonstigen Einnahmen 78 000 Euro erhalten haben.

Laut „Spiegel“ räumte Grindel diese Zahlung ein, wies den Vorwurf aber zurück, der Öffentlichkeit gegenüber die zusätzlichen Einnahmen verschwiegen zu haben. Der DFB wies den Vorwurf der Verschleierung zurück, da Grindel erst drei Monate nach seiner Wahl zum Verbandschef den Posten angetreten hatte. Bei seiner Rücktrittserklärung sagte Grindel dazu kein Wort.

EINE UHR ALS GESCHENK: Der Erklärung des früheren Berufspolitikers nach zu urteilen, ist Grindel alleine die Annahme einer teuren Uhr als Geschenk zum Verhängnis geworden. „Für mich war das ein reines Privatgeschenk. Es war ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen“, stellte Grindel klar. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet, dass der frühere ukrainische Verbandschef Grigori Surkis dem DFB-Chef zum Geburtstag eine Luxus-Uhr geschenkt hatte. Surkis saß bis Februar wie Grindel in der Exekutive der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Grindel bestritt wiederholt einen Interessenkonflikt.

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